Erster Test: Audi Q7 3.0 TDI – Saubere Sache

In Shanghai feierte der überarbeitete Audi Q7 Ende April 2009 seine Premiere, im Juli sollen die ersten Neuen an die Kundschaft ausgeliefert werden. Neu im Programm des aufgehübschten Dampfers: Der saubere 3.0 TDI Clean Diesel quattro, von dem wir uns schon jetzt überzeugen konnten.

Optisch präsentiert sich der nach drei Jahren Bauzeit nur äußerlich überarbeitete Q7 dynamischer als bisher. Die neue Heckklappe des über fünf Meter langen Audi ist stärker konturiert, die serienmäßigen LED-Rückleuchten erinnern an den kleinen Bruder Q5.

Auch an der Front haben LEDs Einzug gehalten: In Verbindung mit Xenon-Licht wurden die herkömmlichen Tagfahrlicht-Lampen durch Leuchtdioden ersetzt und die nach wie vor quer über den Nebelleuchten angebrachten Blinker arbeiten dann mit LED-Technik.

Leichtfüßiger

Zusammen mit dem modifizierten, üppigen Single-Frame-Kühlergrill und einem neuen, markanteren Unterfahrschutz lassen die Neuerungen das Ingolstädter Schwergewicht agiler und weniger schwerfällig erscheinen.

Die neue Optik passt auch besser zum Charakter des Q7, denn: behäbig war der Audi nie. Mehr noch als Leistungssteigerungen standen deshalb die Verbrauchsoptimierungen im Mittelpunkt der Arbeit der Ingenieure. So arbeiten jetzt alle sechs V6- und V8-Direkteinspritzer nun mit einem Rekuperationssystem, das beim Bremsen Energie in Strom umwandelt und damit die Batterie füttert.

Sparpotential

Bei den beiden leistungsmäßig unveränderten Benzinern 3.6 FSI (280 PS) und 4.2 FSI (350 PS) sinkt der Normverbrauch um jeweils 0,6 Liter auf jetzt 12,1 beziehungsweise 12,7 Liter je 100 Kilometer. Einen größeren Sprung macht der mittlere Diesel: Trotz einer Steigerung um 14 auf jetzt 340 PS gönnt sich der 4.2 TDI nach der Kur nur noch 9,9 statt 11,1 Liter und vergrößert damit seinen Vorsprung zum 500 PS starken Top-Modell V12 TDI, der wie gehabt 11,3 Liter genehmigen soll.

Nichts getan hat sich auf den ersten Blick beim Kassenschlager 3.0 TDI: Der 240-PS-Selbstzünder verbraucht wie bisher 9,1 Liter Diesel. Allerdings stellt Audi dem schwächsten Aggregat im Portfolio eine neue Sauber-Variante zur Seite, den 3.0 TDI Clean Diesel quattro.

Saubere Sache

Der für den US-Markt konzipierte Sechszylinder leistet wie sein konventioneller Bruder 240 PS, verfügt aber zusätzlich über einen DeNox-Katalysator mit AdBlue, also Harnstoff-Einspritzung, der den Großteil der anfallenden Stickoxide (NOx)in harmlosen Stickstoff und Wasser umwandelt und den Selbstzünder so zum saubersten Diesel der Welt machen soll. Und der Fahrer braucht sich dabei um nichts zu kümmern, denn der AdBlue-Vorrat soll ein Kundendienst-Intervall lang reichen.

Zweiter Vorteil des Clean Diesel: Er ist nicht nur sauberer als der normale 3.0 TDI, sondern auch sparsamer. 0,2 Liter weniger soll er konsumieren und sich damit nur 8,9 Liter einverleiben. So erfüllt das Triebwerk schon jetzt die für 2014 angekündigte Euro-6-Abgasnorm sowie die strengen Grenzwerte in allen US-Staaten.

Keine Einbußen

Wer glaubt, dass das Saubermann-Image zu lasten des Fahrspaß geht, der irrt. Der 550 Newtonmeter starke Diesel stemmt bei 2.000 Umdrehungen seine gesamte Kraft auf die Kurbelwelle und schiebt den Q7 in achteinhalb Sekunden auf Tempo 100 - ganz ohne Turboloch.

Spontan reagiert das Aggregat auf Gasbefehle, und die serienmäßige Sechs-Gang-Automatik schaltet - sollte der Durchzug doch nicht ganz reichen - blitzschnell aber trotzdem sanft runter. Einziger, kleiner Unterschied zum Nicht-Clean-3.0-TDI: Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit Tempo 234 um 5 km/h niedriger.

Leisetreter

Dafür verhält sich der Sauber-Diesel genauso leise wie der konventionelle Sechszylinder. Äußerst laufruhig und kultiviert geht das Triebwerk seiner Arbeit unter der hohen Motorhaube nach, selbst beim Kickdown wird der hervorragend gedämmte Diesel nicht laut.

Einen Unterschied gibt es doch noch: Den Preis. Während der 3.0 TDI für 52.700 Euro zu haben ist, müssen für den Clean Diesel 2.000 Euro mehr auf den Tisch gelegt werden. Der überarbeitete 4.2 TDI startet bei 72.700 Euro und die Benziner bei 51.570 Euro für den V6 und 69.200 Euro für den Achtzylinder. Fast doppelt so teuer ist das Spitzenmodell: Der V12 TDI steht mit 132.400 Euro in der Preisliste.

Fazit

Die optischen Retuschen haben Audis Dickschiff gut getan, der überarbeitete Q7 wirkt leichtfüßiger. Sein neues Äußeres passt besser zu den inneren Werten, denn in Anbetracht von Größe und Gewicht ist der Q7 erstaunlich dynamisch. Und das schon mit dem schwächsten Aggregat, dem 3.0 TDI. Schade nur, dass man für den Clean Diesel 2.000 Euro Aufpreis zahlen muss. Eigentlich sollte Umweltschutz serienmäßig sein.

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