VW Touareg R Final Edition eHybrid im Test: Das Ende einer Ära

Der VW Touareg R Final Edition eHybrid ist der letzte große Volkswagen: 462 System-PS, V6-Benziner, Luftfederung und Langstreckenkomfort erinnern daran, wie ambitioniert Wolfsburg einmal Oberklasse konnte. Sein Plug-in-Hybrid-Antrieb zeigt jedoch ebenso deutlich, wie alt er mittlerweile ist.

Das Wichtigste zuerst

AutoScout24-Bewertung: 8,3 von 10 Punkten.

Der VW Touareg als R Final Edition eHybrid ist ein ausgesprochen komfortables und überraschend kurvendynamisches Oberklasse-SUV mit starkem 462-PS-Plug-in-Hybrid, hochwertigem Innenraum und 3,5 Tonnen Anhängelast. Seine elektrische Reichweite von offiziell 49 Kilometern, der kleine 14,3-kWh-Akku und die mittlerweile langsame Infotainment-Hardware lassen ihn 2026 allerdings spürbar alt aussehen. Als letzter Touareg bleibt er dennoch ein würdiger, wenn auch etwas lieblos ausgestatteter Abschied von Volkswagens Oberklasse-Ambitionen.

Stärken, Schwächen, Alternativen


Was uns gefällt

Wie der letzte große Volkswagen auf der Autobahn gleitet.

Was wir vermissen

Einen größeren Akku und zeitgemäße Ladeleistung.

Ideal, wenn …

… ein großer, komfortabler Reisewagen mit 3,5 Tonnen Anhängelast gesucht wird und ein letzter Sechszylinder-VW mehr zählt als elektrische Alltagstauglichkeit.

Die Alternativen

Porsche Cayenne E-Hybrid, Audi Q7 55 TFSI e (gebraucht), BMW X5 xDrive50e, Mercedes GLE 450 e 4Matic – oder gebraucht der VW Touareg V8 TDI, wenn es primär um den Motor geht.


Stärken

  • Sehr guter Langstreckenkomfort
  • Wertiges & ergonomisches Cockpit
  • 3,5 Tonnen Anhängelast

Schwächen

  • Geringe elektrische Reichweite
  • Schwache AC-Ladeleistung
  • Hoher Verbrauch, sobald der V6 gefordert wird

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Erstmals seit Jahrzehnten hat VW im PKW-Segment keinen Sechszylinder im Angebot

Das ist sie also, die Stunde null bei Volkswagen, wenn es um die einst ambitionierten Oberklasse-Pläne von Ferdinand Piëch geht. Nachdem die Phaeton-Limousine bereits 2015 keinen Nachfolger erhalten hat, ist nun auch der Touareg ein Fall für das Firmenarchiv. Bereits seit März 2026 werden keine Bestellungen für das SUV mehr angenommen. Erstmals seit Jahrzehnten hat Volkswagen damit auch keinen Sechszylinder mehr im Pkw-Angebot.

Mit der zuletzt aufgelegten Touareg „Final Edition“ beerdigt Volkswagen nach nunmehr 24 Jahren nicht nur das durchaus beliebte und in drei Generationen über 1,2 Millionen Mal gebaute Oberklasse-SUV, sondern ebnet zugleich den Weg für eine neue Modellpolitik im VW-Konzern. Ein Auto jenseits der 100.000 Euro scheint bei der Muttergesellschaft keinen Platz mehr zu haben. Wer genau so etwas möchte, soll doch bitte zu Audi oder Porsche gehen - beide Töchter sind sicherlich nicht böse über die leichte Schützenhilfe aus Wolfsburg.

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Zum Abschied keine goldene Uhr, aber etwas Zierrat

Anders als Audi übrigens hat VW sein Flaggschiff immerhin mit einer Sonderserie verabschiedet. Es darf dann freilich gefragt werden, ob besondere Einstiegsleisten, Kunststoffblades für die Felgen, ein Schriftzug an den C-Säulen sowie in der Ambientebeleuchtung und eine „Final Edition“-Einprägung im Kunstleder des Wählhebels den Erfolg des Touareg für Volkswagen wirklich widerspiegeln. Aber immerhin hat man ihn nicht wie den Audi A8 einfach fallen lassen und aufs Altenteil geschickt.

Wie sehr der aktuelle Touareg nach dem Mini-Facelift Anfang 2023 allerdings eine weitere Auffrischung benötigt hätte, zeigt besonders der im Testwagen verbaute eHybrid V6. Ein 3,0-Liter-Turbobenziner wird hier von einer E-Maschine im Achtgang-Automatikgetriebe unterstützt und soll so eine Systemleistung von etwa 462 System-PS und 700 Nm bereitstellen. Dann zumindest, wenn der kläglich kleine Akku mit gerade einmal 14,3 kWh ordentlich geladen ist. Und wie man sich das bei einem Auto mit einem Lebendgewicht jenseits der 2,5 Tonnen vorstellen kann: Recht weit kommt man mit dieser „Elektroreserve“ nicht.

