Honda WN7 (2026) im Test: Ist das vollelektrische Naked Bike die Zukunft?

Das Wichtigste zuerst
AutoScout24-Bewertung: 8,1 von 10 Punkten.
Der Elektromotor der 217 Kilogramm schweren Honda WN7 bietet eine Spitzenleistung von 50 kW (68 PS) und ein maximales Drehmoment von 100 Nm. Da die Dauerleistung 18 kW (25 PS) beträgt, kann das Motorrad mit dem A2-Führerschein gefahren werden. Die 9,3-kWh-Batterie ermöglicht eine WMTC-Reichweite von bis zu 140 Kilometern und lässt sich mit Gleichstrom in rund 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden. Die Honda WN7 kostet in Österreich 14.990 Euro. In Deutschland ist auch eine A1-Version erhältlich. Beide Varianten wechseln inklusive Überführungskosten für 15.409 Euro den Besitzer.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Dass Honda ein ausgewachsenes Elektromotorrad bringt.
Was wir vermissen
Mehr Reichweite, sobald wir die Stadt verlassen.
Ideal, wenn …
… man meistens in der Stadt und nur gelegentlich außerhalb unterwegs ist.
Die Alternativen
Livewire One, Ultraviolette F77 Superstreet Recon, Zero S
Stärken
- Futuristisches Design
- Kräftiger, emissionsfreier Antrieb
- Kurze DC-Ladezeit
Schwächen
- Harte Sitzbank
- Unpraktisch angebrachter Startknopf
- Reichweite außerhalb der Stadt
Futuristischer Look passend zum Antrieb
Neben dem reinen Elektroantrieb schlägt die Honda WN7 auch optisch einen eigenständigen Weg ein. Mit seinen klaren Linien und glatten Flächen präsentiert sich das Naked Bike in einem futuristischen Look. Die Farbe „Pearl Deep Mud Grey“ des Testfahrzeugs und die dazu passenden farblichen Akzente ergeben ein sehr stimmiges Bild. Da der Akkublock als tragendes Element dient, ist kein durchgehender Rahmen erforderlich. Dadurch baut das Elektromotorrad sehr schmal. Eine echte Augenweide ist die Einarmschwinge mit freiem Blick auf das Hinterrad, das mit seiner Breite von 150 Millimetern etwas zierlich wirkt.
An der Front prägen der zweiteilige LED-Scheinwerfer mit dazwischenliegendem Tagfahrlicht und die stylischen Lenkerendenspiegel das Erscheinungsbild. Die stehenden Winglets an den Seiten versorgen den Kühler mit Luft und wirken durch ihre Form und die halbtransparente Ausführung als zusätzliches Designelement. Das hoch angesetzte LED-Rücklicht ist als freistehend wirkendes Leuchtenband ausgeführt und unterstreicht damit den reduzierten Look. Insgesamt wirkt das Design futuristisch, ohne dabei auf die klassische Naked-Bike-Optik zu verzichten.

Antrittsstark vom ersten Moment an
Das Herzstück der Honda WN7 bildet ein flüssigkeitsgekühlter Elektromotor mit einer Spitzenleistung von 50 kW (68 PS) und einem maximalen Drehmoment von 100 Nm. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgt über einen wartungsarmen Zahnriemen. Ein klassisches Schaltgetriebe und eine Kupplung sind nicht erforderlich. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigt das fahrfertig 217 Kilogramm schwere Naked Bike 4,6 Sekunden, bei 129 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Der Charakteristik des Elektroantriebs entsprechend zieht sie vom Start weg äußerst kräftig an. Beim Ampelstart hat man so zumeist die Nase vorne.
Das Fahrwerk der Honda WN7 setzt auf Komponenten von Showa. Vorne arbeitet eine nicht einstellbare 43-Millimeter-Upside-down-Gabel mit 120 Millimetern Federweg. Das zentrale Federbein bietet ebenfalls 120 Millimeter Federweg und lässt sich in der Federvorspannung einstellen. Das Fahrwerk ist sportlich straff abgestimmt und passt damit gut zum Fahrzeugcharakter. Bei kurzen Schlägen könnte es etwas sensibler ansprechen. Die Bremsanlage von Nissin ist mit Kurven-ABS ausgestattet und verzögert stets einwandfrei.
Langgezogene Kurven sind ihr Element
Die Honda WN7 ist mit einem Smart Key ausgestattet, sodass ein klassisches Zündschloss entfällt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass sich der Startknopf ziemlich weit unten an der linken Fahrzeugseite befindet und man sich zum Anstarten jedes Mal nach unten beugen muss. Ausgeschaltet wird die Zündung durch Drehen desselben Knopfs. Eine weitere Drehung aktiviert die Lenkersperre. Dieses wichtige Bedienelement zugunsten der aufgeräumten Optik im Bereich des Displays so weit nach unten und außerhalb des Sichtfelds zu platzieren, ist eine etwas merkwürdige Lösung.
Passend zu einem Naked Bike sitzt man auf der Honda WN7 aufrecht und leicht nach vorne geneigt. Der Lenker befindet sich auf einer angenehmen Höhe und eignet sich so auch gut zum entspannten Cruisen in der Stadt. Der Kniewinkel ist sportlich, wird aber auch bei längeren Fahrten nicht unangenehm. Einziger echter Kritikpunkt ist die schmale und recht straff gepolsterte Sitzbank, deren Härte sich im Test bereits nach halbstündiger Fahrt als unangenehm herausstellt. Zum Beispiel fürs Pendeln oder allgemein längere Fahrten wäre hier etwas mehr Komfort wünschenswert.
