Erster Test: Renault Clio Facelift – Ein Ganz Toller

Der Renault Clio gehört zu den erfolgreichsten Kleinwagen. Seit 1990 haben die Franzosen rund zehn Millionen Clios an den Mann und vor allem die Frau gebracht.

Das Facelift-Modell überrascht mit adrettem Familiengesicht, sauberem Materialmix im Interieur und einem neuen Motor in Kombination mit der GT-Version.
Auch nach dem Facelift zeigt sich die Clio-Modellpalette generös. Nicht weniger als drei Karosserievarianten (Zweitürer, Viertürer und Kombi) acht Motoren (68 bis 201 PS im Clio RS), vier Getriebe, und sechs Ausstattungslinien stehen für Entscheidungsfreudige parat. Da wird einem die Wahl nicht unbedingt leicht gemacht. Zumal sich die Empfehlungsliste nicht unbedingt auf ein spezielles Modell herunterbrechen lässt.

Sport-Sauger

Wir sehen uns speziell den einzig wirklich neuen Motor im Clio an. Hierbei handelt es sich um den Sechszehnhunderter Benziner, der schon den Twingo RS frivol vorantreibt. Im Clio leistet der Vierzylinder 128 PS und damit fünf Zähler weniger als im stärksten Twingo. Eine gute Basis, um einerseits flott andererseits ökonomisch von A nach B zu kommen. Das sollte man meinen. Aber: Der sehr laufruhige 1,6 Liter erinnert von seiner Leistungsentfaltung eher an eine Luftpumpe. Man drückt wie ein Irrer hinten drauf (in dem Fall auf das Gaspedal) und vorne (also im Motor) kommt lediglich ein „pfffft“ an. Wo ist bitte die Leistung geblieben?

Gefühlt fährt da der 1.2-100-PS-TCe besser. Der hat trotz Leistungs- und Hubraumdefizit (aber dank Turbolader) nur zehn Newtonmeter weniger Drehmoment als der GT-Saug-Motor, der erst ab 4.000 Touren aufzuwachen scheint. Dabei sehen die 9,3 Sekunden für den Sprint gut aus, zumindest auf dem Papier. Außerdem ist bei 190 km/h Schluss. Trotz gut abgestuften und angenehm schaltbarem Sechsgang-Getriebe. Als Beispiel: Der deutlich schwerere und größere Renault Mégane TCe 130 mit ebenfalls 130 PS beschleunigt ähnlich schnell und toppt den Clio in der Endgeschwindigkeit um zehn km/h. Zudem verbraucht der große Renault mit 6,5 Litern 0,4 Liter weniger als der Clio GT. Grund dafür hat unter anderem der im Mégane eingebaute 1,4-Liter-Turbo-Benziner, der laut Renault nicht in den Clio passt. Schade, denn dieser rund 200 Newtonmeter starken Turbomotor würde perfekt zum GT passen. Ein weiteres Manko, das aber alle Clio-Motoren teilen: keiner der acht Motoren erfüllt derzeit die Euro-5-Norm.

So und nicht anders

Für die etwas farblosen Motoreigenschaften entschädigt das grandiose Fahrwerk. Der GT besitzt im Vergleich zu seinen Standard-Brüdern ein sanft gestrafftes Set-Up. Die Querstabis wuchsen um 1,5 Millimeter, um die Seitenneigung zu verringern und den Kurvengrip zu verbessern. Die Dämpfer sind um 15 Prozent steifer ausgelegt als bei den anderen Clio-Versionen.

Die Gratwanderung aus Sportlichkeit und Komfort trifft den Nagel auf den Kopf. Anders als beispielsweise ein Ford Fiesta oder der VW Fox ist der Clio GT weder zu straff und zu direkt, noch zu weich und ungelenk. Er federt äußerst sanft an, um dann bei gröberen Fahrbahnschäden progressiv zu verhärten. Dank griffigem Lederlenkrad und ausreichend exakter Verbindung zur Straße ist die Lenkpräzision für Renault-Verhältnisse ziemlich gut gelungen. Verbesserungspotenzial gibt es hier – im Gegensatz zum Fahrwerk – allerdings schon.

GT heißt aber nicht nur sportlich-komfortables (also im besten Gran-Turismo-Sinne) Fahrwerk, auch das Design wurde versportlicht. Mit dabei sind eine markantere Front- und Heckschürze, dunkel eingefärbte Scheinwerfer-Gehäuse, Seitenschweller, ein klangloser Doppelauspuff und silber lackierte Spiegelkappen. Ein spezielles Felgen-Design mit 195/50 R16-Bereifung rundet den Sport-Auftritt ab.

