Staatliche Förderung: Profitieren Sie von der Umweltprämie

kosten
E-Autos sollen die Zukunft der Automobilindustrie sein. Umweltfreundlich, ohne CO2-Emmissionen oder den Verbrauch von fossilen Brennstoffen bieten sie die nachhaltige Alternative zu Fahrzeugen mit klassischen Verbrennungsmotoren. Die Anschaffungskosten sind allerdings auch um einiges teurer und nicht für jeden erschwinglich, weshalb der Bund den Umstieg auf Elektromobilität mit einer Umweltprämie belohnt.


Hintergrund der Elektroauto-Förderung

Die Bundesregierung hat bereits 2011 zusammen mit der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) das Ziel ausgegeben, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen etabliert zu haben.

Allerdings gestaltet sich die Etablierung der Stromer schwieriger als gedacht. Zum Ende des ersten Quartals 2016 waren in Deutschland weniger als 50.000 E-Fahrzeuge zugelassen. Als Hauptgrund wurde neben der bis dato schwach ausgebauten Infrastruktur von Aufladestationen, der nach wie vor recht geringen Reichweite der Elektroautos und Unsicherheiten gegenüber der neuen Technik vor allem der hohe Anschaffungspreis ausgemacht.

Als Reaktion darauf hat die Regierung deshalb am 2. Juli 2016 den Umweltbonus eingeführt, der Neuzulassungen von E-Autos mit 4000 Euro prämiert. Die Hälfte davon trägt der Bund, die andere der entsprechende Automobilhersteller.

Befristet ist die Förderung beim Elektroauto in Deutschland auf den 30. Juni 2019. Ist allerdings das komplette Haushalts-Budget von 1,2 Milliarden schon vorher beansprucht worden, endet sie entsprechend früher. Nach offiziellen Prognosen wird diese Summe für eine Prämierung von 300.000 bis 400.000 E-Autos ausreichen.

Tipp: Sollten Sie bereits den Kauf eines Elektrofahrzeugs erwägen, lohnt es sich jetzt Ernst zu machen. Auch, wenn in den ersten Wochen seit Startschuss des Umweltbonus weniger Anträge eingereicht wurden als vermutet, gilt nach wie vor das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Planen Sie die Anschaffung erst für 2019 und die Fördergelder sind vorher bereits erschöpft, ist der Frust groß.

Elektroauto-Förderung in Deutschland: Der Ablauf

Für die Bearbeitung der Anträge zum Umweltbonus ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zuständig. Auf dessen Website findet sich das entsprechende elektronische Antragsformular, das zusammen mit dem Kauf- oder Leasingvertrag beziehungsweise einer verbindlichen Bestellung des jeweiligen Elektroautos eingereicht werden muss. Für die Prämiengewährung frühestmögliches Ausstellungsdatum ist der 19. Mai 2016, solange auch die Erstzulassung nicht vor diesem Datum liegt.

Nach erfolgreicher Prüfung des Antrags wird ein Zuwendungsbescheid ausgestellt. Im Anschluss daran muss in Form eines Verwendungsnachweises belegt werden, dass die Anschaffung des Fahrzeuges auch tatsächlich stattgefunden hat. Dafür sind beim Kauf die Rechnung sowie der Zulassungsbescheid einzureichen.

Nach erneuter Prüfung dieser Unterlagen erfolgt dann die Auszahlung des Bundesanteils an der Prämie. Der Herstelleranteil muss bereits beim Kauf berücksichtigt werden.

Voraussetzungen der Elektroautos zum Prämien-Erhalt

Wer ist antragsberechtigt?

Grundsätzlich berechtigt, einen Antrag auf Erteilung des Umweltbonus zu stellen, sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften sowie Vereine. Nicht gefördert werden können dagegen der Bund oder die Bundesländer selbst, genauso wenig wie zugehörige Einrichtungen und Kommunen. Auch Automobilhersteller, die selbst an der Finanzierung der Prämie beteiligt sind, dürfen keinen Antrag stellen.

Welche Fahrzeuge sind förderwürdig?

