Erster Test: Jeep Compass 2.2 CRD – Mit Kraft aus Kölleda

Beim obligatorischen Blick unter die Motorhaube können wir nach dem Rausrupfen der Plastikabdeckung das Kraftwerk des neuen Jeep Compass samt Überraschungs-Aufkleber in voller Pracht bewundern: Rumpfmotor Kölleda steht dort geschrieben. Kölleda?

Ja, der 2,2-Liter-Diesel des Compass kam schon bei verschiedenen Mercedes-Modellen zum Einsatz. Mit dieser und vielen weiteren Neuerungen ist der Kompakt-Jeep nach zwei Jahren Abstinenz wieder nach Deutschland zurückgekehrt.
Irgendwie hatte es der Compass trotz SUV-Trend hierzulande nicht leicht. Als kompakter Softroader war er eben kein typischer Vertreter der Marke Jeep, und seine vom Wrangler inspirierte Front sorgte für eine eigenwillige, etwas plumpe Optik, die alles andere als Begeisterungsstürme auslöste. Schließlich waren auch Innenraum-Anmutung und Fahreigenschaften eher auf den amerikanischen Autogeschmack hin optimiert.

Der Compass mutierte in Deutschland zum Ladenhüter und wurde 2009 nach nur zwei Jahren wieder vom Markt genommen. Der in den vergangenen beiden Jahren stark krisengeplagte und mittlerweile mit Fiat verbandelte Chrysler-Konzern geht mit seiner Offroad-Kultmarke aber wieder in die Offensive. Unter anderem mit dem völlig überarbeiteten Compass soll Jeep wieder Wachstum generieren und gleich noch einen Imagewandel hin zu einer Lifestyle-Marke vollziehen. Das könnte gelingen, denn im Vergleich zum 2007er-Compass konnte uns die 2011er-Version dank umfangreicher Neuerungen durchweg positiv überraschen.

Außen und innen hübscher

Auf den ersten Blick mag man den Compass gar nicht wiedererkennen, so radikal anders und ansehnlich wirkt die neue Front. Statt der archaischen Wrangler-Optik ist das Gesicht jetzt eine Kopie des erst jüngst komplett neu eingeführten Grand Cherokees. Ein eleganter, urbaner Schick, der sich sehen lassen kann. Der Rest der Compass-Karosserie blieb hingegen weitgehend unangetastet, was allerdings kaum mehr negativ ins Auge fällt.

Ebenfalls in seiner Grundarchitektur unverändert blieb der Innenraum, doch wurde das Armaturenbrett optisch wesentlich harmonischer gestaltet und strahlt die mit vielen Chromakzenten verfeinerte, sehr aufgeräumt wirkende schwarze Hartplastik-Landschaft eine durchaus wohnliche und wertige Atmosphäre aus. Zwar kann dieses Ensemble nicht ganz mit der Premium-Anmutung vergleichbarer Modelle deutscher Hersteller mithalten, doch bei den meisten Japanern sieht das innen in der Regel kaum besser aus.

Das neue Lenkrad bietet sogar Bedientasten für serienmäßige Nettigkeiten wie Audio-Anlage und Tempomat. Wohlfühlen ist auch angesichts des guten Platzangebots und der ordentlichen Sitze kein Problem. Wie bisher ist der Kofferraum bei Raumangebot und Variabilität durchschnittlich: In das dachhoch 458 Liter große Gepäckabteil passen bei umgeklappter Rückbank maximal 1.269 Liter. Serienmäßig verfügt der Compass sogar über eine nach vorne klappbare Beifahrersitzlehne, was den Transport besonders langer Gegenstände erleichtert.

Mit Daimler-Diesel auf Höhe der Zeit

Per klassischem Schlüsseldreh wird die Kraftmaschine aus Kölleda zum Leben erweckt. Im ersten Compass kam noch der selige Pumpe-Düse-Diesel aus dem VW-Konzern zum Einsatz, der akustisch allerdings wenig feine Manieren an den Tag legte. Im Vergleich dazu ist das Vier-Zylinder-Aggregat vom Daimler eine Ausgeburt an Laufruhe, obwohl auch hier das Dieselnageln wahrnehmbar bleibt.

