Erster Test: Honda Jazz Hybrid – Am Sonntag will mein Süßer...

… mit mir segeln gehen. So lautet der Refrain eines Schlagers aus den 1920er Jahren. Was der Komponist Robert Gilbert damals nicht ahnte: Heute könnte statt einer Bootstour auch der Ausflug im Honda Jazz Hybrid gemeint sein.

Dieser bietet dank seines zusätzlichen E-Motors nämlich die Möglichkeit, allein mit elektrischer Kraft auf kurzen Strecken zu „segeln“. Wir haben uns als Neuzeit-Süßer betätigt.
Das Frühjahr 2011 hat dem gut drei Jahre alten Honda-Kleinwagen Jazz nicht nur ein Facelift eingebracht, als neue Motorvariante wurde, und das ist eine kleine Sensation, ein Hybridantrieb eingeführt. Die Sensation liegt darin begründet, dass Honda als erster Hersteller einen Kleinwagen mit dieser Spritspar-Technik ausrüstet. Bisher war die relativ teure aber effizienzfördernde Kombination aus Benzin- und Elektromotor eigentlich höheren Fahrzeugklassen vorbehalten.

Damit sich die Hybrid-Version vom Jazz-Einerlei abheben kann, verfügt der Teilzeit-Stromer über einige exklusive Erkennungsmerkmale: Ein eigener Kühlergrill, bläulich hinterlegte Scheinwerfer-Einheiten, eine Chromspange am Heck und Rückleuchten in Klarglas-Optik gehören zur exklusiven Standard-Optik. Außerdem gibt es optional eine dem Hybrid vorbehaltene Außenfarbe in …. Hellgrün natürlich

Farbspiele

Auch im Innenraum kann die Farbe Grün den Fahrer erfreuen und auf besonders umweltfreundliches Fahren einstimmen. Zumindest wenn der Pilot den Jazz Hybrid effizient bewegt, ist der Tacho-Hintergrundbeleuchtung grün. Fährt man hingegen wenig effizient, wechselt diese Beleuchtung ins Bläuliche.

Ansonsten bietet der ansehnlich wie funktionale Arbeitsplatz eine spannende Architektur, hinterlässt trotz Hartplastik und einiger etwas billig wirkender Oberflächen einen erfrischenden, modernen Eindruck. Ein echtes Edel-Novum im Jazz ist übrigens die optionale Lederausstattung, die dem Interieur eine besonders wohnliche Note verleiht.

Variabilitäts-Meister

Egal ob mit oder ohne Leder: Die Sitze sind auch weiterhin der ganz große Clou beim Jazz. Denn wenn man hier die Fond-Rücklehne im Verhältnis 60 zu 40 umklappt, rutscht parallel die Sitzfläche nach unten und entsteht eine tiefe, ebene Ladefläche. Statt der normal 303 Liter passen so maximal 1.320 Liter in den Fond.

Im Vergleich zum normalen Jazz sind das übrigens 80 Liter weniger. Beim Hybrid nimmt nämlich die große Batterie für den Elektromotor diesen Platz in Anspruch. Wer mehr Platz braucht, kann noch den Beifahrersitz umklappen und bis zu 2,40 Meter lange Teile einladen. Trickreich: Die Rückbank kann nicht nur flachgelegt, sondern auch hochgeklappt werden, ähnlich wie ein Kino-Sessel. Dann lassen sich auch dank des fehlenden Kardantunnels bis zu 1,30 Meter hohe Gegenstände quer im Jazz transportieren.

Das andere besondere Talent des Jazz Hybrid ist sein doppeltes Kraftwerk, das übrigens identisch mit der Antriebseinheit des Insight ist. Per Knopfdruck wird der 1,3-Liter-Benzinmotor zum zunächst kaum hörbaren Leben erweckt. Legt man den Wahlhebel der stufenlosen CVT-Automatik auf D, kann man auch weiterhin erstaunlich geräuscharm anfahren. Bei sanftem Gasfuß operiert der 88-PS-Benziner bei stets niedrigen Drehzahlen mit teilweise sanfter Unterstützung des 14 PS starken Elektromotors.

