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Amphicar

„Amphicar“ ist nicht etwa die englische Bezeichnung für ein Amphibienfahrzeug. Nein, es handelt sich um ein eigenes Modell, das nicht einmal über einen Markennamen verfügt, denn das Amphicar ist eine Ein-Mann-Entwicklung des deutschen Konstrukteurs Hans Trippel aus den 60er Jahren. Eine Marke gab es nicht, da Trippel das Modell alleinstehend bei verschiedenen Fabriken in Auftrag gegeben hatte. Auf der Straße erreichte es bis zu 120 km/h und im Wasser – „Amphibienfahrzeug“ steht nichtsdestotrotz für die Bewegung zu Wasser und zu Land – bis zu 12 km/h. Ein ganz besonderes Fahrzeug also, das dennoch nur wenig Absatz fand. Erfahren Sie hier, wie es dazu kam:

Die Ursprünge von Amphibienfahrzeugen

Das Amphibienfahrzeug ist nach den Amphibien benannt, also Tieren, die sowohl auf dem Land als auch im Wasser leben können. Erste Versuche, ein derartiges Fahrzeug zu konstruieren starteten bereits im 16. Jahrhundert, allerdings bestand der Landantrieb noch aus Pferden und zu Wasser musste gerudert werden. Im Jahr 1804 entwickelte der Amerikaner Oliver Evans dann den Oructer Amphibolis, ein dampfgetriebenes Fahrzeug, mit vier Rädern und einem Schaufelrad am Heck. Das erste bekannte motorisierte Amphibienfahrzeug entstand im Jahr 1899 in Dänemark unter dem Namen Magrelen Amphibium. Spätere Versuche gaben oftmals den Eindruck eines Bootes auf Rädern.

Das Amphicar war daher auch optisch eine Besonderheit, denn es unterschied sich nur wenig von einem herkömmlichen Fahrzeug und verfügte über alle gängigen Stilelemente der Fahrzeuge aus den 60er Jahren. Um es als schwimmfähiges Gefährt zu enttarnen, musste man schon einen Blick unters Heck werfen, wo sich zwei Schwimmschrauben befanden, oder unter die Front, die für ein Auto ungewöhnlich glatt nach oben gezogen war. So wurde in den 1980er-Jahren für die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ beispielsweise ein Film mit versteckter Kamera produziert, in dem Reinhard Mey zu einem Auftritt „wegen des schönen Wetters“ in einem Amphicar abgeholt wurde. Der Wagen fuhr plötzlich ohne Vorwarnung in einen Fluss. Reinhard Mey aber erschrak nicht, sondern lachte nur – er kannte das Fahrzeug.

Die Geschichte des Amphicar

Das Fahrzeug wurde vom Konstrukteur Hans Trippel entwickelt, der es von 1960 bis 1963 hauptsächlich in Berlin-Wittenau bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik (DWM) bauen ließ. Die Rohkarossen fertigte anfangs die Industrie-Werke Karlsruhe AG (IWK) in einem ehemaligen Rüstungswerk der DWM in Lübeck-Schlutup. In Deutschland war das Fahrzeug ab 1962 zum Preis von 10.500 DM erhältlich, was nach heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt rund 22.675 Euro beträgt.

Insgesamt wurden genau 3.878 Fahrzeuge fertiggestellt, in Europa blieben allerdings nur rund 800 Exemplare, da 3.046 Stück in die USA exportiert wurden. Wegen des verhältnismäßig hohen Preises, der damals etwa dem Wert von zwei VW Käfern entsprach, konnten nicht genügend Fahrzeuge abgesetzt werden. Der Absatz verlief so schleppend, dass noch drei Jahre nach dem Ende der Produktion Neuwagen zu kaufen waren, die auf Halde standen und mit Baujahrangaben 1964 und 1965 zum verringerten Preis von 8.385 DM angeboten wurden. Weil die wenigen Liebhaber sich damals preiswert mit Ersatzteilen eindecken konnten, war der Unterhalt allerdings sehr günstig. Der amerikanische Unternehmer Hugh Gordon aus Santa Fe Springs in Kalifornien war von dem Modell begeistert und übernahm große Teile der Ersatzteile und Fertigungsmaschinen.

