Mercedes-Maybach GLS 680 im ersten Check: Schampus aus Silberkelchen

Ein SUV ist das beliebteste Maybach-Modell. Von Miami über Monaco bis Mumbai – die Reichen und Schönen lieben den GLS, der bei stattlichen 198.000 Euro startet. Angetrieben wird die Neuauflage des Edel-SUVs von einem 612 PS starken Achtzylinder-Benziner. Erste Sitzprobe im Luxus-Liner von Mercedes.

Das Wichtigste zuerst

Maybach ist die exklusive Luxusmarke von Mercedes-Benz und als Statussymbol beliebt bei der betuchten Kundschaft. Der neue GLS 680 kostet knapp 200.000 Euro und beeindruckt durch sein nicht gerade zurückhaltendes Design sowie durch überbordenden Luxus. Im Innenraum sorgen edle Materialien, viel Handarbeit und umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten für exklusiven Komfort. Zudem bietet das SUV einen luxuriösen Fond sogar mit Wadenmassage, einem Unterhaltungssystemen und einem Schampus-Kühlschrank. Angetrieben wird dieser Maybach von einem 612 PS starken V8-Mildhybrid.

Stärken, Schwächen, Alternativen


Was uns gefällt

Die zwei Meter langen und beleuchteten Aluminium-Trittbretter.

Was wir vermissen

Größere Bildschirme im Fond, da haben die Chinesen die Nase vorn.

Ideal, wenn …

… die Erbschaft überraschend groß ausfällt.

Die Alternativen

Bentley Bentayga EWB, Range Rover SV, Rolls Royce Cullinan.


Stärken

  • Starkes Status-Design
  • Edle Materialien, bestens verarbeitet
  • Hoher Individualisierungsgrad

Schwächen

  • Stattliche Preise
  • Hohes Gewicht
  • Mit Kühlschrank vergleichsweise kleiner Kofferraum

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Maybach ist der Margen-König bei Mercedes

Willkommen in der Welt der Millionäre und Milliardäre. Wer von A nach B möchte und nicht gleich den Hubschrauber benützen will, der muss leider immer noch auf ein Auto zurückgreifen. Aber was für eins. Um sich standesgemäß chauffieren zu lassen, da muss es schon ein besonderes Exemplar sein. Am besten eines mit dem Doppel-M. Nein, es steht nicht für Millionäre und Milliardäre, sondern für Maybach-Motorenbau.

Maybach gehört zu Mercedes-Benz und ist für die Stuttgarter eine besonders wichtige Submarke. Mit einer geschätzten Marge von 25 bis 30 Prozent ist Maybach überdurchschnittlich profitabel und damit ein echter Renditebringer, der vor allen Dingen in den USA, in den Golf-Staaten und ganz besonders (noch) in China beliebt ist. Hier leben auch die jüngsten Kunden – mit einem sagenhaften Altersdurchschnitt von 35 Jahren. Das ist schon beachtlich für einen Fahrzeugpreis, der bei 200.000 Euro startet.

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Trittbrettfahren erlaubt, aber nur bis 4 km/h

Den Magnum-Luxus-Schlitten konnten wir bei einem exklusiven Vorab-Termin schon mal genauer unter die Lupe nehmen. Auch wenn bei Maybach viel die Rede ist vom Charme des leisen Luxus – zumindest von außen brüllt dieser GLS. Allein schon der riesige Kühlergrill mit seinen 28 Chromstreben im Nadelstreifen-Design ist schon ein Statement. Nachts leuchtet der Rahmen und auch der Maybach-Schriftzug wird illuminiert. Dort, wo es erlaubt ist. Natürlich nicht in Europa.

An den Seiten des 5,22-Meter-Kavenzmanns stechen die zwei Meter langen und natürlich beleuchteten Aluminium-Trittstufen ins Auge. Sie fahren in 1,5 Sekunden ein und halten bis zu 200 Kilogramm aus. Das reicht für den bulligsten Leibwächter, der sich allerdings nur bei langsamer Fahrt als Trittbrettfahrer betätigen kann. Denn ab vier Stundenkilometern fährt die Stufe ein. Also nichts für schnelle Verfolgungsjagden.

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Nadelstreifen-Speichen oder Gulli-Deckel-Design

Über die Seitenwangen mit dem Doppel-M schweift der Blick ums Eck zum Heck. Auch hier trumpft der GLS auf: Die Drei-Sterne-Leuchten erinnern an die S-Klasse, dazu gibt es jede Menge Lametta: Beispielsweise glänzt die wagenbreite Schürze rund um die Auspuffanlage in massivem Chrom. Wer hier dezent sein will, der ordert seinen Maybach als „Night Series“ mit dunklem Chrom und einigen wenigen Rosé-Gold-Akzenten (Aufpreis 29.750 Euro).

Dass der Maybach stämmig auf der Straße steht, liegt auch an seinen 23 Zoll großen Felgen, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Elegant mit 26 feinen Speichen, ebenfalls in Nadelstreifen-Ausführung. Oder richtig protzig als Monoblock-Räder mit fünf Löchern. Respektlos werden sie wegen Ihres Aussehens auch Gullideckel-Felgen genannt. Mittendrin prangt wie üblich der Mercedes-Stern. Dank Kugellager-Mechanismus bleibt er aber auch während der Fahrt aufrecht stehen.

