Hat die IG Metall bei VW das 20.000-Euro-Elektroauto verhindert?

Volkswagen steckt in einer Krise und verliert den Anschluss – vor allem bei den erschwinglichen Elektroautos. Ein geplantes Projekt mit Renault für einen E-Kleinstwagen auf Twingo-Basis scheiterte wohl am Widerstand der IG Metall und der VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo.

Volkswagen steckt in einer tiefen Krise. Management-Fehlentscheidungen, Qualitätsprobleme bei Software und Fahrzeugen sowie verpasste Investitionen haben den Konzern ins Straucheln gebracht. Während die Wolfsburger den Anschluss im wichtigen chinesischen Markt bereits längst verloren haben, fehlt es in Europa an bezahlbaren Elektroautos. In seiner aktuellen Situation wirkt der Konzern in etwa so schwerfällig wie ein Hochseefrachter im tobenden Sturm.

 VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo

Eine Äußerung, die Fragen aufwirft

Um den Gegenkurs einzuleiten, plante die Konzernspitze offenbar eine Partnerschaft mit Renault: Gemeinsam sollte ein bezahlbarer Elektro-Kleinstwagen auf Basis des geplanten E-Twingo entwickelt werden, der noch 2026 hätte auf den Markt kommen können. Doch wie zunächst motor1 Deutschland berichtet hat, scheiterten diese Pläne offenbar am Widerstand der IG Metall und der VW-Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo. In der September-Ausgabe 2024 der VW-Betriebsratszeitung "Mitbestimmen!" fand Cavallo deutliche Worte: „Für ein Herzstück unserer Elektro-Strategie, den künftigen VW-Kleinstwagen (VW ID.1, anm. d. Redaktion), wollte man sich dem Wettbewerb an den Hals werfen und ihn bei Dacia bauen lassen.“

Der Gebrauch des Wortes „wollte“ lässt vermuten, dass die Entscheidung bereits gefallen ist und VW sich letztlich gegen eine Kooperation mit den Franzosen entschieden hat. Somit wird der Konzern keinen Anteil am Renault Twingo E-Tech haben, der als preisgünstiges Elektroauto ab etwa 20.000 Euro das Renault-Angebot unterhalb von R5 und R4 abrunden wird. Die Kooperation wäre für Volkswagen (und insbesondere seine Kunden) in jedem Fall ein wichtiger Schritt in Richtung bezahlbare E-Mobilität gewesen, gerade da das Segment derzeit mit dem Dacia Spring und dem Leapmotor T03 nur zwei Konkurrenten zählt. Während der Dacia Spring komplett in China produziert wird, wird der Leapmotor T03 in Polen endmontiert, seine Teile stammen aber ebenfalls aus dem Reich der Mitte.

Deze snoezige Renault Twingo (2026) is de volgende betaalbare EV van 20.000 euro

Renault fertigt den neuen E-Twingo in Slowenien

Ein wesentlicher Grund für den Widerstand von IG Metall und Betriebsratschefin Cavallo dürfte in der Produktionsstätte liegen: Das angedachte Fahrzeug wäre nicht in Deutschland gefertigt worden, sondern bei der slowenischen Renault-Tochter Revoz in Novo Mesto. Laut weiteren Informationen von motor1 sollen die niedrigen Kosten des neuen Renault Twingo durch eine verkürzte Produktionszeit und einen gesteigerten Durchsatz ermöglicht werden.

Am Ende stellt sich die Frage, wie stark sich die IG Metall und Daniela Cavallo tatsächlich gegen diese Pläne gestellt haben. Ein Blick in die IG-Metall-Zeitung lässt zumindest Zweifel aufkommen, ob sich die VW-Betriebsratschefin im Detail mit der Materie befasst hatte: Das slowenische Renault-Werk gehörte nämlich nie zu Dacia und hat bisher auch keinen Dacia gefertigt. Vielmehr ist es Teil der zuvor erwähnten Tochtergesellschaft Revoz, die als Auftragsfertiger unter anderem den Smart Forfour gebaut haben.

Volkswagen ID.2all (2023) statisch, vooraanzicht

VW ID.2 wird ebenfalls nicht in Deutschland gebaut

Ein weiterer interessanter Punkt: Volkswagen arbeitet seit einiger Zeit am ID.2, einem Elektrokleinwagen, der Ende 2026 ab rund 25.000 Euro auf den Markt kommen soll - unabhängig von den Plänen mit Renault. Doch auch dieser wird aufgrund der hohen Lohnkosten nicht in Deutschland produziert, sondern im ehemaligen Polo-Werk im spanischen Pamplona. Der VW Polo wird inzwischen (noch günstiger) im südafrikanischen Werk gebaut. (Text: tv | Bilder: Hersteller | Quelle: motor1 Deutschland)

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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