Erster Test: Porsche Boxster – Für Dich, Schatz

Als Hausfrauen-Porsche wurde der Boxster bei seinem Marktstart 1996 verhöhnt. Bis heute wehrt sich der Stuttgarter Autobauer gegen diese Unterstellung, doch in der Tat sieht man vorwiegend junge Damen – und solche, die gerne noch jung wären – hinter dem Steuer des Roadsters.

Im Februar startet die Neuauflage des beliebten Hochzeitsgeschenks.
Für Ihn den Elfer, für Sie den Boxster. So dürfte es in vielen Garagen wohlhabender Ehepaare aussehen und so wundert es keinen, dass Porsche die überarbeitete Version der zweiten, seit 2004 gebauten Boxster-Generation ausgerechnet am Valentinstag zu den Händlern stellen will. Falls dem ein oder anderen Herren also noch die passende Geschenk-Idee für den 14. Februar fehlt – bitte sehr.

Kein Grund zum Verstecken

Doch tut man nicht beiden, dem Boxster und seinen Fahrerinnen, unrecht, wenn man die jüngste Ausbaustufe des ausschließlich als Roadster erhältlichen Zweisitzers salopp als Hausfrauen-Porsche degradiert? In der Tat, das tut man, denn der soeben auf Sizilien vorgestellte Sportwagen braucht sich nicht wirklich hinter seinem großen Bruder, dem Elfer, zu verstecken.

Sicher: Porsche, das heißt in erster Linie 911er, und nicht wenige der bislang über 260.000 Boxster-Käufer werden sich haben rechtfertigen müssen, warum es denn nicht für einen „richtigen“ gereicht hat. Doch gerade in finanziell schwierigen Zeiten werden wohl einige froh sein, sich zumindest den Kleinen noch leisten zu können. Denn mit mindestens 46.000 Euro ist auch der Boxster kein Schnäppchen und der potentere Boxster S fängt gar erst bei 55.700 Euro an.

Geschärfte Optik

Optisch wurde der Zweisitzer nur leicht überarbeitet, geschärft würde man wohl in Fachkreisen sagen. Neu ist zum Beispiel das vom Elfer bekannte LED-Tagfahrlichband unter den Bi-XenonHauptscheinwerfern, welche jetzt auf Wunsch auch um die Kurve leuchten. Besonders stolz zeigt sich Designer Matthias Kulla auf die neuen Heckleuchten. Nicht nur, dass deren „untere Kontur ein Spiegelbild des Schwungs über den Kotflügel“ ist, nein, dank moderner LED-Technik lässt sich diese Kontur erstmals auch bei Nacht abbilden. Schön sehen sie jedenfalls aus…

Technische Daten
Marke und Modell Porsche Boxster Porsche Boxster S
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.343 / 1.801 / 1.292 4.343 / 1.801 / 1.294
Radstand (mm) 2.415 2.415
Wendekreis (m) 11,1 11,1
Leergewicht (kg) 1.335 1380
Kofferraum (Liter) 280 280
Bereifung Testwagen VA: 205/55 ZR 17, HA: 235/50 ZR 17 VA: 235/40 ZR 18, HA: 265/40 ZR 18
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 2.893 / 6, Boxer 3.436 / 6, Boxer
Leistung (PS) 255 310
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 290 / 4.400 - 6-000 360 / 4.400 - 5.500
Kombiniert laut Werk (l/100km) 9,1 (PDK) 9,4 (PDK)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 221 / Euro 5 221 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k. A k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 5,9 5
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 263 272
Preise
ab (Euro) 46.142 58726
Empfohlene Extras Porsche Doppelkupplungsgetriebe (2.945 Euro), Sport-Chronopaket (1.094 Euro), Sportabgasanlage (1.915 Euro), Klimaautomatik (464 Euro), Tempomat (440 Euro), Sitzheizung (416 Euro), Quersperre an der Hinterachse (1.130 Euro) Sport-Chronopaket (1.094 Euro), Sportabgasanlage (1.915 Euro), Klimaautomatik (464 Euro), Tempomat (440 Euro), Sitzheizung (416 Euro)
VergrößernVerkleinern

Wie beim großen Bruder halten nun auch im Boxster neue Motoren Einzug. Die nach bewährter Boxer-Manier gebauten Sechszylinder legen nicht nur eine höhere Leistung an den Tag, sondern sollen sich darüber hinaus – trotz gewachsenem Hubraum – beim Spritkonsum zurückhaltender zeigen.

