Grenzbereich: BMW Art Cars – Freie Fahrt für die Kunst

Das BMW-Projekt war schon immer die Verbindung zwischen lautem, schnellen und ruppigen Motorsport und der sanften, feinsinnigen Kunst, die der Rennfahrer und Auktionator Hervé Poulain vor mehr als vier Jahrzehnten zusammen mit dem damaligen BMW Motorsport-Chef Jochen Neerpasch ins Leben rief. Seinerzeit wurde der US-Künstler Alexander Calder beauftragt, seine Kreativität an einem BMW 3.0 CSL freien Lauf zu lassen. Der rot-weiß-orange gehaltene BMW wurde von Poulain selbst mit der Startnummer 93 beim 24 Stundenrennen von Le Mans gefahren – das Art-Car-Projekt ward aus der Taufe gehoben. Jetzt wird diese Erfolgsgeschichte fortgesetzt. Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht. So, oder so ähnlich, dürfte sich jedes Kind in die Welt der Kunst vorgewagt haben. Doch gehört wohl vor allem Talent dazu, aus Punkt und Strich ein harmonisches Zusammenspiel auf Papier zu erschaffen. Nietzsche formulierte es sehr passend: „Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße es Wulst.“ Namhafte Artisten, die selbst Nicht-Kunstversierten bekannt sind, wie Frank Stella, Roy Lichtenstein, Andy Warhol oder David Hockney, durften bereits Hand an verschiedene BMW-Modelle anlegen. In unregelmäßigem Abstand entstanden bis 1999 insgesamt 15 Art Cars. Danach wurde es still um die schnellen Schönheiten. Bis auf vereinzelte Auftritte beim 24-Stunden-Rennen verschwanden sie von der Bildfläche.
„Der Aufwand für Öffentlichkeitsarbeit hielt sich in Grenzen“, bestätigt der als Leiter des Kulturengagements bei BMW für die Art Cars verantwortliche Kunsthistoriker Thomas Girst. 2007 wurde dann der Fluch mit Olafur Eliasson gebrochen, der den bunt lackierten Flitzern wieder zu neuem Leben verhalf. Seither werden die Art Cars auch vermehrt in den Fokus gerückt. „Einige wurden seitdem in der Werbung eingesetzt“, so Girst. Außerdem konnten die bunten Renner bei vielen Ausstellungen bestaunt werden. Unter anderem waren die Bayern zu Gast in Shanghai, Sydney oder Los Angeles. Doch braucht der deutsche Kunstinteressierte nicht so weit reisen, denn bei all ihrer Reiseaktivität kehren die Heimatverbundenen zwischendurch immer wieder nach München ins BMW-Museum zurück.
Doppelt hält besser
Zum 40. Geburtstag überrascht BMW mit einer Besonderheit. Es sollen nämlich gleich zwei neue Art Cars erschaffen werden. Für das aktuelle Projekt wählte eine Jury aus Musemsdirektoren und Kuratoren mit Cao Fei und John Baldessari ein Künstlerduo aus, von denen jeder je einen BMW M6 GT3 gestalten darf – diese Doppelgestaltung gab es bereits 1989 mit den Künstlern Michael Jagamara Nelson und Ken Done, die sich an einem M3 zu schaffen machten. Das 6er GT3-Coupé ist mit 585 PS aus einem 4,4-Liter-V8-Motor die neue Speerspitze im Kundensport-Programm und wird ab 2016 auf der Rennstrecke zu sehen sein. 2017 rollen dann auch endlich die bemalten 6er über den Asphalt. Wie die aussehen werden? Das bleibt vorerst geheim.
Mit den beiden Künstlern wählte die Jury den jüngsten und ältesten Kreativen, der je ein Art Car schaffen durfte. Die 1978 geborene Chinesin Cao Fei ist bekannt dafür, Videokunst mit 3D-Animationen zu verknüpfen und der schon 84-jährige US-Amerikaner Baldessari zählt zu den bedeutenden Vertretern der Konzept- und Medienkunst; 1970 verbrannte er öffentlich seine bis dahin entstandenen Malereien und untersucht seither die Mechanismen der medialen Repräsentation. Er ist sich sicher: „Dies wird mein bisher schnellstes Kunstwerk werden“ und betont, dass die Erschaffung von Kunst außerhalb der Museumsmauern allen Künstlern als Ziel dienen sollte.
Mit Kunst zum Sieg
Und die schnellen Kunstwerke sollen auch wieder auf die Rennstrecke: „Natürlich wollen wir mit den Art Cars um Siege kämpfen“, bekennt sich BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt bei der Vorstellung der beiden Künstler und des Autos im New Yorker Guggenheim Museum, zu der sogar Vorstandsmitglied Ian Robertson angereist ist. Dem Briten, der verantwortlich ist für Marketing und Vertrieb, sind die Art Cars ein willkommener Werbeträger für die gesamte Marke.
Zum 40. Geburtstag der BMW Art-Car-Collection war es an der Zeit, in die Zukunft zu schauen: „Die Fahrzeuge stehen für die Kombination von neuester Technologie mit inspirierender Kunst“, so Robertson. Aber was hat jetzt ein großvolumiger V8-Verbrenner mit der neusten Technologie zu tun? Hätte man nicht besser den Elektroflitzer i8 wählen können? Ian Robertson stimmt uns zu, dass die E-Mobilität in Zukunft eine große Rolle spielt. Allerdings sei das Autorennen ein wichtiger Bestandteil aller Art Cars. "Elektrische Rennen, wie beispielsweise die Formel E, sind noch nicht so populär“ so der Vorstand im Gespräch mit AutoScout24, und sie böten nicht die große Bühne zur Präsentation der schönen Besonderheiten. Und zweifelsohne: Der i8 ist ja schon ein Kunstwerk für sich.
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