VW Tiguan R-Line 2.0 TSI 4Motion im Test: Geht ab wie die Feuerwehr

265 PS, Allrad und reichlich Komfort: Der VW Tiguan R-Line 2.0 TSI bringt beste Voraussetzungen für das schnelle Familien-SUV mit. Im Test überzeugen Fahrwerk und Bedienung, während Verbrauch und Getriebe hin und wieder Fragen aufwerfen.

Das Wichtigste zuerst

AutoScout24-Bewertung: 8,0 von 10 Punkten.

Der VW Tiguan R-Line 2.0 TSI 4Motion überzeugt im Test als schnelles, komfortables Familien-SUV mit 265 PS, Allradantrieb und einem gelungenen optionalen DCC-Pro-Fahrwerk. Seine größten Schwächen sind der hohe Benzinverbrauch und das besonders bei Kälte ruppige Anfahrverhalten des Siebengang-DSG. Der rund 70.000 Euro teure Testwagen punktet dagegen mit guter Geräuschdämmung, verbesserter Bedienung und 652 bis 1.650 Litern Kofferraumvolumen. Für Vielfahrer halten wir den 2.0 TDI für die passendere Wahl; der eHybrid lohnt einen Blick, wenn regelmäßig geladen werden kann.


Stärken, Schwächen, Alternativen

Was uns gefällt

Dass Volkswagen bei Materialanmutung und Bedienung wieder zu alter Form findet.

Was wir vermissen

Einen sparsameren Umgang mit Benzin und mehr Feingefühl beim Anfahren.

Ideal, wenn …

… man ein komfortables Familien-SUV mit kräftigem Benziner und Allradantrieb sucht.

Die Alternativen

Cupra Terramar, Hyundai Tucson und Kia Sportage; bei größerem Platzbedarf auch der Škoda Kodiaq oder VW Tayron.

Stärken

  • Guter Federungskomfort
  • Kräftiger 265-PS-Benziner
  • Einfache Bedienung

Schwächen

  • Hoher Benzinverbrauch
  • Ruppiges Anfahrverhalten
  • Teuer in der Anschaffung

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265 PS haben großen Durst

Ist es etwas flach, die Überschrift eines Fahrberichts an der Außenlackierung des Testwagens festzumachen? Vielleicht. Aber „Persimmon Red Metallic“ ist dann doch eine gewagte Farbe am gewiss nicht kleinen Volkswagen Tiguan der dritten Generation. Da wird selbst das Kommandofahrzeug (KdF) der lokalen Feuerwehr blass vor Neid. Ähnlich zügig wie die Feuerwehr im Einsatz gehen auch die 265 Turbo-PS zu Werke, die das Familien-SUV in knapp sechs Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen.

Zwar fühlt sich die Zwischenbeschleunigung auf der Autobahn nicht ganz so sportlich an, mit etwas Anlauf erreicht der Testwagen laut Tacho allerdings 273 km/h - bei eingetragenen 242 km/h. Bergab, mit Rückenwind versteht sich und natürlich nur, wenn man sich zuvor über einen Privatkredit fürs Tanken informiert hat. 15 Liter und mehr sind mit diesem VW Tiguan kein Problem. Ihn dauerhaft unter zehn Litern auf 100 Kilometern zu bewegen, dagegen schon.

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Beim Anfahren fehlt der Feinschliff

Turbo läuft, Turbo säuft - hier steht das passende Auto zu diesem glorreichen Stammtischspruch. Selbst 15 Jahre alte Achtzylinder aus Stuttgart mit 5,5 Litern Hubraum brauchen bei gleicher Fahrweise nicht mehr. Ja mei, Äpfel und Birnen. Trotzdem meinen wir, dass der Diesel für dieses etwa 1.900 Kilogramm schwere SUV weiterhin die ungeschlagene Idealmotorisierung ist. Der 1.5 eHybrid kommt dagegen vor allem dann infrage, wenn wirklich viel Kurzstrecke gefahren wird oder die 0,5-Prozent-Regelung winkt. Zu diesem Antrieb haben wir uns ja bereits beim Audi Q3 unsere ganz eigene Meinung gebildet.

Zurück zum VW Tiguan R-Line und seinem 265 PS starken Vierzylinder ohne Hybridunterstützung. Seine Trinksucht ist leider nicht das Einzige, was uns auffällt. Besonders bei Kälte und beim Anfahren aus dem Stand verstehen sich der Vierzylinder-Turbo und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe nicht sonderlich gut. Das ist ruppig, das ist ungelenk, das sieht selbst für den Hintermann irgendwie unrund aus. Bei einem Testwagenpreis von 70.000 Euro würden wir einen geschliffeneren Antrieb erwarten. Zumal die Golf-GTI-Maschine nun wirklich nicht erst seit gestern auf dem Markt ist.

