Erster Test VW ID.3 Neo (2026): Alles wird gut!

Der neue VW ID.3 Neo auf einen Blick
Was uns gefällt
Schalter, überall Schalter. Und natürlich der Retro-Modus.
Was wir vermissen
Den ID.3 Neo GTI.
Perfekt wenn man ...
... jetzt auf ein E-Auto umsteigen will.
Die Alternativen
VW ID. Polo, Kia EV3, MG4, Tesla Model 3 (Basis)
Stärken
- Durchdachtes Bedienkonzept
- Hochauflösende Displays
- Gute Grundausstattung
Schwächen
- Basis mit niedriger Ladeleistung
- Keine Dach- und Anhängelast
- Weiterhin kein Frunk
ID.Polo und ID.3 Neo sind zum Erfolg verdammt
Viele Möglichkeiten bleiben ihnen in Wolfsburg nicht mehr, um das Ruder herumzureißen. Der neue Volkswagen ID. Polo (bald mehr dazu) aber auch der hier gefahrene ID.3 Neo müssen laufen wie das sprichwörtliche „geschnitten Brot“. Blicken wir zurück auf die Anfänge des ID.3, waren diese ab 2020 nicht sonderlich glorreich. Aussehen, Materialanmutung, Software - vieles war nicht das Gelbe vom Ei. Nun, sechs Jahre später, folgt der harte Turnaround mit dem Neo, der nicht einfach bloß ein Facelift sein will.
Neue Software, alte Probleme?
Vielmehr wurde der Innenraum einmal komplett erneuert, nahezu alle bisherigen Kritikpunkte wurden nach explizitem Kundenwunsch abgearbeitet und beseitigt. Dieser lautete vor allem: Rückkehr zu haptischen Bedienelementen. Vier physische Fensterhebertasten für den Fahrer, ein Lenkrad mit Knöpfen statt Touch-Klimbim und ein Infotainment-Screen samt Software, der endlich ein vollendeteres Benutzererlebnis bietet. Okay, der Testwagen beim German Car of the Year Award Event im hessischen Alsfeld brauchte ein paar Minuten, ehe sich alle Bits und Bytes versammelt hatten. Dann lief das System allerdings flott und stabil - die neuen Retro-Anzeigen im 10,25 Zoll großen Fahrerdisplay haben wir direkt zu unserem neuen Lieblingsspielzeug im Volkswagen auserkoren. Ein Head-up-Display kann optional geordert werden.
Wegrationalisiert wurden zudem die in einem 4,29 Meter langen Kompaktwagen etwas merkwürdig anmutenden Armlehnen der vorderen Sitze. Dafür gibt es nun ein ordentlich auf Höhe gebautes Klappfach in der Mitte. Ergonomie können sie bei VW halt - der ID.3 Neo ist das beste Beispiel. Stellt man das ein oder andere chinesische Produkt daneben, fällt es schwer, dem Stromer ans Zeug zu flicken. Es ist in Sachen Soft- und Hardware tatsächlich alles dort, wo man es erwartet, und selbst die Zwangsassistenten der EU lassen sich mittlerweile zügig deaktivieren. Materialseitig gibt es gehobenen norddeutschen Chic: Stoff und Alcantara-ähnliche Oberflächen wechseln sich ab, der kratzempfindliche Klavierlack ist Geschichte.
Einschränkungen bei der Ladeleistung trüben das positive Bild
Geblieben ist derweil das Antriebskonzept, das standardmäßig eine 125 kW / 170 PS starke Heckmaschine mit einer 50 kWh großen LFP-Batterie vorsieht. Die nächsthöhere Variante setzt bereits auf einen 58-kWh-Akku (LFP) und bis zu 140 kW / 190 PS. Wir waren dagegen zunächst mit dem vorläufigen Top-Modell unterwegs, das eine 79 kWh große Lithium-Ionen-Batterie und 170 kW / 231 PS bietet. Ob man letztere braucht, ist dabei nicht nur eine Geschmacks- und Geldfrage. Denn nur die stärkste Variante des ID.3 Neo lädt mit mehr als 105 kW DC - konkret verträgt die 79 kWh Batterie bis zu 183 kW. Den Ladeluxus lässt sich Volkswagen allerdings teuer bezahlen. Der VW ID.3 Neo Life 79 kWh kostet mindestens 44.995 Euro. Immerhin: Alte Modellbezeichnungen wie Trend, Life und Style aus der Golf-Ära sollen für Vertrauen sorgen.
Vertrauen haben wir insbesondere in die fahrdynamische Abstimmung. Man merkt, dass hier nicht nur an Materialqualität und Bedienlogik gearbeitet wurde, sondern dass der ID.3 auch in Sachen Antriebs- und Federungskomfort nochmals zugelegt hat. Wie es um Reichweite und Ladeleistung bestellt ist, konnten wir beim GTEST in Alsfeld noch nicht abschließend herausfinden - zu wenig Zeit, zu wenig Strecke. Laut Datenblatt soll die 79-kWh-Batterie allerdings gut sein für 574 bis 627 Kilometer Reichweite. Den Verbrauch gibt Volkswagen mit 14,4 bis 15,8 kWh an. Erstmals bietet der ID.3 zudem eine Vehicle-to-Load-Funktion. In 7,1 Sekunden lässt sich der stärkste Neo von null auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit bleibt mit 160 km/h leider weiter hinter den Möglichkeiten von Fahrwerk, Lenkung und Antrieb zurück.
Erstes Fazit
Der neue ID.3 ist aus dem Tal der Tränen emporgestiegen und will im letzten Drittel seiner Lebenszeit mit aller Kraft zu einer klaren Kaufempfehlung avancieren. Wer keine Superlative, sondern ein rundes Produkt sucht, könnte hier fündig werden. Aber Achtung: Nur die Top-Motorisierung ab dem VW ID.3 Neo Life für mindestens 45.000 Euro kann mit 183 kW laden und wir hoffen doch stark, dass der langsame Start des Infotainment-Systems noch auf das sehr frühe Produktionsdatum des Testwagens (Erstzulassung 18.06.2026) zu schieben ist. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
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