Kraft der zwei Herzen

Der Jazz kann aber auch wilder: Wird viel Leistung per Gasfuß gefordert, wirft der E-Motor sein gesamtes Drehmoment in den Vortrieb und sorgt für einen spürbaren, kurzen Punch. Über 200 Newtonmeter Gesamtleistung lassen die Vorderräder kurzweilig um Traktion kämpfen. Parallel erreicht der Vier-Zylinder ein sehr hohes Drehzahlniveau. Statt eines linearen Anstiegs der Drehzahlen nach jeder neuen Gangstufe, dreht beim stufenlosen CVT-Getriebe der Motor beim starken Beschleunigen so lange auf hohem Niveau, bis die gewünschte Geschwindigkeit erreicht wird.

Fahrspaß bringt dieses etwas eigene Zusammenspiel von Getriebe und Motor nicht mit sich und wird der Benziner bei hoher Leistungsabfrage akustisch zudem ziemlich aufdringlich. Immerhin sprintet der 1,2-Tonner nach Werksangabe in knapp über zwölf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 175 km/h. Damit qualifiziert sich der kleine Doppel-Herz-Japaner gewiss nicht zum Athleten, insofern könnte das straffe Fahrwerk ruhig eine Spur softer abgestimmt werden.

Beim nächsten Ampelstopp kehrt wieder absolute Ruhe ein, denn eine Start-Stopp-Automatik schaltet bereits kurz vorm Stehenbleiben an der Ampel den Motor aus. Nimmt man den Fuß von der Bremse oder verlangen Nebenverbraucher wie Klima- und Audioanlage mehr Strom als die Bordnetz-Batterie liefern kann, springt der Motor sofort wieder an.

Die Spartricks der Hybridtechnik

Noch deutlich mehr Sprit spart der Jazz durch die Umwandlung von Bremsenergie in elektrischen Strom. Während der E-Motor beim Beschleunigen den Vortrieb unterstützt, generiert er beim Abbremsen elektrischen Strom, der in der Nickel-Metallhydrid-Batterie im Heck landet, die mit gerade einmal 0,6 Kilowattstunden Speichervermögen übrigens etwas klein dimensioniert ist. Während bei konventionell betriebenen Fahrzeugen durchs Bremsen Energie in Wärme gewandelt wird, kann der Jazz diese dank Rekuperation wieder für den Vortrieb nutzen, mit positiven Effekten für Effizienz und Umwelt.

Praktisch bekommt man den als Generator fungierenden E-Motor beim Ausrollen deutlich zu spüren, denn dann verlangsamt sich ohne Bremseingriffe die Fahrt des Jazz deutlich stärker als bei Nicht-Hybriden. Lädt der E-Motor die Batterie, leuchtet zudem der Tacho besonders Grün und sprießen virtuelle Blumen auf dem Display im Kombiinstrument.

Ein grüner Knopf links am Armaturenbrett hilft zusätzlich beim Sparen. Aktiviert man hierüber den sogenannten Eco-Modus, sinkt das Drehmoment leicht, ist die Gasannahme träger und die Rekuperation wird verstärkt. Außerdem verlängern sich die Motor-aus-Phasen und arbeitet die Klimaautomatik häufiger im Umwälzmodus.

Miniverbräuche dank Segel-Modus

Wer alle Möglichkeiten des sparsamen Fahrens voll ausschöpft, kann den Jazz in der Praxis mit etwa vier Litern bewegen. Zumindest nach unserer gut einstündigen Spar-Testrunde zeigte der Bordcomputer 4,1 Liter an, während bei normaler Fahrweise der Verbrauch auf 5,8 Liter anstieg. Laut Honda liegt der Normverbrauch bei 4,5 Liter, was übrigens ein Zehntel mehr als beim windschnittigeren Insight ist. Doch man kann dem Bordcomputer des Jazz noch deutlich niedrigere Verbrauchswerte entlocken, wenn man segeln geht….