Am 16. September 1962 gelang vier Engländern in zwei Fahrzeugen, von denen eines später vom anderen geschleppt werden musste, die Durchquerung des Ärmelkanals von Dover nach Calais in sieben Stunden und 20 Minuten.

Motorisierung des Amphicar

Das Amphicar war mit einem Vierzylinderviertakt-Reihenmotor des englischen Mittelklasse-Fahrzeug Triumph Herald 1200 ausgestattet. Dieser verfügte über knapp 1,2 Liter Hubraum und erreichte bei 4.750 U/min seine maximale Leistung von 28 kW (38 PS). Das höchste Drehmoment von bis zu 80 Nm lag bereits bei 2.500 U/min an. Auf der Straße erreichte das Amphicar so eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 120 km/h bei einem Verbrauch von 9,0 Litern pro 100 Kilometer. Im Wasser kam es auf bis zu 6,5 Knoten bzw. 12 km/h, wobei der Verbrauch durch den Wasserwiderstand deutlich mehr von der gefahrenen Geschwindigkeit abhing: Bei 5 km/h verbrauchte das Amphicar gerade einmal 2,3 Liter pro Stunde, bei 10 km/h waren es schon 10 Liter. Der Betrieb des Amphicar auf dem Wasser erfordert in Deutschland übrigens einen Sportbootführerschein.

Technik des Amphicar

Die Kraft wird über eine Einscheiben-Trockenkupplung auf das vor dem Motor platzierte Getriebe übertragen. Es ist ein vollsynchronisiertes Viergang-Spezialgetriebe von Hermes in Wuppertal mit zusätzlichem Wendegetriebe (Übersetzung 3:1) mit nur einem Vorwärts- und Rückwärtsgang für den Antrieb von zwei Kunststoffpropellern am Heck. Im Wasser schaltete der Fahrer das Straßengetriebe auf Leerlauf und aktiviert mit einem zweiten Schalthebel die Propeller bzw. Schiffsschrauben. Ein großer Wehrmutstropfen war hingegen der sehr hohe Wartungsaufwand für das Amphicar: Nach jeder Wasserfahrt waren 13 Schmiernippel mit Fett zu versorgen. Dazu musste das Fahrzeug aufgebockt und die Rücksitzbank ausgebaut werden.

Die Karosserie und das Fahrwerk bestehen aus einem durch Rohre und Längsträger verstärkten, selbsttragenden Rahmen, deren Unterteil aus 1,5 mm dickem Blech als geschlossene Wanne geformt ist. Alle Teile sind fest miteinander verschweißt. Die Türen werden für die Fahrt im Wasser von innen mit einem zweiten Griff zusätzlich verriegelt und damit stärker an die Türdichtungen angepresst, um einen Wassereintritt zu verhindern.

Im Motorraum verfügt das Amphicar serienmäßig über eine Lenzpumpe, um Wasser abzupumpen, das beispielsweise an den Achswellen eintreten kann. Ferner ist es mit einem rot-grünem Positionslicht und einem Signalhorn auf der Fronthaube ausgerüstet. Bei der Fahrt in Gewässern musste auf einem kurzen Mast des Heckdeckels noch ein weißes Positionslicht angebracht werden. Im Bug vorn unter dem Kofferraum befindet sich das Reserverad, über der Vorderachse der Kraftstofftank. Vorder- und Hinterräder sind an gezogenen Längsschwingen mit Federbeinen und hydraulischen Stoßdämpfern aufgehängt und verfügen über hydraulisch betätigte Trommelbremsen, die Handbremse arbeitet hingegen mechanisch. Gelenkt wird im Wasser wie auch auf der Straße, also über die Vorderräder. Perfekt restaurierte Fahrzeuge werden heute mit bis zu 80.000 US-Dollar gehandelt, allein ein neues Getriebe kostet 15.000 US-Dollar.