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Fokus: Verkauf
Fokus: Verkauf

Gekauft wie gesehen – was heißt das eigentlich?

Gerade beim Kauf und Verkauf von gebrauchten Autos von privat wird oftmals die Klausel „gekauft wie gesehen“ im Kaufvertrag verwendet. Sie soll den privaten Verkäufer von der Haftung befreien. Ist das rechtens?

Was bedeutet die Klausel „gekauft wie gesehen“ im Kaufvertrag?

Die Klausel „gekauft wie gesehen“ besagt, dass der Käufer das Auto unter Kenntnisnahme der offensichtlichen Mängel erwirbt. Dabei muss er kein Fachmann sein, denn es geht hier um Mängel, die mit dem bloßen Auge für einen Laien und ohne Hinzuziehung eines Sachverständigen klar zu identifizieren sind oder bei einer normalen Besichtigung bzw. Probefahrt für gewöhnlich überprüft werden. Zu solchen offensichtlichen Mängeln gehören zum Beispiel:

  • kaputte Fenster, z. B. infolge eines Steinschlags
  • Kratzer, Schrammen, Dellen oder Beulen an Stoßstange oder Karosserie
  • defekte Elektroteile, z. B. Klimaanlage, Blinker oder Radio

Neben der Klausel „gekauft wie gesehen“ sind auch Formulierungen wie „gekauft wie besichtigt“, „gekauft wie besehen“ oder „gekauft wie Probe gefahren“ im Kaufvertrag gebräuchlich. Rechtlich besteht zwischen diesen Formulierungen jedoch kein Unterschied.

Window Damage

Schließe ich mit der Klausel im Kaufvertrag die Gewährleistung aus?

Die Klausel „gekauft wie gesehen“ ist nicht gleichbedeutend mit dem Ausschluss der Gewährleistung. Denn die Formulierung bezieht sich lediglich auf offensichtliche Mängel des Autos, die sich direkt feststellen lassen. Wenn sich später beispielsweise herausstellt, dass der Kilometerstand manipuliert wurde oder dass es sich bei dem Auto um einen Unfallwagen handelt, haftet der Verkäufer durchaus auch nach dem Verkauf. Einige weitere Beispiele für einen solchen Fall finden sich im Folgenden:

  • falsche Umweltplakette angebracht
  • undichte Dichtungen oder Leitungen
  • hoher Ölverbrauch
  • Getriebeschaden

Werden derartige Mängel erst nach dem Kauf festgestellt, ist die Rechtsprechung auf der Seite des Käufers. Dies gilt selbst dann, wenn der Verkäufer nicht über den Mangel Bescheid wusste, da er z. B. wiederum auf den Vorbesitzer des Autos zurückzuführen ist. Schließt ein privater Verkäufer hingegen im Kaufvertrag die Gewährleistung aus, haftet er „nur“ im Falle des Vorsatzes und der groben Fahrlässigkeit. Wenn er also z. B. von einem Schaden wusste, ihn jedoch absichtlich verschwiegen oder die Unwahrheit gesagt hat. Deshalb wählt AutoScout24 die bessere Klausel im Kfz-Kaufvertrag:

„Das Kraftfahrzeug wird unter Ausschluss der Sachmängelhaftung verkauft, soweit der Verkäufer nicht nachstehend eine Garantie oder Erklärung abgibt. Der Ausschluss der Sachmängelhaftung gilt nicht im Falle des Vorsatzes und der groben Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit.“

Das Muster des Kaufvertrags findest du dort als kostenlose PDF-Vorlage zum Herunterladen und Ausdrucken.

Übrigens: Gewährleistung beim Händler

Gewerbliche Verkäufer dürfen die Gewährleistung im Kaufvertrag nicht ausschließen, sondern die sogenannte Sachmängelhaftung lediglich von zwei auf ein Jahr verkürzen, und das auch nur für gebrauchte Fahrzeuge, nicht aber für Neuwagen.

Welche Rechte hat der Käufer im Falle einer späteren Reklamation?

Kann der Käufer nachträglich einen versteckten Mangel nachweisen, hat er die folgenden Rechte:

  • Reparatur oder Ersatz
  • Minderung des Kaufpreises
  • Rückabwicklung
  • Schadensersatz

Reparatur oder Ersatz: Die sogenannte Nacherfüllung sieht vor, dass der Verkäufer den Mangel beseitigen muss. Ist er dazu nicht in der Lage, besteht die Möglichkeit, ein vergleichbares Ersatzfahrzeug zu liefern. Das wird bei einem Verkauf von privat kaum möglich sein. Was die Nachbesserung angeht, so hat der Verkäufer zwei Nachbesserungsversuche in einer vom Käufer gesetzten Frist, diese kann z. B. 14 Tage betragen.

