Vergleichstest: Skoda Octavia vs. VW Passat – Mittel oder Klasse?

Betrachtet man die nackten Zahlen, mag der Vergleich noch immer hinken. Ist der Passat (4,76 Meter) doch satte 19 Zentimeter länger - und auch neun Zentimeter breiter. Stehen die beiden Kontrahenten nebeneinander, fällt der Größenunterschied nicht mehr so ins Gewicht. Die langen Karosserieüberhänge des Passat „verkürzen“ optisch den Radstand, wodurch der Wolfsburger insgesamt kleiner wirkt als er ist. Das Styling ist in beiden Fällen konservativ-elegant: Der Passat ist eine klassische Stufenhecklimousine, der Octavia eine typische Fließhecklimousine.
In Sachen Übersichtlichkeit, vor allem nach hinten, hapert es bei beiden. Hier wie da ist eine Einparkhilfe empfehlenswert. Im Skoda ist sie serienmäßig, aber dazu später mehr.
Sitzen bleiben
Das Platzangebot ist in beiden Fahrzeugen sehr gut. Schon im schmaleren Octavia, der zudem einen deutlich kürzeren Radstand aufweist (14 Zentimeter weniger) zwickt oder zwackt es nirgends. Vier Erwachsene auf Langstrecke: Kein Problem, denn Bein- und Kopffreiheit sind 1a. Und der deutlich größere Passat? Einfach riesig, vor allem aber breiter. Hier lassen sich ohne Scham auch drei Erwachsene auf die Rückbank packen. Praktische Ablagen bieten beide zahlreich, wobei beim Passat das Schirmfach in der Fahrertür und beim Octavia das Klappfach auf dem Armaturenbrett besonders auffallen.
Für die große Reise sind ebenfalls beide wie geschaffen: Regulär 565 Liter fasst der Passat-Kofferraum, nicht minder beeindruckende 560 Liter der Octavia. Selbst Oberklasselimousinen vom Schlage eines BMW 7er (500 Liter) können da nicht mithalten. Sinnvoll: Hier wie dort ist ein mit Kunststoff ausgekleideter doppelter Ladeboden vorhanden, der etwa schmutzige Schuhe aufnimmt. Allerdings ist der Fließheck-Skoda mit seiner großen und weit aufschwingenden Klappe praktischer zu beladen.
Das Flair im Innenraum könnte unterschiedlicher kaum sein. Luftig und hell geht es im modern gestalteten Passat zu, fast schon altbacken dagegen im Octavia. Doch hinsichtlich der Material- und auch der Verarbeitungsqualität braucht sich der Tschechien-Import keineswegs hinter „deutscher Wertarbeit“ verstecken.
Im Herzen gleich
Wie nah sich die Konzern-Geschwister sind, wird beim Blick unter die Motorhauben klar. Hier treibt der gleiche Motor, ein 1,6-Liter-Vierzylinder-FSI mit 115 PS, die Vorderräder an. Einziger Unterschied: der Skoda-Fahrer muss sich mit fünf Gängen begnügen, wogegen im VW serienmäßig ein 6-Gang-Getriebe verbaut ist. Letzteres arbeitet zwar wunderbar exakt und leichtgängig, ist aber zu kurz abgestuft. Die Folge: Im Stadtverkehr ist man ständig am Schalten. Sogar auf der Autobahn ist das Drehzahlniveau stets höher als im Skoda. Beispiel 160 km/h: Im Octavia dreht der Vierzylinder im fünften Gang ca. 4.600 U/min, im Passat 4.800 Touren - im sechsten Gang. Das bedeutet nicht nur einen geringfügig höheren Spritverbrauch, sondern auch ein höheres Geräuschniveau.
Ohnehin ist der Benzindirekteinspritzer ein brummiger Zeitgenosse. Auch tut er sich merklich schwer mit den jeweils gut 1,4 Tonnen (inkl. Sonderausstattungen) Lebendgewicht. Die reinen Fahrleistungen entsprechen sich bis auf Nuancen, doch tritt der Skoda subjektiv ein Quäntchen spritziger auf. Und agiler im Handling. Grundsätzlich sind beide untersteuernd ausgelegt, doch wirkt der Octavia leichtfüßiger und weniger kopflastig. Beim Fahrkomfort dagegen ist der Passat unschlagbar. Noch souveräner und vor allem leiser steckt er selbst übelste Fahrbahnunebenheiten weg.
23.400 Euro kostet der Passat 1.6 FSI in der günstigsten Ausstattungsvariante Trendline (inkl. Klimaanlage). Der Ocatvia 1.6 FSI startet bei unter 20.000 Euro. In der von uns gefahrenen Topausstattungslinie Elegance (nahezu Vollausstattung, u.a. inkl. elektrische Fensterheber 4-fach, Klimaautomatik, CD-Radio, Parksensoren hinten, Leichtmetallfelgen) kostet er 21.190 Euro. Bemüht man den Rechenblock und bringt die beiden Kontrahenten auf ein einigermaßen vergleichbares Ausstattungsniveau, wächst der Preisunterschied auf über 5.000 Euro an.
Fazit
VW Passat wie Skoda Octavia sind große und artige Familienautos. Der Platzvorteil des Passat ist fühlbar, allerdings nicht so immens, wie es die Klasseneinteilung und der deutliche Preisunterschied suggerieren. Mehr Fahrspaß bietet sogar der agilere Octavia, mit dem der 1,6-Liter-FSI weniger Mühe hat. In Sachen Komfort ist der sänftengleiche Passat dagegen nicht zu schlagen.
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