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DCC Pro macht den Tiguan zum Reisewagen

Ohne Fehl und Tadel ist dagegen der ungehetzte Auftritt im Alltag, dann, wenn man es einfach laufen lässt. Das optionale DCC-Pro-Adaptivfahrwerk bügelt fast alle Straßenschäden glatt, nur kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen bringen den Tiguan aus dem Gleichgewicht. Die Bremsen packen beherzt zu, die Lenkung reagiert modusabhängig etwas zu leichtgängig, aber stets präzise. Positiv hervorzuheben ist die außerdem die gute Geräuschdämmung, dagegen unterwirft sich das wabbelige Blech auf der Motorhaube bereits ab etwa 200 km/h den Windeinflüssen.

Aber Hand aufs Herz: Wer ballert mit einem VW Tiguan stets durch Deutschland, als wäre Max Verstappen hinter ihm her? So empfiehlt sich der kleine Erbe des Touareg dann doch eher zum Cruisen. Die R-Sportsitze sind bequem, bieten ausreichend Seitenhalt, könnten aber besonders für Großgewachsene ein paar Zentimeter tiefer montiert werden. Sie lassen sich optional klimatisieren und mit einer eher einfach gehaltenen Massagefunktion ausstatten.

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Im Innenraum wieder mehr Volkswagen im besten Sinne

Hinten ist der Platz für Kinder mehr als ausreichend, Erwachsene mit langen Beinen stoßen schnell an ihre Limits. Die hatte Volkswagen bei der Materialqualität bereits vor Jahren nach unten hin erreicht, mittlerweile gibt es wieder Licht am Ende des Tunnels. Das Cockpit im Tiguan III wirkt insgesamt wertig, mit der aktuellen Infotainment-Generation gibt es auch über die Bedienung nichts zu meckern.

Das Lenkrad zieren Tasten, die Assistenten lassen sich per Schnellwahlfunktion lahmlegen und Nostalgiker freuen sich über den XXL-Dreh-/Drücksteller in der Mittelkonsole, der vordergründig zur Lautstärkeregelung gedacht ist. Immer wieder eine Erwähnung wert: Das optionale Panoramaglasdach lässt sich nicht nur öffnen, es gibt sogar noch ein echtes Sonnenschutzrollo.

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Schildererkennung nach dem Zufallsprinzip

In Sachen Assistenzsysteme bietet Volkswagen alles an, was es im Konzern derzeit zu bestellen gibt. Der Travel Assist unterstützt besonders auf anstrengenden und eintönigen Langstreckenetappen. Galant finden wir zudem, dass der Tempomat weiterhin nicht zwangsweise mit dem Abstandsassistenten arbeiten muss. Die Schildererkennung abreitet dagegen weiterhin nach dem Zufallsprinzip.

Allrad hat der Testwagen freilich auch, er dient dem Tiguan aber weniger für den Offroad-Einsatz als vielmehr dazu, die Anhängelast auf bis zu 2.500 Kilogramm anzuheben. Das beleibte Pferd im Hänger aus dem Dreck zu ziehen, sollte klappen, dagegen würden wir von einer Offroad-Safari abraten. In den Kofferraum passen derweil 652 bis 1.650 Liter.

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Fazit

Der VW Tiguan mit dem 265 PS starken 2,0-Liter-TSI ist ein schnelles und komfortables Familien-SUV, das besonders auf langen Strecken mit seiner Souveränität überzeugt. Der kräftige Benziner sorgt für reichlich Fahrspaß, verlangt dafür allerdings einen ordentlichen Zuschlag an der Zapfsäule. Selbst geübte Pedalasketen werden den Verbrauch kaum dauerhaft unter neun Liter auf 100 Kilometer drücken können. Die vernünftigere Alternative bleibt der 2.0 TDI, Firmenkunden dürften eher zum eHybrid greifen. Mit Ausnahme vom Anfahrverhalten des DSG, hinterlässt die dritte Generation des VW Tiguan einen gesetzten, erfreulich ausgereiften Eindruck. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller, VW)

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,0
Design
8,0
Bedienbarkeit
8,5
Komfort
8,0
Alltagstauglichkeit
8,5
Fahreigenschaften
8,0
Antrieb
7,5
Effizienz
6,5
Preis-Leistungs-Verhältnis
7,5
Ausstattung
8,0
Sicherheit
9,0

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum VW Tiguan

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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