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Einmal alles in Leder – das kostet so viel wie ein neuer Dacia

Auch im Interieur darf geschwelgt werden. Feinstes Nappa-Leder – besonders gediegen in Beech Brown/Macchiatobeige – verhüllt auf Wunsch wirklich alles, was man nicht sehen oder ertasten will. Das kostet natürlich einen Aufpreis: 14.875 Euro – dafür bekommt man schon einen gut ausgestatteten Dacia Sandero. Bis zu 400 Farben bietet Mercedes seiner Kundschaft an. Wählen kann man zwischen dem klassischen Rautenmuster oder kaleidoskopartig gestickten Nähten.

Da ist viel Handarbeit dabei, die viel Zeit kostet. Zwei Beispiele: Das Lederlenkrad kommt auf Wunsch mit Indianapolis-Nähten. Sie heißen so, weil sie den Steilkurven der US-Rennstrecke nachempfunden sind. Hier stickt eine Arbeitskraft den ganzen Tag, bis das Volant fertig ist. Über 40 Stunden veranschlagt die Manufaktur für den ledernen Dachhimmel, der aus 20 Einzelteilen besteht.

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Teure Sonderausstattung: Oft kommt zum Neupreis der Neupreis dazu

Noch exklusiver wird es beim Programm „Made to Measure“. Nichts ist unmöglich – vom eingeprägten Familienwappen, bis hin zu historischen Lackfarben, die den neuen Maybach wie einen Oldtimer aussehen lassen. Im Schnitt ordern Kunden drei Sonderausstattungen, dafür muss man bis zu 16 Wochen Produktionszeit in Kauf nehmen. Nicht selten kommt zum Neupreis nochmal der Neupreis dazu für besonders extravagante Wünsche. Die Kundschaft des Individualisierungsprogramms ist illuster und hat vor allen Dingen viel Geld.

Da gab es zum Beispiel einen Käufer, der sich bei den 120 angebotenen Lackfarben einfach nicht entscheiden konnte. Also bestellte er 36-mal das identische AMG-Modell in 36 unterschiedlichen Farben. Über den Ort, wo der Mann seine Autos parkt, muss man sich keine Sorgen machen. Er hat einfach auf dem Nachbargrundstück eine zweistöckige Garage gebaut. Hier werden seine über 230 Sammlerstücke auf das beste von seinen Mechanikern versorgt.

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First-Class-Fond mit Ledertischchen

Zurück zum Mercedes-Maybach GLS 680 – und zum exklusiven Interieur. Bei der Sitzprobe konnten wir uns kaum entscheiden, wo man sich besser fühlt. Auf dem Fahrersitz, vor sich der schon aus der S-Klasse bekannte Superscreen mit den schwarz eingefassten drei Einzel-Bildschirmen. Oder doch hinten rechts im First-Class-Fond mit den beiden Einzelsitzen, den belederten Tischchen und einer Wadenmassage auf Wunsch?

Auf den zwei 11,6 Zoll großen Bildschirmen, die im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz klein ausfallen, streamt man entweder, oder hält eine kleine Videokonferenz mit den Geschäftspartnern ab. Feierabend und durstig? Kein Problem. Zwischen dem Salon-Gestühl befindet sich ein Kühlschrank (Aufpreis: 1400 Euro), standesgemäß gefüllt mit Champagner. Man schlürft ihn am besten aus den Silberkelchen von Robbe & Berking (1.590 Euro).

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Und das sind die technischen Leckerbissem im GLS 680

Das kann man auch beruhigt tun. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für Ruhe sorgen zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen wie Akustik-Folien an den Scheiben oder mehr Dämmung – von den Türen bis hin zum Motorraum. Dort arbeitet der neue V8-Biturbo von Mercedes, den es auch in der normalen S-Klasse zu kaufen gibt. Für Maybach wurde das Mild-Hybrid-Triebwerk mit dem zusätzlichen 17 KW / 23 PS starken Elektromotor allerdings überarbeitet und leistet jetzt 450 kW / 612 PS mit einem Drehmoment von 850 Nm.

Das reicht für einen Sprint von 0 auf Tempo 100 in 4,5 Sekunden. Beachtlich für ein Auto mit 2,8 Tonnen Gewicht. Allrad ist dabei so selbstverständlich wie die Luftfederung, die sogar vorausschauen kann und sich via Car-to-X und Daten aus der Cloud auf Straßenunebenheiten wie Schlaglöcher oder größere Bodenwellen besser einstellen kann. Wer es noch bequemer mag, der bestellt das Fahrwerk mit E-Active Body Control. Hier analysiert ein Hochleistungsrechner bis zu 1000-mal pro Sekunde die Fahrsituation. Durch die individuelle Steuerung von Federn- und Dämpfern kann das System Wank-, Nick- und Hubbewegungen an jedem Rad individuell reduzieren. Sogar einen Curve-Modus gibt es. Der Maybach GLS „legt“ sich dabei um bis zu drei Grad in die Kurve und verringert so die Seitenkräfte, was den Komfort erhöht und auch das Schampusglas nicht überschwappen lässt.

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Erstes Fazit

Mit einem Einstandspreis von 198.866,85 Euro legt Maybach die finanzielle Messlatte standesgemäß schon recht hoch. Im Konfigurator haben wir unser Traumauto spielend auf 301.001,28 Euro gebracht. Dafür bekommt man einen ausgereiften Mercedes, und – was für die geneigte Klientel aber noch viel wichtiger ist – ein exklusives Luxusspielzeug. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Mercedes-Maybach)

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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