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Trotz geringer Reichweite mit E-Kennzeichen

Laut Volkswagen sind es gerade einmal 49 Kilometer bei voller Batterie. Das reicht gerade so, um noch ein E-Kennzeichen zu ergattern, aber nicht, um in Deutschland unter die beliebte 0,5-Prozent-Dienstwagenregelung zu fallen. Im realen Leben springt der Benziner nach etwa 20 bis 30 Kilometern Nutzung, je nach Fahrprofil, notgedrungen der E-Maschine zur Hilfe. Zeitgemäß ist das bei einem ehemaligen Basispreis von 103.005 Euro nicht mehr. Unabhängig von der Sinnhaftigkeit des schweren Plug-in-Hybrid-Antriebs können wir aber festhalten, dass wir selten ein harmonischeres Motorenduo erlebt haben.

Das Zu- und Abschalten des Verbrenners gelingt unmerklich, die ZF-Achtgang-Automatik arbeitet zutiefst verschliffen, und da wir im Top-Top-Modell serienmäßig auf eine geregelte Luftfederung vertrauen können, gelingt auch die lange Reise ausgesprochen komfortabel. Dass der Porsche Cayenne im Anverwandtenverhältnis zum VW Touareg steht, merkt man derweil an der Kurvendynamik. Selbst ohne Wankstabilisierung, aber mit Pirelli P Zeros (!) im 21-Zoll-Format sorgen für ein unerwartet freudvolles Kurvenerlebnis. Die direkte Lenkung erledigt den Rest.

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Fahrdynamisch ansprechend, aber durstig

Dass bei schneller Gangart bis zu 15 Liter Superplus auf 100 Kilometer verbraucht werden, soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden. Wer den eHybrid dagegen bis etwa 130 km/h selbst bei leerer Batterie auf längeren Autobahnetappen nutzt, wird sich über Verbräuche deutlich unterhalb von neun Litern auf 100 Kilometer freuen. Der Rest liegt, wie immer bei Plug-in-Hybriden, vor allem am Fahrer selbst. Geladen wird indes maximal mit bis zu 7,2 kW AC – das Nachladen von null auf 100 Prozent dauert so im Bestfall gut 2,5 Stunden.

Im Inneren der Touareg Final Edition wird es uns dagegen etwas wehmütig zumute. So ein Cockpit wird heute eben nicht mehr neu entwickelt. Man sehe sich den neuen Audi Q7 an und wage den persönlichen Vergleich zum Innenraum aus 2018. Bereits auf den Bildern erkennt man einen qualitativen, aber auch ergonomischen Unterschied - der Touareg zeigt sich auch im Vergleich zu anderen neuen Premium-SUVs immer noch zeitlos und solide. Vor allem mit dem Facelift 2023 hat die Materialqualität noch einmal zugelegt, die Bedienoberfläche des MIB-Systems wurde an den Stand der ID-Modelle angepasst. Allerdings trifft das nur auf die Soft-, nicht aber auf die Hardware zu. Lange Reaktionszeiten zeugen davon, dass wir es hier mit einem alten Recken zu tun haben.

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V8 TDI im letzten Touareg als Klassiker der Zukunft?

Wer weiß heute übrigens noch, dass es die dritte Touareg-Generation zwischen Mai 2019 und September 2020 auch mit einem famosen V8-Diesel zu kaufen gab? Bärig im Antritt, teuer und daher selten verkauft - für uns ein potenzieller Klassiker der Zukunft. Ebenfalls konnte man sich zu dieser Zeit mit einem teilanalogen Kombiinstrument noch etwas der mittlerweile grassierenden Bildschirmflut entziehen. Dieses sieht fantastisch aus, wobei wir uns auch über die digitalen Anzeigen nicht beschweren können. Sie sind gut abzulesen, und für alle, die es unbedingt brauchen, gibt es selbstverständlich auch ein Head-up-Display - und ein Nachtsichtgerät.

Die Ledersitze sind urst bequem und vielfach verstellbar, klimatisiert sowieso und können auch massieren. Das Panoramaschiebedach lässt sich, wie der Name schon sagt, noch öffnen, und für den Geländeeinsatz stehen verschiedene Fahrprogramme zur Verfügung. Ein Untersetzungsgetriebe wurde dagegen schon seit der zweiten Modellgeneration nicht mehr angeboten. Dafür blieb es bis zuletzt bei der standesgemäßen Anhängelast von 3,5 Tonnen.

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Fazit

Der letzte große Volkswagen ist Geschichte und mit ihm der Traum von Ferdinand Piëch, aus dem Wolfsburger Autohersteller einen Oberklasse-Hersteller zu machen. Der Touareg wurde in 24 Jahren über 1,2 Millionen Mal gebaut und fand im März 2026 sein Ende in der „Final Edition“. Sie war neben dem hier getesteten 462 System-PS starken eHybrid auch als V6-Benziner und V6 TDI erhältlich. Letzterer blieb bis zuletzt und trotz aller Skandale wahrscheinlich die wirtschaftlichste Motorisierung für den großen Volkswagen. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,3
Design
8,5
Bedienbarkeit
8,0
Komfort
9,0
Alltagstauglichkeit
8,5
Fahreigenschaften
8,5
Antrieb
8,0
Effizienz
7,5
Preis-Leistungs-Verhältnis
7,5
Ausstattung
8,5
Sicherheit
8,5

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vogelhuber.avif

Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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