Audi A4 Avant Duo (1996) im Test: Vorsprung durch Technik

Schon 1996 brachte Audi einen extern ladbaren Diesel-Hybrid auf die Straße: den A4 Avant Duo. 30 Jahre später zeigt der Technik-Pionier, wie nah die Ingolstädter damals bereits am heutigen Plug-in-Hybrid waren. Fahrbericht!

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„Vorsprung durch Technik“: Heute ist das bei Audi leider nicht immer der Fall. In den 1980er- und 1990er-Jahren dagegen war dieser Anspruch noch gelebte Praxis. Über drei Duo-Generationen hinweg erprobte Audi von 1989 bis in die frühen 2000er-Jahre den Hybridantrieb - inklusive des serienreifen Audi A4 Avant Duo von 1996. Insgesamt 90 Einheiten des „Edelkombis“ mit Doppelherzantrieb wurden gebaut und im öffentlichen Testbetrieb an ausgewählte Kunden verteilt, unter anderem an den damaligen Oberbürgermeister von Erlangen.


Diesel trifft Elektromotor

Anders als bei den beiden vorherigen Duo-Generationen auf Basis des Audi 100 setzten die Ingolstädter beim A4 Avant Duo nicht auf einen Benzin-, sondern erstmals auf einen Diesel-Hybrid. Kombiniert wurde ein für damalige Verhältnisse hocheffizienter 1,9-Liter-TDI mit 66 kW / 90 PS mit einem in der Montan-Universität Leoben erprobter und von Siemens zur Serienreife gebrachter Drehstrom-Synchronmotor mit 21 kW / 29 PS. Neu war nicht nur die Kombination aus Selbstzünder und E-Maschine, sondern auch die Tatsache, dass erstmals ein Mischbetrieb beider Antriebe möglich war.

So kannte der A4 Duo grundlegend drei Betriebszustände: Hybrid, Elektro und Diesel - einstellbar über einen Drehschalter in der Mittelkonsole. Über den Nasenlader, elegant hinter einer Öffnung im Kühlergrill versteckt, wurde das Ladekabel aus der Versenkung gezogen. Damit konnte der A4 Duo an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose geladen werden. Vorzugsweise nachts, um den günstigen Nachtstrom auszunutzen, wie es in der damaligen Pressemitteilung hieß.

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50 Kilometer elektrisch, 600 Kilometer mit Diesel

Die damals verbaute Bleibatterie mit einer Kapazität von 10,1 kWh war vollgeladen gut für eine innerstädtische Reichweite von bis zu 50 Kilometern. Um die elektrische Reichweite stets im Blick zu behalten, ersetzte Audi die Spannungsanzeige der 12-Volt-Batterie im Kombiinstrument durch jene des Hochvoltakkus.

Ein grün blinkendes Ladesymbol zeigte zudem an, wenn der Audi am Strom hing. Um den Einsatzradius des Diesel-Hybrids auf Langstrecken nicht zu schmälern, verfügte der A4 Duo weiterhin über einen 42 Liter großen Kraftstofftank. Mit dem 90-PS-Diesel waren somit verbrennerseitig bis zu 600 Kilometer an einem Stück möglich.

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Erstaunlich reife Technik im Fahrtest

30 Jahre später sind wir durchaus erstaunt, wie gut die Technik damals bereits funktioniert hat. Freilich nutzt der Testproband im Jahr 2026 nicht mehr dieselbe Batterie wie damals, die Steuerelektronik inklusive AC/DC-Wandler in der Seitenwand des Kombihecks ist aber noch dieselbe.

