Ruf Boxer 8 Erprober: Das 1.000-PS-Monster mit Achtzylinder-Boxer und Handschaltung

Seit mittlerweile 50 Jahren steht der Name Ruf in Pfaffenhausen für kompromisslose Performance, schwäbischen Erfindergeist und absolute Träume auf vier Rädern. Doch was die Allgäuer Legendenschmiede jetzt beim Goodwood Festival of Speed aus dem Hut gezaubert hat, lässt selbst abgebrühte Hypercar-Enthusiasten mit den Ohren schlackern. Mit dem „Boxer 8 Erprober“ zeigt Ruf einen reinrassigen Achtzylinder-Boxer mit über 1.000 PS und bleibt trotz absurder Leistungswerte der reinen Lehre der analogen Handschaltung treu. Doch der Reihe nach.
Ein echtes Festival of Speed
Ruf nutzt das Goodwood Festival of Speed für eine echte Überraschung. Während die meisten Hersteller nur Designstudien und lauwarme Sondereditionen auf die kurze Bergstrecke schicken, haut Porsche-Guru Alois Ruf eine kleine Sensation raus. Seine Manufaktur aus Pfaffenhausen zeigt mit dem Boxer 8 Erprober ein Entwicklungsfahrzeug mit einem komplett neu und in Eigenregie entwickelten Achtzylinder-Boxermotor.
Das ist insofern spannend, da Porsche sich einen B8 in der Serie selbst nie getraut hat und es in Zuffenhausen nach sechs Zylindern stets hieß: Schluss. Einen echten Achtzylinder-Boxer gab es bei Porsche historisch ausschließlich im harten Renneinsatz, etwa in den Formel-1-Rennwagen 804 oder den ikonischen Modellen 904/8 und 908 mit damals bis zu 350 PS.
Ruf Automobile bricht nun mit diesem ungeschriebenen Gesetz und bringt das Boxer-8-Konzept auf die Straße. Zwar bauten die Allgäuer bereits 2013 einen V8-Saugmotor mit 550 PS in den RGT-8, doch das war ein klassischer V-Motor mit einem Bankwinkel von 90 Grad. Der neue B8-Motor ist dagegen ein waschechter, flacher Boxer, an dem in Pfaffenhausen bereits seit Jahren im Geheimen getüftelt wurde.
Ein Achtzylinder-Boxer für die Straße
Der Ruf Boxer 8 kommt im Prototyp mit 4,8 Litern Hubraum und Biturbo-Aufladung. Die Pfaffenhausener nennen mehr als 1.000 PS und über 1.000 Nm Drehmoment als aktuellen Entwicklungsstand. Damit liegt der Prototyp deutlich über dem bisherigen stärksten Modell der Marke. Der CTR3 Evo kommt auf 800 PS. Der neue Boxer 8 spielt also in einer anderen Liga. Damit die zwei zusätzlichen Zylinder überhaupt hinter die Kabine passen, mussten die Ingenieure das Chassis des Supersportwagens CTR3 um exakt 100 Millimeter verlängern. Die Beschriftung auf der Flanke ist dabei eine klare Ansage an die Konkurrenz: „Prototype Development Vehicle Developed in Pfaffenhausen without Compromise“.
Ruf koppelt den neuen Motor im Erprober übrigens an ein manuelles Sechsganggetriebe. Das ist fast schon die zweite Überraschung. In einer Leistungsklasse von mehr als 1.000 PS setzen die meisten Hersteller längst auf Doppelkupplung oder Automatik. Ruf wählt bewusst den analogen Weg. Das passt zur Marke, die seit Jahrzehnten moderne Leistung mit klassischem Fahrgefühl verbindet.
Die Zukunft im Zeichen des „Yellowbird“
Auch die Lackierung des Prototypen erzählt eine Geschichte. Das Fahrzeug trägt ein spezielles Design, das an den legendären CTR Yellowbird erinnert. Der gelbe Ruf CTR wurde 1987 weltberühmt, als er bei einem Vergleichstest von Road & Track die versammelte Supersportwagen-Elite düpierte und über 340 km/h erreichte. Bis heute gilt er als eines der wichtigsten Autos der Ruf-Geschichte.
Genau diese Historie nutzt Ruf nun, um die Zukunft der Marke anzudeuten. Vor 50 Jahren brachte das Unternehmen seinen ersten veredelten Porsche auf die Straße. Heute baut Ruf längst eigenständige Fahrzeuge mit eigenen Chassis, eigenen Karosseriestrukturen und eigener Entwicklungsarbeit. Die Autos sehen häufig noch nach 911 aus, sind technisch aber deutlich mehr als modifizierte Porsche.
Der Boxer 8 Erprober zeigt diesen Wandel besonders deutlich. Er nutzt zwar vertraute Ruf-Proportionen und eine Optik, die an die Porsche-Welt erinnert. Der Motor, das Chassis und die Gesamtidee zeigen aber, dass Ruf längst als eigener Sportwagenhersteller verstanden werden will.
Preis und Marktstart
Wann genau wir die finale Serienversion des 1.000-PS-Boxers auf der Straße sehen werden, hält Ruf noch unter Verschluss. Da der Erprober in Goodwood jedoch bereits voll fahrbereit und unter Volllast performte, dürfte die Entwicklung bereits weit fortgeschritten sein und der Marktstart nicht mehr in allzu weiter Ferne liegen. (Text: an | Bilder: RUF Automobile)
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