Erster Test: VW Caddy Facelift – Vom Nutzfahrzeug zum Pkw

Mit dem Facelift rückt die in Hannover beheimatete Nutzfahrzeug-Abteilung ihren praktischen Familien-Lieferwagen noch näher in Richtung Pkw.
Blickt man in die umfangreiche Caddy-Preisliste, schlagen einem nicht weniger als 141 mögliche Motor-Getriebe-Karosserie-Sitz-Ausstattungs-Varianten entgegen, die ein Preisspektrum von 16.200 bis 33.300 Euro abdecken. Gut 50 Varianten entfallen auf die Nutzfahrzeuge, also den Kastenwagen oder dessen spartanische Passagierversion Kombi. Die anderen 90 Kombinationen entstammen der Pkw-Preisliste, die mit dem Facelift neu strukturiert wurde. Ab sofort gibt es keinen Caddy Life mehr, sondern die von VW gewohnten Ausstattungslinien Startline, Trendline und Comfortline.
Neues Familiengesicht
Egal, für welche Kombination man sich entscheidet: Alle Caddys rollen ab Ende September 2010 mit neuem Gesicht vom Band und sind mit den schärfer gezeichneten Scheinwerfern und dem breiten Grill dem Familien-Design angepasst. Ja nach Ausstattung sind mehr oder weniger Teile unlackiert, außen wie innen. Doch selbst mit der Pkw-Basis-Version, dem Caddy Startline, muss man sich nicht verstecken.
Zu den rund 2.000 neuen Teilen zählen neben Schürzen, Scheinwerfern, Rückleuchten und Schwellern auch Instrumente und Zierkonsolen im Innenraum. Der Caddy ist nun endgültig im Pkw-Segment angekommen, wirkt wohnlich und hochwertig. Spätestens in der gehobenen Comfortline-Ausstattung ist der Unterschied zum Golf nicht mehr groß. Lenkräder, Instrumente und Entertainment-System sind bekannt und selbst das aus Kostengründen verbaute Hartplastik ist bestens verarbeitet und wirkt keineswegs störend.
Jetzt mit Dachreling
Von außen fällt, neben den optischen Retuschen, die nun endlich erhältliche Dachreling auf, mit der bis zu 100 Kilogramm Ladung auf dem Dach fixiert werden können. Auch haben Tagfahr- und Abbiegelicht, ein Berganfahrassistent und ein geschlossenes Handschuhfach Einzug im neuen Caddy gehalten.
Die zweite Sitzreihe ist nun komplett ausbaubar, sowohl beim normalen Caddy, als auch beim um 47 Zentimeter gestreckten Caddy Maxi. Letzterer fährt immer als Sieben-Sitzer vor, der Kurze ist mit fünf oder sieben Plätzen erhältlich. Der rechte Einzelsitz in der zweiten Reihe bringt rund 20 Kilogramm auf die Waage und lässt sich auch allein noch problemlos rausheben, für die Kombination aus linkem und Mittelplatz, die gut 30 Kilogramm wiegt, sollte man sich allerdings einen Helfer suchen. Sind so alle Plätze demontiert, schluckt der Caddy Maxi nun bis zu 3.880 Liter (normaler Caddy 3.030 Liter) und bietet eine durchgängige Ladefläche von 2,25 Metern.
Neue Motorenpalette
Doch nicht nur an der Wertanmutung, Optik und Praktikabilität haben die Ingenieure gefeilt, sie haben dem Caddy auch eine fast komplett erneuerte Motorenpalette zukommen lassen. Einzig bekanntes Aggreat – neben dem 109-PS-Erdgasmotor – ist der 2.0 TDI mit 140 PS. Neu hinzugekommen ist eine schwächere Ausbaustufe des Zwei-Liter-Diesels mit 110 PS. Diese, und nur diese, gibt es mit dem Allradantrieb 4Motion. Der 1.9 TDI wurde in Rente geschickt und durch den modernen 1.6 TDI ersetzt, der wahlweise 75 oder 102 PS leistet. Damit arbeiten jetzt alle Selbstzünder nach dem Common-Rail-Verfahren.
Für beide Versionen des 1.6 TDI bietet Volkswagen ein BlueMotion-Technology-Paket an, das aus einer Stopp-Start-Automatik, Rekuperationstechnik, aerodynamischen Radlaufspoilern und rollwiderstandsoptimierten Reifen besteht. Das Resultat: Gut ein halber Liter Spritersparnis gegenüber den normalen Modellen. Beim 75-PS-TDI ergibt das 5,3, beim stärkeren 102-PS-Motor sogar nur 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Und der etwas leichtere Kastenwagen bringt es im EU-Zyklus gar auf einen Verbrauch von nur 4,9 Liter.
Lieber zum Handschalter greifen
Ordert man das BlueMotion-Paket, ist das serienmäßige Fünf-Gang-Schaltgetriebe Pflicht, ansonsten bietet VW für den stärkeren der beiden auch ein Sieben-Gang-DSG an. Für den 2.0 TDI gibt es ein Sechs-Gang-Getriebe, der stärkere der beiden kann Alternativ mit einem Sechs-Gang-DSG ausgerüstet werden. Seine 320 Newtonmeter Drehmoment wären schlicht zu viel für das siebenstufige Doppelkupplungs-Getriebe.
