Renault Clio (2026): Die wichtigste Neuvorstellung auf der IAA

Die wichtigste Neuvorstellung der IAA kommt nicht aus Deutschland, sondern aus Frankreich: Renault präsentiert die sechste Generation des Clio - ein Serienmodell, das noch dieses Jahr bei den Händlern steht. Das man den Stadtflitzer nicht gleich wiedererkennt, ist Teil des Konzepts.

Mit dem Comeback von Klassikern wie dem R5 hat Renault zuletzt viel Geschick bewiesen. Das Zusammenspiel automobiler Geschichte und neuer Antriebstechnik bringt dem französischen Konzern derzeit viel Aufmerksamkeit und neue Sympathien. Doch während die Wiederbelebung von Markenikonen als emotionale Leuchttürme für die Elektromobilität noch Raum für mutige Experimente bietet, darf bei der Neuauflage des Brot- und Buttermodells Clio nichts schiefgehen. Er ist Volumenmodell, Markenidentität und Alltagsheld im B-Segment zugleich – mithin ein wirtschaftliches Standbein, das auch künftig tragen muss.

renault-clio-2026-seite

Angriff auf VW Polo und Opel Corsa

Nach fast 17 Millionen verkauften Einheiten weltweit und einem Stammplatz an der Spitze der europäischen Zulassungsstatistiken wird bei der sechsten Generation wenig dem Zufall überlassen. Der Clio bleibt klassischer Schrägheck-Kleinwagen auf Renaults modularer CMF-B-Plattform, die ausschließlich für Hybrid- und Verbrenner-Antriebe konzipiert wurde. E-Modelle wie R5 oder R4 nutzen eine separate EV-Basis – eine Trennung, die höhere Entwicklungskosten bedeutet. Aber: „Wir haben uns bewusst für zwei dedizierte Plattformen entschieden – eine für Elektroautos, eine für Hybrid- und Verbrenner-Modelle. Nur so lässt sich das volle Potenzial jeder Antriebsart ausschöpfen“, begründet Produktmanager Nicolas Laruaz die Strategie.

In Deutschland erreichte der Clio nie die Popularität von VW Polo oder Opel Corsa – ein Manko, das Renault nun beheben will. Das Exterieur zeigt dabei eine tiefgreifende Überarbeitung zum Vorgänger. Die neue Silhouette orientiert sich am Konzeptfahrzeug Emblème und wirkt merklich aggressiver: bullige Front mit rhombenverziertem Kühlergrill, darunter eine breite Öffnung, die Appetit auf ein Clio RS macht. Die LED-Scheinwerfer wirken durch ihre zurückversetzte Anordnung in anthrazitfarbenen Gehäusen wie zugekniffene Augen. Die nach vorne abfallende Motorhaube unterstreicht den athletischeren Auftritt. „In gewisser Weise ist die Revolution die Tradition des Clio. Jede Generation war ein Bruch mit der vorherigen – und beim Clio 6 kehren wir zu dieser Tradition des Wandels zurück“, meint Laruaz.

renault-clio-2026-cockpit

Trotz größerer Abmessungen: Innen bleibt es beim Kleinwagen-Charme

Die Dimensionen wachsen beträchtlich: Das Fahrzeug streckt sich um 7 Zentimeter auf 4,12 Meter Länge und um 4 Zentimeter auf 1,77 Meter Breite. Der um 8 Millimeter verlängerte Radstand (2,59 Meter) ermöglicht Räder bis 18 Zoll. Der Kofferraum fasst 391 Liter (Hybrid 310 Liter) bei einer um 4 Zentimeter abgesenkten Ladekante.

Im Gegensatz zur grundlegend überarbeiteten Karosserie setzt Renault beim Innenraum auf bewährte Rezepte aus der aktuellen Modellfamilie. Das digitale Cockpit folgt dem R5-Schema mit zwei 10,1-Zoll-Displays – jedoch nur in höheren Ausstattungen. Die Basisversion Evolution erhält ein kleineres Display ohne Navigation. Das OpenR Link System mit Google-Integration, Echtzeit-Navigation und kabelloser Smartphone-Anbindung bleibt teureren Varianten (ab Ausstattung Techno) vorbehalten.

