BYD Dolphin G DM-i: Der Kleine mit dem Riesen-Akku

Bisher galt in der Autowelt eine ungeschriebene Regel: Wer einen Plug-in-Hybrid mit richtig fetter elektrischer Reichweite sucht, muss mindestens Kompaktklasse, besser noch ein dickes SUV fahren. Im Kleinwagensegment hieß es markenübergreifend: Zu teuer, zu schwer, kein Platz! Doch die Ingenieure haben dazugelernt. Mit einem völlig neuen Technik-Layout zeigt die neueste PHEV-Generation, dass ein Riesen-Akku und knackige City-Abmessungen verdammt gut zusammenpassen.
Das Packaging-Wunder: Wo schrumpft die Technik?
Die größte Herausforderung bei einem Teilzeitstromer im B-Segment ist der Platz. Neben dem Verbrennungsmotor, dem Tank und dem Getriebe muss schließlich auch noch eine E-Maschine samt Leistungselektronik und eine raumgreifende Batterie untergebracht werden. Bisherige Versuche in dieser Klasse scheiterten oft an winzigen Kofferräumen oder mickrigen Akkus, die kaum für den Weg zum nächsten Supermarkt reichten.
Das Geheimnis der neuen Generation liegt im integrierten Packaging. Die Batterie wird nicht mehr einfach unter die Rücksitzbank gequetscht, sondern nutzt als flaches energiedichtes Paket den Raum im Fahrzeugboden und im Mitteltunnel. Dank moderner Zell-zu-Pack-Technologie (Cell-to-Pack), bei der auf schwere Zwischenmodule verzichtet wird, passt eine beeindruckende Energiemenge in den Kleinwagen, ohne dass die Passagiere im Fond die Knie anziehen müssen.
Kleinwagen-Hybrid mit SUV-Reichweite und Schnellademöglichkeit
In der Einstiegsversion Active besitzt der Dolphin G DM-i eine Blade-Batterie mit 7,42 kWh Kapazität. Damit sollen bis zu 40 Kilometer elektrische Reichweite möglich sein. Die höher positionierten Varianten Boost, Comfort und Sport erhalten dagegen eine 18,3 kWh große Batterie. Für ein B-Segment-Fahrzeug ist das ein ungewöhnlich großer Akku.
Mit dieser größeren Batterie soll der Dolphin G DM-i bis zu 105 Kilometer rein elektrisch fahren. Das ist der entscheidende Punkt an diesem Auto. Viele Alltagsfahrten könnten damit ohne Benzinverbrauch erledigt werden, ohne dass der Käufer auf die Reichweite eines klassischen Verbrenners verzichten muss. Bei voller Batterie und vollem Tank nennt BYD bis zu 1.040 Kilometer Gesamtreichweite. Der gewichtete Verbrauch liegt nach Herstellerangaben bei 1,4 Litern je 100 Kilometer.
Auch beim Laden unterscheidet BYD zwischen den Batterievarianten. Die Active-Version lädt einphasig mit 3,3 kW und soll ihre kleine Batterie in knapp drei Stunden von 15 auf 100 Prozent bringen. Die Varianten mit 18,3-kWh-Batterie laden mit 6,6 kW Wechselstrom. Zusätzlich bietet BYD hier eine DC-Schnellladefunktion mit bis zu 39 kW an. Damit soll der Akku in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden.
Für einen Kleinwagen ist das bemerkenswert. DC-Laden bei Plug-in-Hybriden ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. In Verbindung mit der größeren Batterie macht diese Funktion den Dolphin G DM-i deutlich flexibler. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt, kann viele Strecken elektrisch absolvieren. Wer unterwegs nachladen möchte, muss nicht zwingend an einer langsamen AC-Säule stehen.
Kein Feigenblatt: Der DM-i-Antrieb ist auf häufigen E-Betrieb optimiert
Man merkt schnell, dass es BYD bei ihren kleinen Hybrid nicht um eine Verlegenheitslösung ging. Der Dolphin G soll ein Auto sein, das im Alltag wirklich hauptsächlich elektrisch fährt. Kern des Systems ist die sogenannte DM-i-Technologie. Die Abkürzung steht für Dual Mode Intelligence. Vereinfacht gesagt arbeitet der Dolphin G DM-i in den meisten Fahrsituationen wie ein Elektroauto. Der vorn eingebaute Elektromotor treibt die Vorderräder an, während der 1,5-Liter-Benziner mit 95 PS und 120 Nm häufig eher als Energiequelle im Hintergrund dient. Er kann die Batterie über einen Generator laden oder bei bestimmten Fahrsituationen direkt in den Antrieb eingebunden werden.