Allerdings konnte uns das Sieben-Gang-DSG bei unserer ersten Ausfahrt mit dem 102-PS-Caddy auch nicht vollends überzeugen; wie übrigens schon in anderen VW-Modellen. Zu langsam schaltet es bei mäßigem Tempo, was vor allem beim Rangieren auffällt. Andererseits wechselt es oft hektisch zwischen den Übersetzungen, wo es gar nicht nötig wäre. Denn mit 250 Newtonmeter Drehmoment bei 1.500 Touren hat der Vier-Zylinder ausreichend Durchzug um den rund eineinhalb Tonnen schweren Caddy zu mobilisieren.
VW Caddy Tramper
Für alle, die gern auf große Reise gehen, gibt es weiterhin den zum Reisemobil aufgerüsteten Caddy Tramper. Legt man die Sitze um, lässt sich ein zwei Meter langes und 1,10 Meter breites Bett ausklappen, auf dem man auch zu zweit schlafen kann. Außerdem gibt es Vorhänge und einen Rollo am Heckfenster als Sichtschutz. Die Preise für den Tramper beginnen bei 20.150 Euro.
Schlechter gedämmt
Was gegenüber den Pkw
Soviel technische Neuerungen gehen in der Regel mit saftigen Preisaufschlägen einher. Anders beim Caddy, der nur geringfügig teurer wurde. Für 16.178 Euro gibt es den Kastenwagen, die günstigste Passagier-Version Kombi ist ab 16.667 erhältlich. Für die etwas komfortableren Pkw-Modelle müssen mindestens 16.903 Euro bezahlt werden und den Sieben-Sitzer gibt es ab 17.582 Euro. Nach oben ist die Preisliste freilich offen. Erfreulich: Mit dem Facelift gibt es ESP in allen Caddys serienmäßig.
Technische Daten
| Marke und Modell | VW Caddy 1.2 TSI 63 kW 5-Sitzer | VW Caddy Maxi 1.6 TDI 75 kW | ||
|---|---|---|---|---|
| Startline | Comfortline + BlueMotion | |||
| Abmessung und Gewicht | ||||
| Länge/Breite/Höhe (mm) | 4.406 / 1.794 / 1.856 | 4.876 / 1.794 / 1.861 | ||
| Radstand (mm) | 2.681 | 3.006 | ||
| Wendekreis (m) | k. A. | k. A. | ||
| Leergewicht (kg) | 1.452 | 1.728 | ||
| Kofferraum (Liter) | bis 3.030 | bis 3.880 | ||
| Bereifung Testwagen | R 16 | R 16 | ||
| Motor | ||||
| Hubraum (ccm) / Bauart | 1197 | 1598 | ||
| Leistung (kW / PS) | 63 / 85 | 75 / 102 | ||
| Drehmoment (Nm) / Umdrehungen | 160 / 1.500 - 3.500 | 250 / 1.500 - 2.500 | ||
| Antriebsart | Frontantrieb | Frontantrieb | ||
| Getriebeart | Fünf-Gang-Schaltgetriebe | Fünf-Gang-Schaltgetriebe | ||
| Verbrauch | ||||
| Krafstoffart | Benzin | Diesel | ||
| Kombiniert laut Werk (l/100km) | 6,8 | 5,2 | ||
| CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm | 158 / Euro 5 | 136 / Euro 5 | ||
| AS24-Verbrauch (l/100km) | k .A. | k. A. | ||
| Fahrleistungen | ||||
| Werksangabe 0-100km/h (s) | 14,7 | 12,9 | ||
| AS24-Sprint 0-100km/h (s) | k .A. | k. A. | ||
| AS24-Bremstest 100-0km/h (m) | k .A. | k. A. | ||
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 155 | 170 | ||
| Preise | ||||
| ab (Euro) | 16.903,95 | 27.524,70 | ||
| Empfohlene Extras | Dachreling (190 Euro), Einparkhilfe (375 Euro), Klimaanlage (1.410 Euro), Multifunktionsanzeige (240 Euro), CD-Radio (480 Euro), höhenverstellbarer Fahrersitz (190 Euro) | Einparkhilfe (380 Euro), Klimaautomatik (270 Euro), Aux-Eingang (30 Euro)m Sitzheizung (360 Euro) | ||
| VergrößernVerkleinern |
Fazit
Mit dem Facelift ist der VW Caddy endgültig in der Pkw-Sparte angekommen. In der Trendline- oder Comfortline-Ausstattung ist der Komfort-Unterschied zum Golf nur noch marginal. Doch auch die Basisversion oder die Nutzfahrzeug-Varianten für Sparfüchse können sich sehen lassen. Geblieben sind dem Caddy seine zahlreichen Ablagen, noch praktischer wurde er durch die ausbaubare zweite Sitzreihe. Details wie das Handschuhfach oder die Dachreling runden das Paket ab und mit den neuen Motoren ist der Volkswagen gut aufgestellt. Um seinen Marktführer-Status in Deutschland muss er also nicht fürchten.
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