Die Topversion Esprit Alpine bietet Sportsitze mit verstärktem Seitenhalt, blaue Alpine-Ziernähte und wechselbare Ambientebeleuchtung mit 48 Farboptionen. Bis zu 29 Assistenzsysteme sind verfügbar.

renault-clio-2026-sitze

Der alte (und günstige) Basis-Beziner fällt weg

Bei den Motoren ist die Auswahl begrenzt. Einen Diesel gibt es schon seit 2023 nicht mehr, der günstige Einstiegsbenziner ohne Turbo mit 65 PS entfällt. Die Grundmotorisierung stellt fortan ein 1,2-Liter-Dreizylinder mit 85 kW/115 PS sicher, wahlweise mit Handschaltung oder Doppelkupplungsgetriebe. Für südeuropäische Märkte gibt es eine LPG-Variante des gleichen Motors mit 88 kW/120 PS, die besonders in Italien gefragt ist. Der Autogas-Antrieb erhöht die Tankreichweite auf bis zu 1.450 Kilometer, spielt jedoch auf dem deutschen Markt praktisch keine Rolle.

Das Herzstück bildet der Full Hybrid E-Tech mit 116 kW/158 PS Systemleistung. Der 1,8-Liter-Vierzylinder leistet 80 kW/109 PS und arbeitet mit einem 36 kW/49 PS starken Elektromotor sowie einem 15 kW/20 PS starken Starter-Generator zusammen. Eine 1,4-kWh-Batterie speichert die Energie. Das Multi-Mode-Getriebe nutzt vier Übersetzungen für den Verbrenner und zwei für den E-Motor – insgesamt 15 Kombinationsmöglichkeiten zwischen rein elektrischem, hybridem und konventionellem Antrieb. Renault verspricht 80 Prozent Elektrofahrt im Stadtverkehr. Der Normverbrauch liegt bei 3,9 Litern auf 100 Kilometer, die CO₂-Emissionen bei 89 Gramm pro Kilometer. Die maximale Reichweite beträgt bis zu 1.000 Kilometer.

renault-clio-2026-heck

Zunächst teurer als die deutschen Mitbewerber

Für Renault steht viel auf dem Spiel: Der Clio zeichnet etwa 15 Prozent des europäischen Konzernumsatzes verantwortlich und ist das meistverkaufte französische Auto aller Zeiten. Die Hybridversion soll Renaults Elektrifizierungsstrategie vorantreiben, ohne die profitable Verbrenner-Kundschaft zu verlieren. Die größte Herausforderung wartet zum Marktstart im Herbst jedoch an der Ladenkasse: Bei einem geschätzten Einstiegspreis von mindestens 22.000 Euro für den Benziner und rund 26.000 Euro für den Hybrid muss sich der Clio gegen etablierte deutsche Konkurrenten behaupten, die oft günstigere Konditionen bieten. (Text: tv, as/sp-x | Bilder: Hersteller)

Artikel teilen

Alle Artikel

Alle ansehen
Zeekr 7X Facelift 2027

Zeekr 7X Facelift: 680 PS, Bosch-Assistenz und Rekord-Ladespeed

Zum Modelljahr 2027 spendiert die Geely-Tochter dem 800-Volt-Cross-Over eine erste Modellpflege. Auf dem Zettel stehen spürbar potentere E-Motoren, optimierte Ladezeiten an Hyperchargern, frische Assistenztechnik von Bosch und ein leicht geschärfter Look.

Mehr lesen
Zeekr 7X Facelift: 680 PS, Bosch-Assistenz und Rekord-Ladespeed
261021 Hyundai Ioniq 3 Ausstattungsvergleich

Hyundai Ioniq 3 im Ausstattungs-Check: Fast 20.000 Euro zwischen Einstieg und Topmodell

Mit dem Hyundai Ioniq 3 schicken die Koreaner ein heißes Eisen in den Kompaktwagen-Sektor. Mit einem Einstiegspreis von 28.950 Euro unterbietet er viele Konkurrenten deutlich. Doch die Preisliste lässt einen gigantischen Spielraum zu. Lohnt sich der Griff zum vollausgestatteten Topmodell?

Mehr lesen
Hyundai Ioniq 3 im Ausstattungs-Check: Fast 20.000 Euro zwischen Einstieg und Topmodell
tiguanvergleichtitel

VW ID. Tiguan startet ab 42.695 Euro und wird zum Abo-König

Mehr Serienausstattung, mehr Abos und ein höherer Einstiegspreis: Der VW ID. Tiguan startet ab 42.695 Euro. Wer bei Leistung und Extras aus dem Vollen schöpft, landet allerdings bei knapp 70.000 Euro.

Mehr lesen
VW ID. Tiguan startet ab 42.695 Euro und wird zum Abo-König