Minderung: Misslingen die beiden Nachbesserungsversuche, kann der Käufer den Kaufpreis mindern. Entweder gelingt es beiden Parteien, sich auf einen Betrag zu einigen, oder er wird mithilfe eines Sachverständigen festgesetzt.

Rückabwicklung: Ebenso möglich ist ein Rücktritt vom Kaufvertrag, wenn dem Verkäufer zuvor die Nacherfüllung nicht gelingt oder er diese verweigert. Mit dem Rücktritt wird die Rückabwicklung des Kaufs möglich. Das Auto geht zurück an den Verkäufer, der Käufer erhält die Kaufsumme zurück.

Schadensersatz: Zusätzlich zu einem Rücktritt kann der Käufer auch Anspruch auf Schadensersatz geltend machen, sofern nachweisbar ist, dass der Verkäufer vorsätzlich gehandelt hat. Das können Fahrt- oder Übernachtungskosten sein, wenn das Fahrzeug liegengeblieben ist oder repariert werden muss.

car maintenance

Rechtssichere Formulierung im Kaufvertrag wählen

Ob es sich bei einem Mangel um einen offensichtlichen oder versteckten Mangel handelt, wird oft erst klar, wenn im Streitfall ein Sachverständiger hinzugezogen wird. Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt es sich, alle Mängel direkt im Kaufvertrag aufzulisten und die Gewährleistung auszuschließen.

Unser kostenloser Kfz-Kaufvertrag als PDF-Vorlage zum Ausdrucken bietet Platz zur Angabe etwaiger Mängel und sichert dich zudem ab, indem er die Sachmängelhaftung für private Verkäufer ausschließt. So verkaufst du dein Auto transparent und sicher. Doch Achtung: der Gewährleistungsausschluss greift nicht bei arglistiger Täuschung. Stellt sich heraus, dass ein Mangel trotz Kenntnis absichtlich verschwiegen wurde, hat der Käufer ebenfalls die o.g. Möglichkeiten bis hin zur Rückabwicklung. Hier liegt allerdings der Käufer in der Beweispflicht. Mehr zum Thema Gewährleistung erfährst du in diesem Artikel.

Angaben im Kaufvertrag eines Gebrauchtwagens

Die folgende Liste umfasst alle Punkte, die in einem Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen stehen sollten:

  • Datum der Erstzulassung
  • Baujahr
  • Fahrzeugmodell (Fahrzeugnummer)
  • Herkunft (Import)
  • technische Daten
  • bisherige Fahrzeughalter
  • Kilometerstand
  • Türenanzahl
  • Schadstoffklasse
  • Farbe und Lackierungsart
  • Kraftstoffart
  • Angabe über Mängel und Beschädigungen
  • mögliche Unfallschäden
  • Veränderungen am Fahrzeug (Lackierung, Fahrwerk, Motor)
  • Angaben zu technisch funktionsfähigen Geräten
  • integriertes Zubehör
  • weiteres Zubehör

Fazit

Steht im Kaufvertrag beim privaten Autokauf die Klausel „gekauft wie gesehen“, kann es sich lohnen, vom Kaufvertrag zurückzutreten und die Rückzahlung des Kaufvertrags gegebenenfalls auch gerichtlich geltend zu machen. Das gilt dann, wenn sich nach dem Kauf Mängel zeigen, die schon vor der Vertragsunterzeichnung auftraten, die Laien ohne die Hilfe eines Sachverständigen jedoch nicht erkennen konnten.

Als privater Verkäufer eines Autos ist darauf zu achten, die Formulierung „unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“ in den Kaufvertrag aufzunehmen, um später nicht mit Gewährleistungsansprüchen konfrontiert zu werden.

Gekauft wie gesehen - häufig gestellte Fragen:

Treten nach dem Kauf des Autos Mängel auf, die bereits vor Vertragsunterzeichnung bestanden und für Laien nicht erkennbar waren, ist es möglich, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Dies gilt, sollte der Verkäufer die aufgetretenen Mängel nicht beseitigen, für Ersatz sorgen können oder dies verweigert. Dann wird der Kauf rückabgewickelt und das Auto geht wieder an den Verkäufer – der Käufer erhält sein Geld zurück.

Es sollten alle Mängel im Kaufvertrag festgehalten werden. Zudem ist es ratsam, als Verkäufer die Gewährleistung auszuschließen, um später nicht mit Gewährleistungsansprüchen konfrontiert zu werden.

Erfolgt der Kauf bei einem gewerblichen Händler, kann unter bestimmten Umständen vom Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht werden. So z. B. nach Vorliegen eines Mangels innerhalb der Gewährleistungsfrist von zwei Jahren, mindestens aber einem Jahr. Privat lässt sich die Gewährleistung vertraglich ausschließen. Dann hat der Käufer nur bei arglistig verschwiegenen Mängeln eine Handhabe. Der Kauf lässt sich rückabwickeln, wenn der Verkäufer nicht für eine Beseitigung der Mängel oder Ersatz sorgen kann oder will.

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