Die Honda WN7 ist ein ideales Fortbewegungsmittel für den urbanen Raum, lässt sich aber auch außerhalb der Stadt sehr gut bewegen. Schnelle, langgezogene Kurven sind dabei ihr bevorzugtes Terrain. Dank des tiefen Schwerpunkts und der schmalen Bereifung lenkt sie bereitwillig ein und hält dann präzise die eingeschlagene Spur. In engen Kurven und Kehren macht sich das Gewicht etwas bemerkbar. Hier wirkt das Elektromotorrad etwas schwerfällig. Rasches Umlegen von der einen auf die andere Seite verlangt einiges an Kraft.
Praktische Funktionen im Alltag
Die Honda WN7 verfügt über ein gut ablesbares 5-Zoll-TFT-Display. Die Menüstruktur wirkt im ersten Moment etwas kompliziert und technisch, erweist sich jedoch während des Tests als sehr intuitiv und praktisch zu bedienen. Mittels der Honda-RoadSync-App am Smartphone kann das Display zur Turn-by-Turn-Navigation genutzt werden. Dabei ist es möglich, das Ziel auch per Spracheingabe über das Headset einzugeben. Telefonieren und die Steuerung der Musikwiedergabe sind ebenfalls möglich. Links am Lenker ist ausreichend Platz, eine Smartphone-Halterung zu montieren. Schade ist nur, dass vorne kein USB-Port zum Laden des Telefons vorhanden ist. Dieser befindet sich unter der Sitzbank, die nur mit Werkzeug geöffnet werden kann.
Sehr praktisch ist die Einstellung der Rekuperation, die über zwei Tasten an der linken Bedieneinheit vorgenommen werden kann, ohne die Hand vom Lenker zu nehmen. Es stehen drei Intensitätsstufen und reines Segeln zur Auswahl. Im Test stellt sich in der Ebene die Stufe 1 als ideal heraus. Beim Bergabfahren sind je nach Gefälle auch die beiden stärkeren Stufen sinnvoll, um manuelles Bremsen weitgehend zu vermeiden. Im Stand können diese beiden Tasten zum langsamen Vorwärts- und Rückwärtsfahren verwendet werden. Ein praktisches Feature, da sich die Honda WN7 beim Rangieren schwerer anfühlt, als sie aussieht.
Kein Reichweiten-Wunder
Wie bei allen aktuellen Elektromotorrädern ist auch bei der Honda WN7 die Reichweite ein Thema. Der gesamte Test verläuft bei einer Außentemperatur von rund 20 Grad und somit bei idealen Verhältnissen für den Aktionsradius eines Elektrofahrzeugs. In der Stadt schaffen wir bei einem Verbrauch von knapp über sechs kWh auf 100 Kilometern rund 150 Kilometer mit einer vollen Akkuladung. Damit kann man im urbanen Bereich in der Regel mehrere Tage ohne Nachladen unterwegs sein.
Dann verlassen wir die Stadt und fahren eine entspannte Testrunde, ohne dabei das Beschleunigungspotential der Honda WN7 voll auszuschöpfen. Wir bewegen uns in einem Geschwindigkeitsbereich von 50 bis 100 km/h und verbrauchen rund 7,5 kWh auf 100 Kilometern. Damit reduziert sich die Reichweite auf rund 125 Kilometer, was in der Praxis zu Einschränkungen führen kann. Die abendliche Hausrunde geht sich meistens aus, bei längeren Ausfahrten muss man bereits exakt planen.
Fährt man eine sportliche Tour so, wie man dies von einem Verbrenner-Motorrad gewohnt ist, steigt der Verbrauch naturgemäß weiter an. Das kontinuierliche Ausnutzen der vollen Leistung, insbesondere das kraftvolle Herausbeschleunigen aus den zahlreichen Kurven einer Bergstraße, treibt den Verbrauch im Test auf neun kWh pro 100 Kilometern. Da bleiben dann nur noch rund 100 Kilometer Reichweite übrig.
Gleichstromladen bringt kurze Wartezeiten
Die Honda WN7 ermöglicht CCS-Laden an öffentlichen Schnellladestationen. Auch wenn die maximale Ladeleistung von 24 kW im Test nur sehr kurz gehalten wird, ist der Ladevorgang von 19 auf 80 Prozent mit durchschnittlich 10,4 kW in 34:44 Minuten erledigt. Das ist in Anbetracht des 9,3-kWh-Akkus keine Rekordzeit, jedoch für ein Elektromotorrad ein guter Wert. An einer öffentlichen Wallbox schaffen wir es, in einer Stunde von 19 auf 54 Prozent SoC zu laden. Dies bedeutet hochgerechnet eine Ladezeit von knapp drei Stunden von null auf 100 Prozent. An der heimischen Steckdose bleibt die Ladedauer deutlich unter dem von Honda angegebenen Wert. In 4:10 Stunden laden wir von einem auf 100 Prozent.
Fazit
Mit der Honda WN7 hat der japanische Motorradhersteller ein gelungenes erstes „großes“ Elektromotorrad auf den Markt gebracht. Antritt und Durchzug sind durchaus als sportlich zu bezeichnen. Die Sitzposition und das Fahrverhalten sind ausgewogen und passen damit gut zu einem Naked Bike. Die Verbesserung kleiner Details würde das Motorrad im Alltag noch praxistauglicher machen. Für den urbanen Bereich ist die Reichweite vollkommen ausreichend. Nutzt man jedoch außerhalb der Stadtgrenzen bei sportlicher Fahrweise das volle Potenzial, muss die Honda WN7 nach 100 Kilometern an die Ladesäule. Trotz vergleichsweise kurzer Ladedauer schränkt dies die Einsatzmöglichkeiten doch ziemlich ein (Text und Bild: Armin Hoyer).
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Honda WN7
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