Vom 584 Liter großen Gepäckraum geht bei diesem Hybrid nichts verloren, da die Batterie dort eingebaut wurde, wo sich beim normalen A4 die Ersatzradmulde befindet. Beachtlich sind nicht nur die schiere Kofferraumgröße (der aktuelle A5 Avant e-Hybrid fasst nur 361 Liter), sondern auch das vergleichsweise niedrige Gewicht. Lediglich etwas mehr als 1.700 Kilogramm bringt der A4 Duo auf die Waage, und so hat der bis 10.000 Touren drehende Elektromotor mit dem Kombi innerorts leichtes Spiel. Rein elektrisch erzielte der A4 Duo übrigens eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h - mit Dieselmotor bis zu 170 km/h.

audi-a4-duo-1996-schalter

Schalten ohne Kupplungspedal

Selbst steile Parkhausauffahrten sind mühelos zu bewältigen; per Kickdown kann im Mischbetrieb zusätzlich der Dieselmotor aktiviert werden. Die einzige wirkliche Umstellung: Da ein klassisches Wandlergetriebe nicht gepasst hätte, nutzte Audi seinerzeit ein Fünfgang-Schaltgetriebe mit Trockenkupplung und automatischem hydraulischem Management, an dem der E-Motor angeflanscht war. Sprich: Der Audi A4 Duo hat kein Kupplungspedal. Das fordert eine kurze Eingewöhnung, besonders weil man trotz Automatik-Feeling weiterhin selbst herunterschalten muss. Nach kurzer Zeit geht das aber in Fleisch und Blut über.

Spannend war seinerzeit auch die „praxisgerechte Modellrechnung für die Kraftstoffkosten“. Laut Audi lagen sie 1996 im E-Betrieb bei 2,86 Mark auf 100 Kilometer, während im Dieselbetrieb mit 8,40 Mark kalkuliert wurde. Um den Umweltaspekt des Duos weiter hervorzuheben, setzte Audi zudem auf eine Schaltpunktanzeige im Kombiinstrument und die Wirkung nachhaltiger Kraftstoffe für den Dieselmotor. So war der im A4 Duo eingesetzte 1,9 TDI (wie alle TDIs ab September 1995) bereits für PME, also Pflanzenölmethylester nach DIN V 51606, geeignet.

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Mehr Übersicht, kein digitaler Overkill

Neben dem insgesamt leichtfüßigen Fahrgefühl, das höchstens durch den rau anlaufenden Dieselmotor getrübt wird, fällt im A4 B5 auch die besonders gute Übersichtlichkeit auf. Weder Parksensoren noch eine Rückfahrkamera sind hier nötig; die Überhänge vorne wie hinten lassen sich jederzeit gut abschätzen. Das Interieur selbst ist eine angenehme Abwechslung zu dem, was uns aus Ingolstadt dieser Tage gereicht wird. Kein digitaler Overkill, kein nerviges Gepiepse, dazu eine ziemlich ordentliche Verarbeitungsqualität und eine sehr gute Ergonomie. Da stört es dann auch kaum, dass der Vorführer von vor 30 Jahren ziemlich schlicht konfiguriert wurde.

Obwohl es im A4 1996 bereits eine Komfortklimaautomatik, Sitzheizung, ein Fahrerinformationsdisplay, vier elektrische Fensterheber und eine klangstarke Bose-Anlage zu bestellen gab, trägt der Duo-Hybrid sogar ein sehr profanes Kunststofflenkrad. Immerhin: Ein kraftstoffbetriebener Zuheizer sorgte auch während der Wintermonate für angenehme Wärme.

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Fazit

30 Jahre später sieht die automobile Welt gar nicht so anders aus, als man sie sich damals vielleicht vorgestellt hat. Der Plug-in-Hybrid schafft heute zwar deutlich längere Strecken und lädt schneller, am Grundprinzip von 1996 hat sich aber wenig geändert. Der Audi A4 Avant Duo ist tatsächlich ein Stück Technikgeschichte, auf das man in Ingolstadt sehr stolz sein kann. Auch wenn es der damalige VW-Patriarch Ferdinand Piëch Ende der 1990er-Jahre offenbar deutlich anders sah. Und so kam der nächste Audi-Hybrid in Form des Q5 2.0 TFSI hybrid erst 2011 auf den Markt. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Stephan Müller für AutoScout24)

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat gilt seine besondere Leidenschaft klassischen Fahrzeugen - sein Traumwagen bleibt der Audi RS 6 Avant C5 in Goodwood Grün.

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