Die Frage, ob es gerade im Hinblick auf den Verbrauch nicht zielführender gewesen wäre, Leistung und Hubraum zu reduzieren – wir sprechen immerhin von mindestens 255 PS – wollen wir an dieser Stelle mit dem gleichen Schmunzeln unbeantwortet lassen, wie es die Porsche-Pressestelle tat.

Boxster S mit Direkteinspritzung

Fakt ist, im Porsche Boxster verrichtet fortan an ein hochmodernes 2,9-Liter-Aggregat seinen Dienst und katapultiert ihn in 5,9 Sekunden auf Tempo 100. 0,6 Sekunden schneller fällt die Marke im Boxster S, dessen neuer Motor mit Benzindirekteinspritzung – die dem „normalen“ wohl aus finanziellen Gründen vorbehalten blieb – aus jetzt 3,4 Liter Hubraum 310 PS schöpft. Das Drehmoment stieg hier wie da um rund 20 Newtonmeter auf 290 beziehungsweise 360 Newtonmeter, die jeweils ab 4.4000 Umdrehungen bereit stehen und bis mindestens 5.500 Touren konstant anliegen.

Ob man dem Boxster S, der für unsere Testfahrten bereit stand, seine 15 PS Mehrleistung tatsächlich anmerkt, sei dahingestellt. Doch spielt das eine Rolle bei einem solchen Meisterstück deutscher Motorenbaukunst? Nein, sicher nicht! Ohne Verzögerung setzt das neue Aggregat den Wunsch des Fahrers nach Beschleunigung in die Tat um, mit spielerischer Leichtigkeit schnellt die Nadel des Drehzahlmessers nach oben und der Boxster nach vorne. Hier zahlt sich auch der konsequente Leichtbau aus, nicht einmal 1,4 Tonnen bringt der Stuttgarter auf die Wage.

Kraftvolle Komposition

Das Beschleunigen – der Boxser schafft maximal 260 km/h, der S nochmal zehn mehr – geschieht derart mühelos und selbstverständlich, dass es die Klangingenieure wohl für nötig hielten, durch einen voluminösen, kernigen Motorsound zu unterstreichen, welche Kräfte gerade freigesetzt werden. Und wer sich für die Sportabgasanlage inklusive einem Doppelendrohr aus Edelstahl entscheidet, kann den Sound per Tastendruck sogar noch intensivieren. Am besten dringt das aus Ansaug-, Motor- und Abgasgeräusch komponierte Konzert natürlich bei geöffnetem Verdeck an Fahrer- und Beifahrers Ohr.

Nach wenigen Sekunden ist das nicht einmal 28 Kilogramm schwere Stoffdach hinter den Sitzen zusammengefaltet und verstaut, und das auch noch bei Tempo 50. Plötzliche Regenbrüche während man gemütlich durch die Stadt gondelt – ja, auch das kann der Boxster – verlieren damit ihren Schrecken. Ein Druck aufs Knöpfchen reicht, und die Stoffhaube spannt sich ebenso schnell wieder schützend über die Häupter der Passagiere.

Für Große wird‘s eng

Selbige sitzen im Boxster gewohnt tief und auf Super-Sitzen äußerst kommod. Nur die extra zu bestellenden Sport-Schalensitze für knapp 4.000 Euro sollten sich größere Fahrer schnell aus dem Kopf schlagen. Sie bringen ihnen vor allem Rückenschmerzen. Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass sich Menschen über 1,90 Meter Körpergröße im Boxster generell etwas eingeengt fühlen.

Erstaunlich viel Platz bleibt dagegen fürs Gepäck. Wie gehabt verfügt der Mittelmotor-Sportler über zwei Kofferräume, die es zusammen auf ein Volumen von 280 Litern (150 vorne, 130 hinten) bringen, bei offenem wie geschlossenem Verdeck. In der Praxis heißt das, dass dem verlängerten Wochenende zu zweit nichts im Wege steht.

Super austariert

Doch zurück zu den Fahreigenschaften. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk folgt der Sportwagen den Richtungsvorgaben des angenehm straffen und gegen 200 Euro Aufpreis beheizbaren Lenkrads. Hier spielt das Mittelmotorkonzept mit einer 54:46 Gewichtsverteilung zwischen Hinter- und Vorderachse seinen großen Trumpf aus und beschert dem Boxster dank seines tiefen, mittigen Schwerpunkts ein nahezu neutrales Fahrverhalten.

