Test: Mercedes SLK 200 Kompressor (Facelift) – Mehr Wert

Zwölf Jahre ist es her, als Mercedes den ersten SLK vorstellte. Aufsehen erregte vor allem sein klappbares Stahldach. Mittlerweile hat fast jeder Automobilhersteller ein Hartdach-Cabrio im Portfolio, nicht bei allen funktioniert es aber so problemlos wie beim Benz.

Der SLK geht nun in die vierte Runde. Wir fuhren den 200er mit Kompressoraufladung.
Meine Mama hat noch einen der ersten SLK. Ihr 200er wurde im Sommer 1997 zugelassen und begleitet sie bislang rund 80.000 Kilometer. Anfangs skeptisch ob der neuartigen Dachkonstruktion, kann sie bis heute nur Positives berichten. Okay, die Alarmanlage hat mal gesponnen, da das Steuergerät – das im Kofferraum sitzt – durch Nässe irritiert wurde. Neues Steuergerät und die Sache passt. Genau wie das Stahl-Klappdach. Die Dichtungen sitzen noch immer dort, wo sie hingehören und das, obwohl der SLK nie eine Garage von innen gesehen hat und auch im Winter immer draußen ist. So soll ein Auto sein.

Vergleicht man den neuesten SLK 200 Kompressor, der aus 1,8 Liter Hubraum 184 PS schöpft, mit dem alten Zweiliter-136-PS-Modell von 1997, liegen Welten dazwischen. Einzig der Motorsound ist nach wie vor identisch. Hörte sich der erste 200er wie ein Rasenmäher an, tut es auch der aktuelle Vierzylinder. Warum generieren die Schwaben keinen wohlklingenden Sound? Bei Audi klappt das doch auch.

21 PS Mehrleistung

Der aktuelle SLK 200 hat nicht nur 48 PS mehr als der erste 200er, er hat auch 21 PS mehr als das Modell vor dem Facelift. Damit steigt die Literleistung über die

100-PS-Marke und soll dem knapp 1,4 Tonnen schweren Zweisitzer zu wahrlich sportlichen Fahrleistungen verhelfen. 7,6 Sekunden gibt Mercedes für den Standardspurt an. Sehr optimistisch. Wir schafften es nach 8,6 Sekunden. Hauptgründe für die Verspätung sind das hakelige Schaltgetriebe und die nicht komplett deaktivierbare Traktionskontrolle, die den nötigen Schlupf für optimale Beschleunigungswerte nicht zulässt.

Dafür hat der Vortrieb erst bei echten 236 km/h ein Ende. Ein Golf GTI mit 16 PS mehr ist nicht schneller. Bei all dem Temperament soll sich der SLK mit 7,7 Litern Super begnügen. Wohl dem, der dran glaubt. Auf unserer ökonomischen Verbrauchsrunde benötigte der Roadster 8,6 Liter, unter acht ist machbar, um die zehn Liter eher die Regel und über elf Liter auch kein Problem.

Astreines Fahrwerk

Wer sich auf einen SLK einlässt, wird ob seiner straffen Grundauslegung nicht jammern. Im Testmodell war das Sportpaket installiert, das über ein Sportfahrwerk und mindestens 17 Zoll große Räder verfügt. Unser SLK hatte sogar das AMG-Paket und damit gleich 18-Zöller mit Mischbereifung – vorne 225/40 R18, hinten 245/35 R18. Trotz dieser recht auffälligen Dimension federt der SLK sauber über Unebenheiten. Zugleich nimmt er angenehm neutral schnell gefahrene Kurven und drängt erst richtig spät und dann sehr sanft über die Vorderachse zum Kurvenaußenrand. Einen Heckschwenk verhindern erstens die hohe Traktion und zweitens das nicht deaktivierbare ESP stets zuverlässig.

Zuverlässig ist auch das Stichwort für die Bremsanlage. Dank Sportpaket besitzt auch der 200er 330er-Scheiben statt der sonst üblichen 288er-Pendants. Zur besseren Kühlung und zum Schmutzabtransport sind diese sogar gelocht. So gewappnet steht der Roadster nach exakt 37 Metern, egal, wie warm die Bremsen sind!

Ein nettes Schmankerl ist in jedem Fall die Direktlenkung, die anders als bei den bayerischen Mitstreitern nicht 1.000 Euro und mehr kostet, sondern, ganz untypisch für Mercedes, schon für 315 Euro zu haben ist. Sie hilft vor allem im Stadtverkehr und auf kurvenreichen Strecken, die Lenkarbeit am Volant spürbar zu verringern und lässt zeitgleich Sportwagen-Flair aufkommen.

Auch sonst hat Mercedes nicht an der Ausstattung des Testwagens gespart. Die Stuttgarter packten Extras im Wert von 20.000 Euro rein, viele Extras, die man nicht braucht, wie etwa elektrische Sitzverstellung, Scheibenwischer mit Regensensor und das sündteure (aber zugegebenermaßen sehr geniale) Command-Navigationssystem. Hier sind die sinnvollsten Optionen: Mercedes verlangt für die Klimaanlage unverschämte 1.400 Euro, für verbessertes Klima im Innenraum sorgt auch der geniale Airscarf für fast 500 Euro. Die Kombination aus Leder und Sitzheizung kostet gut 1.700 Euro, ein läppisches Radio fast 900 Mäuse. Schicke 17-Zoll-Alufelgen kosten etwa einen Tausender und für die Fünfstufen-Automatik werden mehr als 2.000 Euro fällig. Macht inklusive SLK 200, der gut 36.000 Euro kostet, 45.000 Zähler.

Nebel- als Abbiegelicht geht gar nicht

Wer jetzt überlegt, sich auch das Bi-Xenonlicht zu gönnen, sollte sich im Klaren darüber sein, das man dann bei eingeschaltetem Licht und Kurvengeschwindigkeiten bis 40 km/h stets mit einem oder auch mal beiden Nebellichtern fährt. Das nutzt Mercedes, wie Skoda beim Fabia, als grundsätzlich hilfreiches Abbiegelicht. Bei einem Auto für 20.000 Euro ist das eine prima Lösung, bei einem Mercedes geht das gar nicht. Echte Empfehlungen sind dagegen die bereits erwähnte Direktlenkung und das Sportpaket für 1.743 Euro.

Über die Verarbeitung und Materialanmutung braucht man glücklicherweise keine Worte zu verlieren. Die Erwartungen werden befriedigt. Zudem ist die Bedienung nach wie vor einfach und das Gesamtarrangement schick und edel. Sogar die Sitze sind einem sportlichen Zweisitzer nun würdig. Saß man im ersten SLK noch auf rutschigen, konturlosen Stühlen, fühlt man sich nun in gut ausgeformten Möbeln bestens aufgehoben.

Fazit

Man kann also davon ausgehen, dass auch der neueste SLK in Würde altern wird. Er ist ein Automobil, gemacht für Jahrzehnte. Er hat keine Schwächen, bis auf die Aufpreispolitik und den gesalzenen Grundpreis. Doch das amortisiert sich beim Wiederverkauf, da der SLK nach wie vor zu den wertstabilsten Fahrzeugen gehört.

Aber die Meisten wollen ihn wahrscheinlich gar nicht verkaufen, wie meine Mutter, deren SLK 200 niemals in der AutoScout24-Börse zu finden sein wird. Der SLK ist und bleibt eben ein echter Klassiker, gemacht für die Ewigkeit oder kurz zumindest bis kurz davor.

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