Grundsätzlich förderungsfähig sind neue, erstmals zugelassene und elektrisch betriebene Fahrzeuge. Dabei wird sowohl der Kauf als auch das Leasing gefördert. Die Kategorisierung erfolgt dabei nach §2 des Elektromobilitätsgesetzes und umfasst konkret:

  1. reine Batterieelektrofahrzeuge (ohne Brennstoffantrieb)
  2. Brennstoffzellenfahrzeuge
  3. Plug-In Hybride

Die Förderung von ausschließlich batteriebetriebenen Fahrzeugen erklärt sich von selbst. Die Prämie wird außerdem für Brennstoffzellenfahrzeuge bewilligt, bei denen aus Wasserstoff und Methanol in entsprechenden Brennstoffzellen elektrische Energie gewonnen wird.

Allerdings werden auch sogenannte Plug-In Hybride subventioniert, die sowohl von einem Verbrennungsmotor als auch elektrisch betrieben werden. Sie können ebenfalls von außen über das Stromnetz geladen werden. Allerdings wird hier nur eine Prämie von insgesamt 3000 Euro bezahlt, im Gegensatz zu den mit 1000 Euro mehr geförderten reinen Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen.

Allgemein gesprochen werden also Fahrzeuge subventioniert, die in die Klassen M1, N1 und N2 fallen und mit der Führerscheinklasse B geführt werden dürfen. Unabhängig vom jeweiligen Antrieb sind Fahrzeuge mit einer CO2-Emmission von weniger als 50 Gramm pro Kilometer.

Welche sonstigen Bedingungen müssen erfüllt sein?

Ganz allgemein ist die Auszahlung des Bundesanteils der Förderung an die tatsächlich ergangene Prämienauszahlung des Automobilherstellers gebunden.

Außerdem ist die generelle Bonuszahlung auf einen Maximalkaufpreis von 60.000 Euro beschränkt. Als Kennzahl hierfür wird der Netto-Listenpreis herangezogen. Das bedeutet in der Praxis, dass zum Beispiel Käufer des Tesla Model S, das in Bezug auf Reichweite und Leistung absoluter Spitzenreiter der aktuellen Elektrofahrzeugmodelle ist, keine Chance auf eine Subventionierung haben.

Ziel dieser Regelung ist es den Vorwürfen zu begegnen, dass der Umweltbonus in erster Linie solche Käufer begünstigen könnte, deren Budget für den Kauf eines E-Autos ohnehin problemlos ausreicht. Stattdessen soll dem Durchschnittsverdiener ein Stromer zu ermöglicht werden.

Die Fahrzeuge, die alle aufgeführten Bedingungen erfüllen, sind sämtlich in einer Liste des BAFA aufgeführt, die auf der Website des Bundesamtes einsehbar ist und circa 100 Fahrzeuge umfasst. Einen Überblick über gängige Beispielmodellen finden Sie hier nach Antriebsform sortiert aufgelistet:

Reine Elektrofahrzeuge
(0g CO2/km)
Brennstoffzellenfahrzeuge Plug-In Hybride
(bis 50g CO2/km)
BMW i3 Hyundai ix35 Fuel Cell Audi A3
Citroën C-ZERO Kia Optima Plug-in Hybrid
Ford Focus Mercedes C350e
Kia Soul EV Mitsubishi Outlander
Mercedes B250e Toyota Prius Plug-in
Mitsubishi Electric Vehicle Volkswagen Golf GTE
Nissan Leaf Volvo V60 D6 Twin Engine
Peugeot i-On
Renault ZOE
Smart fortwo electric drive
Streetscooter Work
Volkswagen e-Golf

 

Wie gestaltet sich die Förderung der Elektromobilität noch?

Käufer von E-Autos werden auch steuerlich bevorzugt. So müssen Elektroautos von der Neuzulassung an fünf Jahre lang keine Kfz-Steuer zahlen und auch die Dienstwagenbesteuerung ist hier attraktiver.

Außerdem dürfen Kommunen Elektroautos in der Straßenverkehrsordnung inzwischen vorrangig behandeln. Stromern kann nach entsprechender kommunaler Entscheidung zum Beispiel das Passieren eines Durchfahrtverbots oder die Benutzung der Busspur erlaubt sein. Darüber hinaus dürfen kostenfreie Parkplätze speziell für E-Autos bereitgestellt werden. Hierfür wurden sogar spezielle Kennzeichen für Elektroautos eingeführt. Diese theoretische Befugnis nutzen Gemeinden zurzeit aber kaum.