Diesen Segel-Modus, den es beim Insight übrigens nicht gibt, kann man bei Geschwindigkeiten zwischen 35 und 50 km/h aktivieren. Je voller die Batterie, desto weiter kann man segeln und desto geringer ist der Spritverbrauch. Auf einer abgesperrten Strecke hat uns Honda gebeten, eine kleine Segel-Competition zu fahren. Zunächst haben wir auf einer Runde bei normaler Fahrweise die Batterie aufgeladen, um anschließend mit diesem Strom dann auf zwei weiteren Runden möglichst oft und lange rein elektrisch zu fahren.

Das Segeln aktiviert man wie folgt: Hat man etwas Fahrt aufgenommen, muss man das Gaspedal lupfen und darf danach nur sehr behutsam das Gaspedal streicheln. Auf ebener oder abschüssiger Strecke kann dann der Jazz die Geschwindigkeit halten, ohne dass hierfür der Benzinmotor zur Hilfe springt. Nach zwei Runden Segeln zeigte unser Bordcomputer 2,6 Liter an. Andere Kollegen sollen sogar bis zu 2,3 Liter geschafft haben. So ganz genau will Honda nicht sagen, wie weit man mit dem Jazz segeln kann, doch dürften ein bis maximal zwei Kilometer möglich sein.

Selbstbewusster Preis

Die Technik des Jazz Hybrid funktioniert in eindrucksvoller Weise, bietet dem Spiel- und Spartrieb viele Möglichkeiten, was die hübschen Animationen im Innenraum zusätzlich fördern. Der Kaufpreis ist allerdings nicht ganz billig:19.000 Euro kostet die Basisversion Comfort, die neben vier Einstiegstüren noch ein Automatik-Getriebe, eine Klimaautomatik und ein CD-Radio bietet. Ähnlich große Kleinwagen mit gut 100 PS starkem Benzinmotor und Automatikgetriebe bekommt man schon für deutlich weniger Geld.

Übrigens ist der Jazz Hybrid nur 1.000 Euro günstiger als der eine Klasse höher positionierte Insight. Doch demnächst soll laut Honda-Sprecher Alexander Heintzel der Insight eine Aufwertung vor allem im Innenraum erfahren und soll sich damit bei der neuerlichen Preisfindung ein größerer Abstand zwischen Jazz Hybrid und Insight auftun.

Technische Daten
Marke und Modell Honda Jazz Hybrid
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 1.339 / R4
Leistung (kW / PS) 65 /88*
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 121 / 4.400
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart automatisches CVT
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 3.900 / 1.695 / 1.525
Radstand (mm) 2.495
Wendekreis (m) 10,1
Leergewicht (kg) 1.234
Kofferraum (Liter) 303 - 1.320
Bereifung Testwagen 175/65 R 15
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 4,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 104 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k .A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 12,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 175
Preise
ab (Euro) 18.900,00
*zusätzlich Elektromotor mit 10 kW und 78 Nm
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## Fazit
Endlich kann man sogar Kleinwagen mit Hybridantrieb kaufen, Honda macht‘s mit dem Jazz möglich. Mit 19.000 Euro ist der Spritsparer zwar nicht ganz billig, doch die praktisch sehr effiziente Technik bietet einige durchaus faszinierenden Facetten.

Zudem ist der Jazz ein toller Kleinwagen mit einem besonders cleveren, hochvariablen Sitzsystem. Und der innen und außen dezent aufgefrischte Jazz kann nicht nur besonders praktisch und sparsam, sondern dank neuer Lederausstattung auch noch luxuriös.

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