Erster Test: Volkswagen Caddy TGI – Überbrückungskonzept

Nach dem Dieselskandal schlug Volkswagen eine neue Strategie ein: Ein Großteil der im Konzern gefertigten Fahrzeuge soll bis 2025 rein elektrisch unterwegs sein.

Doch die politische Lage spitzt sich immer weiter zu: Kommt die blaue Umweltplakette, dann dürfen bald einige Dieselfahrzeuge nicht mehr in die Innenstadt. Bis 2025 die E-Alternativen auf der Straße sind, ist es noch eine lange Zeit und schon jetzt sind viele Menschen verunsichert, ob Sie noch einen Selbstzünder kaufen sollten oder lieber gleich die Finger davon lassen. Deswegen rückt Volkswagen eine andere Alternative wieder in den Vordergrund: Den Erdgas-Antrieb. Elektrisch fahrende Autos haben, wenn sie nicht Tesla heißen, zurzeit noch eine zu geringe Reichweite und sind in der Anschaffung sehr kostspielig. Hybride und Plug-In-Hybride sorgen zwar dafür, dass der Verbrauch sinkt, sind aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Hinzu kommt, dass die Ladeinfrastruktur noch nicht optimal aufgestellt ist. Und sollte die blaue Umweltplakette den Diesel aus der Stadt-Verbannen, dann muss eine andere Langstrecken-Lösung her. Doch welche? Brennstoffzellen kommen prinzipiell zwar weiter als Elektrofahrzeuge, doch hier sind die Zapfsäulen noch rarer gesät.

Die „neue“ Zwischenlösung

Erdgasfahrzeuge (CNG) könnten diese Zeit überbrücken. Schon im Jahr 1862 baute Étienne Lenoir das erste Gasmotorenfahrzeug, und auch Nicolaus August Otto, der Benzin-Otto, experimentierte zeitgleich mit Gas. Die Technologie ist also schon lange vorhanden, wurde aber erstmal wieder verworfen. In Deutschland kamen  1994 die ersten Serienfahrzeuge auf den Markt, wurden aber bis heute nicht wirklich in den Fokus gerückt. Das soll sich, wenn es nach Volkswagen geht, jetzt endlich ändern.

Immer mehr Fahrzeuge werden nun im Konzern deshalb mit Gasflaschen ausgerüstet. Aktuell stehen VW Up und seine Geschwister Seat Mii und Skoda Citigo, Skoda Fabia und Octavia, Seat Leon, VW Golf, Audi A3, A4 und A5 als CNG-Version in der Preisliste. Als nächstes folgt dann der Seat Ibiza und auch VW Tiguan und Seat Ateca dürften bald mit Gasflaschen ausgestattet werden. Als Multifunktionsauto steht außerdem der Volkswagen Caddy mit CNG-Motor seit 2015 bereit. Das Angebot ist also groß, die Absatzzahlen sind allerdings noch sehr gering.

Bequem und noch leiser

Besonders charmant ist der Erdgas-Antrieb tatsächlich im oftmals unterschätzten Caddy. Der Hochdachkombi wird in der Regel von Handwerkern geordert. Kein Wunder, denn es geht viel rein und in der Stadt ist er recht handlich. Und dennoch finden wir, er ist die perfekte alternative für die ganze Familie. Das Platzangebot ist unschlagbar und die Verarbeitung kann sich auch mit einem normalen Alltags-PKW messen. Doch was schreckt die meisten Käufer dann ab? Vielleicht die Kastenform – die mag man, oder nicht.

  • Technische Daten – Volkswagen Caddy TGI

Länge: 4,41 Meter, Breite: 1,79 Meter (2,07 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,82 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 750 bis 3.020 Liter

1,4-Liter-TGI, 81 kW/110 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, maximales Drehmoment: 200 Nm bei 1.500 – 3.500 U/min, Vmax: 174 km/h, 0-100 km/h: 12,9 s, Normverbrauch: 4,1 kg/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 112 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 23.425 Euro [Conceptline]

Erhältlich ist der Caddy in zwei Längen, und das hat auch Auswirkung auf den Erdgas-Antrieb beziehungsweise wie viele Gasfalschen verbaut werden können. Beim normalen gehen vier Flaschen rein, in den Maxi fünf. Mit einer Gasfüllung kommt man dann also 610 respektive 710 Kilometer. Und: Sollte das Gas einmal ausgehen, sorgt ein 13 Liter Benzintank fürs Weiterkommen zur nächsten Tankstelle. Dem 1,4-Liter-Vierzylinder-Gasotor mit 110 PS stehen 200 Newtonmeter zur Verfügung, die zwischen 1.500 und 3.500 Umdrehungen anliegen. Das ist zwar nicht übermäßig viel Kraft, doch wer nicht gerade in den Bergen wohnt, dürfte damit absolut zufrieden sein. Und spätestens beim Blick auf die Verbrauchsanzeige verschwinden sowieso alle Zweifel: Der Normverbrauch liegt bei gut vier Kilogramm Gas auf 100 Kilometer, die in der Praxis nahezu genau erreicht werden können – das macht umgerechnet nur gut 4,50 für 100 Kilometer. Wer auf der Suche nach einem sparsamen und praktischen Auto ist, der ist mit dem Volkswagen Caddy TGI gut beraten. Er ist der perfekte Alltagsbegleiter für die kleine Familie. Was dem Familienkonto zugutekommt, ist neben dem recht stabilen Erdgaspreis von rund 1,08 Euro die Steuerbefreiung für Erdgasfahrzeuge bis 2026. Und in der Zukunft soll auch das Tanken noch unproblematischer werden, denn die zur Zeit noch 900 verfügbaren Tankstellen sollen auf 2.000 aufgestockt werden.

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