Geely Galaxy TT: Das effizienteste Auto der Welt? Wunderantrieb halbiert den Verbrauch

Geely hat in einem Galaxy TT-Prototyp den neuen Thunder-Antrieb vorgestellt. Das System bündelt zwölf Hardware- und vier Software-Komponenten in einer kompakten Einheit. In einer Rekordfahrt kam der TT auf 8,20 kWh je 100 Kilometer. Doch der Extremantrieb hat nicht nur Vorteile.

Während viele europäische Hersteller die einzelnen Komponenten eines Elektroantriebs, vom Elektromotor über den Wechselrichter bis hin zum On-Board-Lader, nach wie vor als separate Bausteine im Motorraum verteilen, setzt Chinas Autogigant Geely auf radikale Konzentration. Mit dem neu vorgestellten „Thunder 16-in-1“-Antrieb packen die Ingenieure schlichtweg alles in eine einzige Wunderkiste. Das Ergebnis klingt entsprechend spektakulär: Rekordverdächtige Effizienzwerte, blitzschnelle Reaktionen und spürbar mehr Platz für das Gepäck.

Der „Thunder 16-in-1“: Was steckt im Rekord-Kasten?

Das Geheimnis hinter dem Tech-Sprung liegt im Verzicht auf überflüssigen Ballast. Geely führt im „Thunder“-System zwölf Hardware-Module, darunter Elektromotor, Untersetzungsgetriebe, Leistungselektronik, DC/DC-Wandler, On-Board-Lader, Hochvolt-Verteiler und Batterie-Management mit vier intelligenten Software-Systemen zusammen.

Geely-Thunder-16-in-1-2

Durch diesen radikalen Ansatz entfallen auf einen Schlag über 180 Einzelteile. Die Hochvolt-Verkabelung schrumpft um 30 Prozent, und die Niedervolt-Leitungen werden um 15 Prozent gekürzt. Die nackten Zahlen beeindrucken: Der komplette Antrieb bringt dank eines extrem leichten Magnesiumgehäuses nur 75 Kilogramm auf die Waage, also rund 15 Prozent weniger als der Branchenschnitt. Mit weniger als 325 Millimetern Bauhöhe schrumpft die Wunderkiste zudem so stark zusammen, dass im vorderen Kofferraum 28 Liter zusätzlicher Stauraum frei werden.

Dazu kommt eine neuartige 800-Volt-„One-Chip“-Steuerung. Das Zentralhirn für sämtliche Funktionen innerhalb des Antriebs senkt die Reaktionszeit bei der Drehmomentregelung von üblichen 40 Millisekunden auf kaum wahrnehmbare 2 Millisekunden.

8,2 kWh Rekordverbrauch: Wie real ist der Fabelwert?

Was das System im Alltag zu leisten vermag, will Geely mit einer offiziellen Testfahrt rund um den chinesischen Qinghai-See gezeigt haben. Dort fuhr ein Galaxy TT-Prototyp einen Fabelwert ein: 8,2 kWh auf 100 Kilometer. Ein Wert, den selbst Mercedes mit dem sehr serienfernen EQXX Concept nicht erreichen konnte. Geely gibt den Gesamtwirkungsgrad des Systems mit überragenden 93,8 Prozent an.

Geely-Galaxy-TT-Record-Prototype-1

Ein wichtiger Baustein für diese Effizienz ist das ausgeklügelte Thermomanagement. Eine Kühlstruktur mit 54 Kanälen hält das Aggregat im optimalen Temperaturfenster. Bei eisigen minus 18 Grad fängt das System die Abwärme des Triebwerks ab und nutzt sie für die Innenraumheizung, was den Energiebedarf in der Kälte um mehr als 40 Prozent senkt.

Abseits der Rekordfahrt sprechen die Geely-Entwickler von einem Zyklusverbrauch von 10,7 kWh/100km. Zwar gemessen nach dem eher laschen CLTC-Prüfverfahren der Chinesen, aber trotzdem bemerkenswert. Denn der Galaxy TT ist eine ausgewachsene Serienlimousine, ohne Verzicht bei Komfort und Platzangebot.

Premiere im Geely Galaxy TT: Bis zu 578 PS

Seine Premiere feiert das Kraftpaket in der brandneuen Elektro-Limousine Geely Galaxy TT. Der knapp fünf Meter lange Crossover-Gleiter zielt in China direkt auf Konkurrenten wie das Xiaomi SU7 oder den Porsche Taycan.

Geely-Galaxy-TT-1

Das Fahrzeug geht in zwei Performance-Stufen an den Start: Als RWD (Heckantrieb) mit 245 kW (333 PS) und als zweimotoriges AWD-Setup mit 425 kW (578 PS), das die Limousine in nur 3,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 katapultiert. Mit Akku-Größen von 52,4 kWh, 63.8 kWh und bis zu 75,2 kWh verspricht Geely nach CLTC-Norm Reichweiten zwischen 540 und 725 Kilometern.

Der Haken: Werkstatt-Frust bei Defekten?

Wo so viel Licht ist, wartet im automobilen Alltag jedoch meist auch Schatten. Die extreme Integration aller Schlüsselkomponenten dürfte Werkstätten und Kunden vor eine große Herausforderung stellen.

Wenn bei einem modular aufgebauten E-Auto der DC/DC-Wandler oder der On-Board-Lader den Geist aufgibt, wird im Normalfall nur diese eine Komponente ausgetauscht. Beim Geely „Thunder“-System verschmelzen Leistungselektronik, Motor und Steuergeräte jedoch im selben Block. Geht außerhalb der Garantiezeit ein einzelnes Cent-Bauteil kaputt, droht im schlimmsten Fall der teure Austausch des gesamten 75-Kilo-Einheit. Ein finanzielles Risiko, das Käufer beim Gebrauchtwagenkauf im Hinterkopf behalten müssen. (Text: an | Bilder: Geely)

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Alexander Nocker

Alexander Nocker verstärkt seit 2026 das AutoScout24 Magazin als freier Redakteur mit Fokus auf Antriebstechnologien. Er bringt langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus mit und beschäftigt sich vor allem mit neuen Technologien und aktuellen Mobilitätsthemen. Auch klassische Fahrzeuge kennt und schätzt er. Privat schlägt sein Herz für sportliche Klassiker - sein Traumwagen ist ein BMW M3 E30 Sport Evolution. Aktuell fährt er einen VW ID.3 GTX Fire & Ice.

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