Neben dieser generellen Vorzugsbehandlung für Elektrofahrzeuge sollen 300 Millionen Euro zwischen 2017 und 2020 in die generelle Infrastruktur investiert werden, die für die effiziente Nutzung eines Stromers nötig ist.

Insgesamt sollen in diesem Zeitraum circa 15.000 zusätzliche Schnellladesäulen sowie generelle Ladesäulen in ganz Deutschland entstehen. Zusätzlich sollen 100 Millionen zur Verfügung gestellt werden, um die bundeseigenen Wagen durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Die Zielsetzung hier liegt bei 20 Prozent Elektroautos dank Förderung.

Tipp: Nicht nur gesetzliche Fördermittel bezuschussen den Kauf von Elektrofahrzeugen. Auch die jeweiligen Automobilhersteller bieten zusätzlich freiwillige Anreize. So erhöhen Renault und Nissan die Bundesprämie um weitere 1000 Euro, Mitsubishi vergünstigt seinen Outlander sogar um 3000 Euro. Auch Ford, Volvo und Peugeot planen ähnliche Vergünstigungen. Tesla dagegen versucht seinem Ausschluss aus der Bundesprämie mit einem besonders günstigen Leasing-Angebot zu begegnen.

Kritik am Fördermodell

Viele Skeptiker kritisieren generell den Ansatz, bei der Kernförderung zunächst am Kaufpreis anzusetzen. Hauptargument hier ist, dass 4000 Euro Prämie ohnehin nicht ausreichen würden, um Interessenten ohne den nötigen finanziellen Hintergrund die Finanzierung zu ermöglichen.

Außerdem seien für viele Autofahrer auch andere Faktoren neben dem Preis viel zu entscheidend:

  • die fehlende Lade-Infrastruktur
  • ungenügende Alltagstauglichkeit aufgrund der zu geringen Reichweite
  • die Vermutung, dass sich die Investition in einen E-Wagen noch nicht lohnt, da in den nächsten Jahren wesentliche Innovationssprünge zu erwarten sind

Daher wird von vielen Seiten gefordert, dass die Gelder statt in den Bonus beim Kauf lieber vollständig in die Weiterentwicklung der Technik und den Ausbau von Ladestationen fließen sollten.

Zusätzlich wird die relativ willkürlich gesetzte Obergrenze des Listen-Kaufpreises bemängelt. Da hierdurch vor allem Tesla als einer der absoluten Pioniere in der Elektroautobranche benachteiligt wird, befürchten einige, dass das den genau falschen Impuls an die Industrie sendet. Die Technik weiterzuentwickeln und Innovationen umzusetzen, sei eben teuer und müsse sich zwangsläufig auch im Kaufpreis niederschlagen.

Vor allem aber häufen sich Mutmaßungen, dass Automobilhersteller ihren Förderungsanteil schlicht auf den regulären Kaufpreis aufschlagen könnten, sodass die faktische Prämierung höchstens bei der Hälfte läge.

Alternative Fördermodelle

Im europäischen Vergleich wirken die deutschen Bemühungen tatsächlich auch eher mager. In einigen Ländern, wie beispielsweise Belgien, Dänemark und Norwegen, entfällt die Zulassungsgebühr für Elektroautos komplett. Dabei handelt es sich gerade in skandinavischen Ländern teilweise um fünfstellige Summen.

Bonuszahlungen wie in Deutschland werden teilweise noch zusätzlich vergeben – tatsächlich sogar vielfach mit höheren Beträgen. Diese Prämierung zahlt sich aus: In Norwegen, wo auch die Mehrwertsteuer auf E-Autos nicht mehr erhoben wird, ist inzwischen jedes dritte verkaufte Auto eine E-Auto oder ein Plug-In Hybrid. Davon ist Deutschland mit einem Marktanteil der Elektroautos von gerade einmal 0,6 Prozent noch weit entfernt.

Nach oben