Skoda Octavia Combi iV im Test: Der beste PHEV im VW-Konzern?

Der Skoda Octavia Combi iV im Überblick
Stärken
- - Souveräne Motorisierung
- - Sehr hohes Komfortniveau
- - E-Reichweite mit lockeren 50 Kilometern
- - Langstrecken-Benzinverbrauch erfreulich gering
Schwächen
- - Hoher Einstiegspreis
- - Teils teure Sonderausstattungen
- - Bedienung des Infotainments verbesserungsfähig
Abseits von Stammtisch-Argumenten
Wenn man den Skoda Octavia Combi iV (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,1 l/100km; Stromverbrauch kombiniert: 14,4 kWh/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 24 g/km²) zum Leasingende mit eingeschweißtem Ladekabel wieder zurückgibt, dann ist man selbst schuld. Denn – wenn man dem lautesten Stammtisch-Argument gegen Plug-in Hybride entspricht – dann entgeht einem der vielleicht beste Antrieb der Golf-Klasse diesseits der 300 PS-Elite.
Das iV macht aus dem Skoda Octavia Combi einen echten Gleiter
Die 110 kW/150 PS aus dem vermeintlich alten 1,4-Liter-TSI mit vier Zylindern in Kombination mit dem ebenfalls in die Jahre gekommenen 6-Gang-DSG wirken auf den ersten Blick enttäuschend. Doch der Schlüssel liegt in den 330 Newtonmetern, die der Elektromotor zuliefert. Dank seiner ansatzlosen Kraft wird der Benziner bestens unterstützt, besonders im Sport-Modus fühlt es sich nach deutlich mehr als den 150 kW/204 System-PS an.
Meist fährt der Skoda Octavia Combi iV allerdings sogar gemütlich rein elektrisch. Denn entgegen der RS-Variante wurde der kleine iV voll auf Effizienz getrimmt. Die etwas mehr als elf nutzbaren Kilowattstunden der brutto 13 kWh fassenden Batterie sorgen im frühlingswarmen Alltag jederzeit für mehr als 50 Kilometer lautloses Fahren. Auch auf der Langstrecke setzt der teilelektrische Kombi die Elektronen sinnvoll ein und nutzt jede sinnvolle Situation zum Segeln, Rekuperieren oder Boosten.
Am Ende landeten wir bei einem kombinierten Testverbrauch von 5,1 Litern Super E10 auf 100 Kilometer plus rechnerischen 7 kWh auf 100 km zusätzlichem Strom-Boost. In der Vergleichsrechnung kann man also nochmal einen guten Liter Benzin hinzuaddieren für die anfallenden Stromkosten und die entstehenden Ladeverluste. Doch selbst mit dieser Verrechnung steht der Skoda Octavia Combi iV erstaunlich gut da, selbst gegen einen Diesel.
Der Fahrkomfort liegt deutlich über dem Klassenüblichen
Nicht nur in Sachen Verbrauch und Antritt, vor allem im gesamten Auftritt weiß der Skoda zudem zu überzeugen. Hier kommt die geballte Kompetenz von Volkswagen zum Vorschein und der Vorteil, wenn man die Entwicklungskosten für einen Baukasten gleich auf mehrere Marken umlegen kann. Denn die aktuelle Entwicklungsstufe der MQB-eigenen Hybridplattform kann als die ausgereifteste am Markt gelten.
Keine Umschaltverzögerungen, kein ruckeln, selbst die Wahl des Drehzahlfensters für den Verbrenner passt jederzeit. Ruhig, wenn er ruhig sein soll und hochdrehend, wenn es schnell vorwärts gehen soll. Eine Diskrepanz zwischen Geräuschniveau und Gaspedalstellung, wie man sie von der Konkurrenz häufig kennt, sind dem Skoda Octavia Combi iV völlig fremd.
Wer dazu die richtigen Kreuze in der Aufpreisliste setzt, der erntet einen Fahrkomfort deutlich über dem Klassenüblichen. Damit meinen wir etwa die Isolierdoppelverglasung, die feinen ergonomischen Ledersitze und das Canton-Soundsystem. Nicht zu vergessen: Die kleinen 17-Zoll-Räder. Denn mit ihren hohen Flanken sorgen sie für eine Eigendämpfung, die dem kommoden Charakter des großen Skoda sehr entgegenkommen.
Eine Option für die Familie, die es sich leisten kann
Die restlichen Qualitäten der neuen Octavia-Generation bleiben beinahe alle auch beim teilelektrischen iV bestehen. Einzig der Kofferraum schrumpft batteriebedingt auf ein Fassungsvermögen von 640 Liter auf 490 Liter. Dennoch bietet er ausreichend Raum für sperriges Gepäck wie Kinderwagen und Co.
Auch die Bewegungsfreiheit in den Reihen eins und zwei liegen über dem, was in der Golf-Klasse sonst Standard ist. Gleiches gilt für die Verarbeitungsqualität und die verwendeten Materialien. Erstaunlicherweise fühlte sich unser Testwagen an vielen Stellen sogar besser an, als es Seat Leon oder Golf 8 in der Vergangenheit taten. Auf den Touch-Lichtschalter verzichtet Skoda beispielsweise bewusst und stattet den Octavia weiterhin mit dem ergonomisch besseren Drehschalter aus.
Kein günstiges Vergnügen
Am Ende summiert sich das Gebotene allerdings auch zu einer hohen Summe. Mindestens 38.230 Euro werden für den Skoda Octavia Combi iV in der Ambition-Ausstattung fällig, die nobleren Varianten sind entsprechend teurer. Für ein Exemplar wie das getestete werden schnell 50.000 Euro fällig. Da hilft dann auch die Förderprämie nur noch wenig im Vergleich mit einem normalen Verbrenner.
Spannend allerdings wird es für Dienstwagenfahrer und die 0,5-Prozent-Versteuerung. In diesem Fall kann der iV schnell deutlich günstiger sein als der vergleichbare Diesel oder Benziner.
Fazit
Der Skoda Octavia Combi iV überrascht positiv. Entgegen aller Vorurteile präsentiert er sich als zeitgemäße und moderne Alternative, die auch in der 204 PS-Variante für souveränes Fahren sorgt. Wer die richtigen Extras ordert, der wird sogar mit oberklassigem Fahrkomfort belohnt und bleibt im Preis dennoch im Rahmen. (Text und Bild: Fabian Mechtel)
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