ID. Polo GTI im Test (2026): So fährt sich der stramme Max aus Wolfsburg

Mit dem elektrischen ID.Polo will Volkswagen seine große GTI-Tradition fortsetzen. Kann das funktionieren? VW setzt auf einen 226 PS starken Frontmotor, 290 Nm Drehmoment und ein messerscharfes Fahrwerk. Und hilft mit künstlichem Sound und simulierten Schaltvorgängen nach. Erster Fahrtest.

Das Wichtigste zuerst

Der Volkswagen ID.Polo GTI ist der elektrische Erbe des legendären Polo GT G40 von 1987. Statt eines Verbrenners nutzt er einen E-Motor mit 226 PS und 290 Nm, beschleunigt in 6,8 Sekunden auf 100 km/h und bleibt trotz 1,58 Tonnen sportlich. Fahrwerk, Quersperre und Lenkung sorgen für präzises, aber eher komfortables Fahrverhalten. Optisch und innen setzt VW stark auf GTI-Nostalgie. Die Reichweite soll 424 Kilometern (WLTP) betragen, dürfte aber real eher bei 250 bis 300 km liegen. Marktstart ist im Herbst, der ID.Polo GTI soll ab 39.000 Euro kosten.

ID.Polo GTI Stärken, Schwächen, Alternativen


Was uns gefällt

Das nostalgische Design mit Karo und Golf-II-Tacho.

Was wir vermissen

Auch wenn es ein Phantomschmerz ist: den Verbrenner.

Ideal, wenn …

… man das nötige Kleingeld für so eine kleine, feine Spielerei hat.

Die Alternativen

Cupra Raval VZ, Opel Corsa GSE, Alpine A290


Stärken

  • Ausgereifte Bedienung
  • Komfortables Fahrwerk
  • Schmissiger Kunst-Sound

Schwächen

  • Kleine 52-kWh-Batterie
  • Mittelmäßige Ladegeschwindigkeit
  • Hoher Preis ab 39.000 Euro

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Polo GTI: Mit einem Verdichter fing alles an

Das eigentliche Geburtsdatum der Polo-GTI-Legende liegt im Jahr 1987. Mit dem GT G40 baut VW seine erste echte Polo-Rennsemmel. Ihre Eckdaten: nur 780 Kilogramm Gewicht, aber 115 PS. Bereitgestellt von einem 1,3-Liter-Vierzylinder-Reihenmotor, der von einem Spiralverdichter befeuert wird. G40 heißt dieses sieben Kilogramm schwere Teil, das wie ein Kompressor funktioniert.

In knapp unter neun Sekunden spurtete dieser Ur-GTI von 0 auf Tempo 100. Das Leistungsgewicht lag bei für damalige Verhältnisse ausgezeichneten 6,8 Kilogramm. Heutzutage schafft das sogar ein VW Golf 1,5 TSi. Nur 500 Stück wurden von diesem ersten GT gebaut, nach zwei Jahren ging diese Technik dann auch in die Serie (1991 bis 1994) über. Erst 1998 kam der erste echte Polo GTI mit einem 1,6-Liter-Sauger auf den Markt. Jetzt, knapp 40 Jahre nach seiner Geburtsstunde wollen die Wolfsburger ihre Legende ins Elektro-Zeitalter schubsen.

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226 PS und 1580 Kilogramm – so schnell ist der Polo auf 100

Willkommen in der neuen Welt: kein Sauger, kein Verdichter, kein Sportauspuff. Der neue ID.Polo GTI ist ein waschechtes Elektroauto. Die permanenterregte E-Maschine sitzt vorne und treibt auch die Vorderachse an. Mit 166 kW / 226 PS und einem Drehmoment von 290 Nm verfügt sie über ordentlich Dampf. Das braucht der Elektrosportler auch, weil er mit 1580 Kilogramm das Doppelte vom Ur-GTI wiegt. Trotzdem rennt der derzeit schärfste Polo in 6,8 Sekunden von 0 auf 100.

Und das fühlt sich gut an, aber atemberaubend ist es nicht, wie wir bei einem Fahrevent der GCOTY-Jury (German Car Of The Year) feststellen konnten. Etwas mehr Emotion kommt ins Spiel, wenn man sich auf den künstlichen Sound einlässt. Der wird automatisch aktiviert, wenn man die GTI-Taste drückt. Uns haben das Bollern und Singen, das stark an den Vorgänger erinnert, gut gefallen. Wir wissen aber auch, dass sich Puristen an dieser Stelle angewidert die Ohren zuhalten. Zumal auch noch die (nicht vorhandenen) Schaltvorgänge simuliert werden. Künstliche Auspuffklänge gibt es übrigens auch für die Außenwelt. Bis Tempo 50 überträgt der Polo live. Das kann man den Nachbar zuliebe aber auch deaktivieren.