Genau darin liegt der technische Unterschied zu vielen klassischen Plug-in-Hybriden. Dort übernimmt der Verbrenner oft sehr früh wieder eine zentrale Rolle. Beim BYD-System steht dagegen der elektrische Antrieb stärker im Mittelpunkt. Das soll für ein leises, direktes und gleichmäßiges Fahrgefühl sorgen. Gerade im Stadtverkehr, beim Pendeln und auf kürzeren Strecken dürfte sich der Dolphin G DM-i dadurch eher wie ein Elektroauto anfühlen.
Der Elektromotor leistet 120 kW beziehungsweise 163 PS und liefert 210 Nm Drehmoment. Für einen Kleinwagen ist das ein ordentlicher Wert. BYD gibt den Sprint von 0 auf 100 km/h mit 8,3 Sekunden an. Der Benziner ist ein Saugmotor aus der Xiaoyun-Baureihe. Er arbeitet je nach Fahrsituation als Generator, als zusätzlicher Antrieb oder bei konstantem Leistungsbedarf auch direkt an den Rädern.
Ein harter Gegner für ID.Polo, Ioniq 3 und EV2
Auch bei den Abmessungen bleibt der Dolphin G DM-i im Kleinwagensegment. Er ist 4,16 Meter lang, 1,83 Meter breit und besitzt einen Radstand von 2,61 Metern. Der Kofferraum fasst 425 Liter, mit umgeklappter Rücksitzlehne sind bis zu 1.225 Liter möglich. Damit positioniert BYD den Dolphin G DM-i nicht nur als Stadtauto, sondern als vollwertig nutzbaren kleinen Familienwagen.
Der Innenraum folgt einem eher praktischen Ansatz. Je nach Ausstattung gibt es ein 8,8-Zoll-Digitalinstrument, einen zentralen Touchscreen mit 10,1 oder 12,8 Zoll, Smartphone-Integration, Klimaautomatik, kabelloses Laden, Ambientebeleuchtung und hintere Lüftungsdüsen. In höheren Ausstattungen kommen ein Head-up-Display, Panoramadach, 360-Grad-Kamera und Google-Integration hinzu.
Ebenfalls ungewöhnlich für das Segment ist die Vehicle-to-Load-Funktion ab der Ausstattung Boost. Damit kann der Dolphin G DM-i externe Geräte mit Strom versorgen. Im Alltag ist das kein entscheidendes Kaufargument, passt aber zur technischen Ausrichtung des Fahrzeugs: BYD denkt den Kleinwagen stärker aus der Batterie heraus als aus dem klassischen Verbrennerkonzept.
Sicherheit und Assistenz fallen ebenfalls umfangreich aus. Serienmäßig sind unter anderem ein adaptiver Tempomat, Spurhaltefunktionen, Querverkehrswarner vorn und hinten, Totwinkelwarner, Ausstiegswarnung und Fahrerüberwachung an Bord. Damit will BYD auch bei einem kleineren Fahrzeug ein Ausstattungsniveau bieten, das man eher aus größeren Klassen kennt.
Die große Preisfrage bleibt unbeantwortet
Preise nennt BYD bislang noch nicht. Bestellungen sollen in Europa bereits vor den Sommerferien starten, die ersten Auslieferungen sind für den Frühherbst geplant. Angeboten wird der Dolphin G DM-i in den Ausstattungslinien Active, Boost, Comfort und Sport.
Spannend dürfte vor allem die Akzeptanz der Kunden sein: Während die Neuerscheinungen von VW, Hyundai und Kia im B-Segment nur erstmals bezahlbare und in Sachen Ladeleistung und Reichweite sehr robuste Stromer an den Start schicken, könnte sich der BYD Dolphin G DM-i zu einem Geheimtipp mausern. Im Alltag wird auch er rein elektrisch fahren, bietet für Wochenende, Urlaub und Co aber eben jene Sorgenfreiheit, die viele Haushalte mit nur einem Auto bislang vor dem Umstieg bewahrt haben. Entscheidend bleibt deshalb eigentlich nur der Preis. Fällt er wettbewerbsfähig aus, könnte der Dolphin G DM-i für den Verkaufserfolg sorgen, den BYD in Deutschland schon länger herbeisehnt. (Text: an | Bilder: Hersteller)
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