Was nicht heißt, dass der Porsche nicht auch anders kann. Wer es beherrscht, kann mit einem gezielten Gasstoß das Heck zum tänzeln bringen - gut kontrollierbar wohlgemerkt. Für maximale Traktion an den Antriebsrädern sorgt dagegen die optional bestellbare Quersperre an der Hinterachse für 1.130 Euro. Selbst bei schärfsten Kritikern dürfte damit der Schrei nach einem Allradantrieb verstummen.

Mit dem neuen Modelljahr bietet Porsche jetzt auch im Boxster das aus dem Elfer bekannte Doppelkupplungsgetriebe PDK (rund 3.000 Euro) an, dass jede Wandlerautomatik in den Schatten stellt und wohl die meisten Handschalter-Fans bekehren dürfte. In atemberaubender Geschwindigkeit wechselt das System die Gänge, wählt die nächste Fahrstufe vor, überspringt diverse Zahnräder und gibt beim Runterschalten mitunter herzhaft grollend Zwischengas.

Einflussnahme

Nur sehr geübte Fahrer dürften mit dem jetzt serienmäßigen, manuellen Sechsgang-Getriebe eine annähernd ähnliche Präzision und Geschwindigkeit an den Tag legen. Und selbst die Verfechter händischer Gangwechsel kommen mit dem PDK auf ihre Kosten. Sowohl per Wahlhebel als auch mittels Lenkradtasten können sie selbst nach Lust und Laune aus dem 7-Gang-Menü wählen.

Einfluss auf das Fahrverhalten kann auch nehmen, wer sich für das gut 1.100 Euro teure Sport-Chrono-Paket entscheidet. In Kombination mit PDK und PASM, dem adaptiven Dämpfersystem, halten zwei Tasten unter dem neuen Touchscreen-Entertainment-und-Navigations-System (3.000 Euro) im Cockpit Einzug. Über die Sport-Taste können Gaspedalkennlinie, das Ansprechverhalten des Stabilitätsprogramms PSM, die Dämpfereinstellung und das Schaltschema des PDK beeinflusst und gestrafft werden.

Maximal-Schnell

Noch extremer wirkt sich das Drücken der Sport-Plus-Taste aus: Das Fahrwerk wird bretthart, die Gänge werden bis zum Bregenzer ausgedreht und de Gasannahme erfolgt noch bissiger. In diesem Modus steht auch die Launch-Control zur Verfügung, ein Rennstart-Programm, das Starts mit maximaler Beschleunigung erlaubt – angeblich ohne Materialverluste

Das solche Starts einem niedrigen Spritverbrauch nicht zuträglich sind, weiß jeder. Und so werden nur äußerst gesittete Fahrer die veranschlagten Werte von 9,4 beziehungsweise 9,8 Liter je 100 Kilometer erreichen - jeweils mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe. Wer sich für das PDK entscheidet, soll mit dem Boxster sogar nur 9,1 Liter und mit dem Boxster S nur 9,4 Liter benötigen. Proportional zum Fahrspaß steigen diese Werte aber auch gern an…

Fazit

Für dich Schatz! Über diesen Satz, verbunden mit der Übergabe eines schick eingepackten Boxster-Schlüssels, werden sich die Damen der Wahl zukünftig noch mehr freuen, als bisher. Allerdings wird ihnen ihr Wagen sicher auch häufiger Streitig gemacht, als bisher. Denn der neue Boxster kann alles besser als sein Vorgänger. Er sieht schicker aus, er hat mehr Leistung, ein nochmals verbessertes Fahrverhalten und die Bedienung ist dank des neuen Touchscreen-Systems noch einfacher geworden.

Klar, Kritikpunkte finden sich immer, wie etwa der trotz Reduzierung nach wie vor hohe Spritkonsum, dem man durch einen kleineren Motor mit Turboaufladung etwa hätte entgegen wirken können. Doch wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul…

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Porsche 718 Boxster T: Get out and drive!

Gran Finale: Der Porsche 911 Speedster im Fahrbericht

Sportwagen mit Rucksack: Der Porsche Panamera GTS Sport Turismo im Test

Mehr anzeigen