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So fährt sich der ID.Polo GTI im Vergleich zum Cupra Raval VZ

Der Antrieb ist das eine – viel wichtiger ist bei einem Kraftsportler wie dem ID.Polo GTI, wie er die enorme Power auf die Fahrbahn bringt. Gerade sie nur an der Vorderachse anliegt. Hier greift die elektromechanische Quersperre ein. Sie hält die Kräfte im Zaum, sowohl beim flotten Launch als auch bei der Jagd durch verwinkelte und enge Kurven. Weder wird der Vorderwagen zu leicht, noch gibt es das übliche Gezerre an der Lenkung.

Aus den Kurven heraus krallen sich die Reifen fest in den Asphalt. Traktionsprobleme hat dieser GTI nicht. Das aus dem VW-Konzern bekannte adaptive DCC-Pro-Fahrwerk, das auch beim Technikbruder Cupra Raval VZ im Einsatz ist, haben die Entwickler etwas feiner interpretiert. Das heißt, auf „Comfort“ zeigt sich der ID.Polo als freundlicher Alltagsbegleiter, dem kaum ein Straßenbelag etwas anhaben kann. Im sportlicheren GTI-Modus straffen sich die Dämpfer, aber nur bis zu einer angenehmen Härte. Wer einen wirklich strammen Max haben will, der muss sich den Cupra Raval holen. Zwar beherrscht auch der Polo, wenn es sein muss, einen leichten Hüftschwung. So giftig und rebellisch wie der Spanier rockt der Wolfsburger jedoch nicht durch die Kurven. Gut abgestimmt ist auch die Lenkung beim ID.Polo. Sie ist präzise und direkt, aber immer noch komfortabel genug. Alles in allem ein rundes Fahr-Programm.

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GTI-Nostalgiker kommen beim ID.Polo voll auf ihre Kosten

Hier der feine Gentleman, dort der feurige Stier – was auf das Fahrwerk zutrifft, gilt auch für die Optik. Während der Raval vom Design her auf Krawall gebürstet ist, hält sich der ID.Polo GTI angenehm zurück. Wer genau hinsieht, entdeckt jedoch die typischen GTI-Insignien, sowohl außen als auch innen. Zum Beispiel die roten Zierelemente wie etwa der Streifen, der sich quer durch den Kühler zieht, die GTI-Embleme oder die Abschleppösen im Frontsplitter. Der schärfere Polo liegt im Vergleich zum herkömmlichen Modell um 17 Millimeter tiefer und ist wegen der geänderten Frontschütze um rund vier Zentimeter länger (4,10 Meter).

19-Zoll-Felgen und rote Bremsgehäuse runden das GTI-Bild ab. Das Heck wird dominiert von einem massiven schwarzen Dachkantenspoiler und einem markanten Diffusor. Nostalgisch geht es im Interieur zu. Hier freut sich der Fan über rote Kontrastnähte, das klassische Karomuster auf den Sportsitzen und über die Retrografik auf dem Digitaltacho. Hier hat man sich am Golf II orientiert – so schön, dass man glatt sentimental werden könnte. Bei der Bedienung setzt Volkswagen auf ein neues Setup. Die Bildschirme sind 10,25 und 12,9 Zoll groß und geben einige Funktionen wie zum Beispiel die Lautstärke-Regelung dahin zurück, wo sie hingehören. Nämlich auf Tasten und Drehknöpfe. Die ungeliebten Slider sind Gott sei Dank Geschichte.

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Über 400 Kilometer Reichweite – ist das realistisch?

Nicht ganz der Vergangenheit gehören die Reichweiten-Ängste an. Zwar schlägt der ID.Polo GTI mit theoretischen 424 Kilometern solche Konkurrenten wie Alpine 290 oder Mini John Cooper JCW aus dem Feld. Die Betonung liegt aber auf rein theoretisch. Mit so einer Fahrmaschine wird man eher nicht energieschonend unterwegs sein, sodass ein Verbrauch von 22 kWh und damit 250 bis 300 Kilometer realistisch sein dürften. Auch im Winter. Die Batterie hat nämlich nur eine Nettokapazität von 52 kWh.

Aufgeladen wird sie bei Wechselstrom (AC) mit 11 kW. Bei Gleichstrom (DC) sollen bis zu 105 kW fließen. Auch das ist kein Superlativ, aber VW betont, dass die Ladleistung lange auf diesem Niveau bleibt und der Akku damit in 24 Minuten von zehn auf 80 Prozent aufgefüllt werden kann.

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Erstes Fazit

Sieht aus wie ein Polo GTI, fährt sich wie ein Polo GTI, ist ein Polo GTI. Auch wenn es sich bei dieser Rennsemmel um die erste rein elektrische Variante handelt – dieses Auto macht viel Spaß. Die vielen nostalgischen Elemente außen wie innen erinnern an die besten Zeiten von VW. Wer sich darin baden möchte, der muss tief in die Tasche greifen. Der ID.Polo GTI wird bei rund 39.000 Euro starten, ab Herbst kommt er in den Handel. (Text: Rudolf Bögel | Fotos: Hersteller)

FAQ: Häufig gestellte Fragen

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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