Fantastische Sitze

Der Innenraum empfängt die Passagiere mit exzellenten Sportsitzen, die wir uns für alle Clio-Modelle als Option wünschen. Bester Seitenhalt gepaart mit guter Langstreckeneignung und hervorragenden Einstellmöglichkeiten. Zwei Haken hat die Sache: Erstens ist die Sitzfläche – wie bei so vielen Autos – zu kurz und zweitens lässt sich das Lenkrad nur in Höhe und Weite verstellen, wenn man das Handsfree-Paket (unter anderem mit schlüssellosem Fahrzeug-Zugang) für rund 500 Euro ordert. Aufgrund von Logistik-Problemen ist diese Zwangskombination laut Renault Marketingprofi Marc Osseux unumgänglich. Empfehlung: Probesitzen und selbst urteilen, ob die Längsverstellung notwendig ist.

Ansonsten erfreut die Insassen das Armaturenbrett mit einer hochwertigen Anfass-Qualität (nicht in der Basisversion mit 75-PS-Benziner oder 68-PS-Diesel und im RS-Cup, da dominiert Hartplastik). Die weichen Materialien schmeicheln den Händen, das Design den Augen. Aber auch hier gibt es ein Aber: Die Mittelkonsole ist – typisch Sportmodell – mit silbernem Plastik tapeziert. Leider, denn das Plastik sieht in diesem Fall auch danach aus. Dabei können es die Franzosen besser, wie sie in den hochwertigen Ausstattungslinien mit dunkel lackierten Flächen beweisen. Das Platzangebot des gut vier Meter langen Kleinwagens ist klassenüblich. Mehr braucht es nicht – selbst für eine dreiköpfige Familie.

Preiswert

Der Renault Clio GT ist einzig und allein mit einem Motor und einem Getriebe für mindestens 16.300 Euro bestellbar. Mit an Bord sind Klimaautomatik, Tempomat, dunkel getönte hintere Scheiben, Alufelgen, Sport-Leder-Lenkrad und Sportsitze mit Lendenwirbelstütze, MP3-CD-Radio, aktives Kurvenlicht, ESP und sechs Airbags. Als Empfehlung gelten das höherwertige Radio mit Lenkrad-Fernbedienung (plus 350 Euro) inklusive Bluetooth Freisprech-Einrichtung und die beheizbaren Frontsitze für weitere 200 Euro.

Wer bis Ende August 2009 bestellt, erhält zudem das integrierte Navisystem Carminat TomTom im Wert von 500 Euro kostenlos dazu. Der Clio-Viertürer kostet 800 Euro mehr, der Grandtour genannte Kombi steht für nochmals 900 Euro zusätzlich vor der eigenen Haustür, allerdings nie als GT. Zu erwähnen ist, dass ein identisch ausgestatteter 1.2 TCE Dynamique lediglich 700 günstiger ist, ihm dann aber immer noch die Anbauteile, die Sport-Sitze und einige andere Details fehlen, ganz abgesehen von der Mehrleistung.

Technische Daten
Marke und Modell Renault Clio 1.6 16V Renault Clio 1.2 Tce Renault Clio 1.5 dCi
Ausstattungsvariante GT Dynamique Luxe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.032 / 1.720 / 1.497 4.032 / 1.720 / 1.497 4.032 / 1.720 / 1.497
Radstand (mm) 2.575 2.575 2.575
Wendekreis (m) 11,3 10,7 10,7
Leergewicht (kg) ab 1.215 ab 1.165 ab 1.275
Kofferraum (Liter) 288 bis 1.038 288 bis 1.038 288 bis 1.038
Bereifung Testwagen 195/55 R16 185/60 R15 185/60 R15
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.598 / 4, Reihe 1.149 / 4, Reihe 1.461 / 4, Reihe
Leistung (PS) 128 100 86
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 155 bei 4.250 145 bei 3.000 220 bei 2.250
Antriebsart Front Front Front
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe manuelles 5-Gang-Getriebe manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Super Super Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,9 5,8 4,7
CO2-Emissionen (g/km) 160 137 124
AS24-Verbrauch (l/100km) k. A. k. A. k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 9,3 11 13,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A. k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 190 183 174
Preise
ab (Euro) 16.300 14.600 18.200
Empfohlene Extras Sitzheizung vorne (200 Euro), Radio mit Bluetooth-freisprech-Einrichtung (350 Euro), vier Türen (800 Euro) Tempomat mit Regen- und Licht-Sensor (300 Euro), Klang & Klima-Paket (300 Euro) keine
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## Fazit
Das Facelift des Renault Clio hat sicht- und spürbar gut getan. Die modernisierte Front gefällt besser als das mit Nüstern durchsetzte Alt-Gesicht des Vorgängers, die inneren Qualitäten haben sich ab der zweiten Ausstattungslinie deutlich verbessert. Das Fahrwerk des GT ist spitzenmäßig, der Saug-Motor dagegen eine Luftpumpe. Das Preis-Leistungsverhältnis ist dennoch erstklassig. Wir würden uns aber über einen 115-PS-Diesel-GT oder einen Turbobenziner freuen, dann wäre das GT-Paket perfekt. Dank der Vielzahl an Motoren und Ausstattungen dürfte aber auch so für jeden Kleinwagenfreund etwas dabei sein.

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