163 PS und 320 Newtonmeter gepaart mit einem manuellen Sechs-Gang-Getriebe von Aisin sind gute Voraussetzungen für souveränen Vortrieb. Bei Vollgas kommt trotz des variablen Allradantriebs leichte Unruhe ins Lenkrad, wildes Scharren der Räder bleibt allerdings aus. Entsprechend schafft der 1,6-Tonner den Standardsprint in halbwegs kurzweiligen 10,6 Sekunden und läuft maximal 201 km/h schnell. Trotz dieser Performance, dem hohen Karosserie-Aufbau und dem permanenten Allradantrieb soll der Durchschnittsverbrauch bei noch bescheidenen 6,6 Litern liegen. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan 4Motion mit 170-PS-TDI wird mit exakt dem gleichen Verbrauchswert angegeben.

Gut Asphalt und nicht Ende im Gelände

Motorseitig ist der Compass 2.2 CRD also auf der Höhe der Zeit, und auch sein Allradantrieb, bei dem eine Lamellenkupplung die Kraftverteilung zwischen den Achsen variiert, gehört im SUV-Segment zum aktuell angesagten Technik-Standard. Als waschechter, kerniger Jeep empfiehlt sich der Compass damit allerdings nicht, denn seine Offroad-Hardware erlaubt nur vorsichtige Geländeeinsätze.

Bodenfreiheit, Böschungswinkel und Achsverschränkung sind gering, eine Getriebereduktion gibt es nicht. Immerhin lässt sich per Knopfdruck die Lamellenkupplung elektronisch sperren und gibt es außerdem noch einen Bergan- und -abfahr-Assistenten. Als Wald-und-Wiesen-Jeep oder Strandmobil ist der Compass damit voll tauglich, wer einen Geländekönner will, sollte das SUV-Segment hingegen grundsätzlich meiden.

Technische Daten
Marke und Modell Jeep Compass 2.2 CRD
Limited
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 2.143 / R4
Leistung (kW / PS) 120 / 163
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 320 / 1.400 - 3.600
Antriebsart permanenter Allradantrieb
Getriebeart manuelles Sechs-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.448 / 1.812 / 1.663
Radstand (mm) 2.635
Wendekreis (m) 10,8
Leergewicht (kg) 1.655
Kofferraum (Liter) 458 - 1.269
Bereifung Testwagen 215/55 R 18
Verbrauch
Krafstoffart Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,6
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 172 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k .A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 10,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 201
Preise
ab (Euro) 31.800,00
Empfohlene Extras
VergrößernVerkleinern

Was der Compass dafür recht souverän meistert, ist der Einsatz auf asphaltierten Fernwegen. Eine satte Straßenlage, eine sichere Kurvenperformance und der ordentliche Komfort sorgen im Stadtverkehr sowie auf Landstraßen und Autobahnen für einen tadellosen Auftritt. Die angenehm exakte Lenkung gibt ordentlich Rückmeldung, der flotte Kurvenstrich lässt ich angstfrei meistern und greift das ESP selbst bei übertrieben hohem Kurventempo erst recht spät ein.

Günstig

Und auch beim Blick in die Preisliste verdirbt uns der Compass nicht die Laune. In einer 136-PS-Version gibt es den dann ausschließlich frontgetriebenen 2.2 CRD schon ab 27.300 Euro, die von uns gefahrene Stark-Variante mit Allradantrieb kostet exakt 2.100 Euro mehr.

Jeep bietet die beiden Ausstattungsniveaus Sport und Limited. Bereits die einfachere Version Sport kann mit einigen Annehmlichkeiten aufwarten. Neben einer vollständigen Sicherheitsausstattung sind noch eine Klimaanlage, elektrische Außenspiegel, ein Audio-System, ein Tempomat und 17-Zoll-Alus dabei. Für einen ähnlich gut ausgestatteten VW Tiguan mit 170-PS-Diesel müsste man rund 4.000 Euro mehr hinblättern.

Fazit

Alle Achtung: Ein eigentlich schon Totgesagter feiert ein eindrucksvolles Comeback. Optisch aufgehübscht, mit aufgewertetem Innenraum und dem neuen Mercedes-Diesel begegnet der Compass seinen Konkurrenten im Segment kompakter SUVs nunmehr weitgehend auf Augenhöhe. Auch bei den Fahreigenschaften bewährt sich der deutlich besser abgestimmte und weiterhin nur bedingt geländetaugliche Softroader in überraschend manierlicher Weise. Trotz der vielen Innovationen bleibt sein Preis weiterhin unterm Niveau vieler Konkurrenten.

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