Erster Test: Porsche 911 Targa Facelift – Der mit dem Schiebedeckel

Es ist schon beeindruckend, welche Modellvielfalt man aus einer Baureihe entwickeln kann. Porsche bietet den 911 als Coupé und Cabrio, mit Heck- und Allradantrieb, mit zwei Motoren und als Turboversion an.

Zählt man noch diverse GT-Versionen hinzu, kommen die Zuffenhausener auf ein Portfolio von über zehn Elfer-Variationen. Derzeit wird die komplette Baureihe sukzessive auf den neuesten Stand gebracht. Nach den Hecktrieblern wurde den Allradversionen das Facelift verpasst, jetzt folgt der Targa. Wenn Sie am Stammtisch erzählen, Sie fahren einen Porsche 911 Targa, ernten Sie sicher großen Respekt. Aber glauben Sie wirklich, Ihre Stammtischbrüder wüssten, was ein Targa genau ist? Targa, das klingt für die meisten nach der großen Welt der Schönen und Reichen. Er kommt von Porsche - und ist teuer. Was sich aber genau hinter dem italienischen Titel verbirgt, ist vielen ein Rätsel.

Dabei ist die Lösung simpel. Der Targa ist der Porsche mit dem Schiebedeckel. Mit dem Glasschiebedeckel, um genau zu sein. Auf Deutsch bedeutet Targa nichts anderes als Schild. Zusätzlich ist der Name auch eine Hommage an das sizilianische Langstreckenrennen „Targa Florio“. Seinen Ursprung hat der Targa übrigens in den 1960er Jahren, als Cabriolets vor allem in den USA in die Kritik gerieten. Sie galten als unsicher und sogar lebensgefährlich, da die Insassen beim Überschlag kaum bis gar nicht geschützt waren.

Aus der Not geboren

Um einem drohenden Verbot offener Autos zu begegnen, konstruierte Porsche einen Sportwagen mit Überrollbügel, wie man ihn aus dem Motorsport kannte. Das Dach sowie die Heckscheibe konnten abgenommen werden und die Passagiere genossen weiter Frischluft-Feeling. Mehr noch war der Targa Ehefrauen-Frisuren-tauglich, da es im Inneren weit weniger zog als in einem Cabrio.

Der aus der Not geborene Targa entwickelte sich schnell zum Liebhaberstück. Die Produktionszahlen waren nie hoch, doch die exklusive Fangemeinde hielt und hält dem Targa stets die Treue. Schließlich ist der Targa-Kunde ein ganz besonderer, wie man bei Porsche nicht ohne Stolz erzählt. Er ist nicht der progressive, rasante Fahrer. Nein, im Targa sitzen Genießer, die gern durch grüne Landschaften gleiten, feines Essen genießen und edle Tropfen dazu trinken.

Nach dem Facelift kommt diese kleine, aber feine Gemeinde auch in den Genuss der vielen Neuheiten, die im Elfer Einzug hielten (target=undefined). Natürlich bekommt auch der Targa die neuen Rückleuchten – und das durchgehende Leuchtenband am Heck. Für den Antrieb sorgen jetzt die beiden neuen Benzindirekteinspritzer und die Automatik wird durch das Doppelkupplungsgetriebe PDK ersetzt.

Blick nach vorn

Doch die technischen Details sind eher nebensächlich. Wer einen Targa kauft, ersteht ein Stück Savoir-Vivre. Profanes wie der Ausflug auf eine Rennstrecke macht der Targa-Fahrer nur selten. Er fährt seinen Elfer lieber auf idyllischen Bergstraßen rund um den Gardasee aus. Ihm reicht es, wenn der serienmäßige Allradantrieb in den Serpentinen für absolute Spurtreue sorgt. Und dass sich das Glasdach beim Öffnen unter die Heckscheibe schiebt und damit die Sicht im Rückspiegel nahezu gänzlich versperrt, stört ihn überhaupt nicht. Ein Targa-Fahrer blickt nicht zurück.

Doch der Targa ist nicht nur schön. Nein, er ist sogar noch praktisch. Lässt sich doch die Heckscheibe separat öffnen und die Lehnen der Rücksitze umklappen. So können kleinere Gepäckstücke problemlos im Fond deponiert werden – denn sitzen will da nicht wirklich jemand. Doch die Kinder des Targa-Fahrers sind ja auch schon längst aus dem Haus. Und auf Praxisnutzen kommt es eigentlich auch nicht an.

Technische Daten
Marke und Modell Porsche 911 Targa 4 Porsche 911 Targa 4 S
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe in mm 4.435 / 1.852 / 1.310 4.435 / 1.852 / 1.300
Radstand in mm 2.350 2.350
Wendekreis in m k. A. k. A.
Leergewicht in kg 1.530 1.540
Kofferraum in l 105 105
Bereifung Testwagen 235/40 ZR 18 (vorn), 295/35 ZR 18 (hinten) 235/35 ZR 19 (vorn), 305/30 ZR 19 (hinten)
Motor
Hubraum in ccm 3.614 3.800
Leistung in PS 345 bei 6.500 U/min 385 bei 6.500 U/min
Drehmoment in Nm 390 bei 4.400 U/min 420 bei 4.400 U/min
Verbrauch
Kombiniert laut Werk l/100km 10,6 11
CO2-Emissionen in g/km 249 259
AS24-Verbrauchsrunde in l/100km k. A. k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h in s 5,2 4,9
AS24-Sprint 0-100km/h in s k. A. k. A.
AS24-Stop 100-0km/h in m k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit in km/h 284 297
Preise
in € ab 97.907 108.855
AS24-Extra-Empfehlung 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe PDK 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe PDK
VergrößernVerkleinern
## Fazit
Auf was kommt es denn dann an? Es muss der Mythos sein, der den Targa Begehrenswert macht. Denn nüchtern betrachtet ist er überflüssig – vor allem als eigenes Modell. Wer über 100.000 Euro ausgeben und an der frischen Luft sitzen will, greift zum Cabrio. Die sind mittlerweile so sicher, dass die Frisur auch nach dem Überschlag noch sitzt. Und wer die Zugluft nicht mag, kauft das klassische Elfer-Coupé.

Vielmehr könnte Porsche einfach gegen Aufpreis ein Panorama-Schiebedach für den Elfer anbieten. Denn nichts anderes ist der Targa. Doch ob sich damit die jährlich rund 2.500 Targa-Kunden zufriedenstellen lassen, ist fraglich. Porsche 911 Targa klingt schließlich viel schöner als Elfer mit Glasschiebedach.

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