Audi e-tron GT quattro (2026) im Test: In Schönheit sterben

Der Audi e-tron GT quattro auf einen Blick
Was uns gefällt
Das uns ein Elektroauto doch emotional berühren kann.
Was wir vermissen
Etwas mehr Platz in Fond und Kofferraum.
Ideal, wenn …
… es nicht um Platz, sondern um Stil geht.
Die Alternativen
Porsche Taycan, BMW i4 Gran Coupé, Tesla Model S
Stärken
- Souveräne Leistung & Straßenlage
- Hochwertiger Innenraum
- Ladeleistung mit bis zu 320 kW
Schwächen
- Hoher Basispreis
- Hoher Verbrauch
- Eingeschränktes Platzangebot
Der Audi e-tron GT punktet durch seinen Innenraum
Es passiert eher selten, dass uns ein Elektroauto tief berührt. Doch der Audi e-tron GT quattro hat genau das geschafft. Optisch eine Perle des modernen Automobilbaus und technisch nach wie vor auf der Höhe der Zeit, zeigen die Ingolstädter mit dem 2020 vorgestellten und zuletzt Anfang 2024 überarbeiteten Stromer, wie emotionale Elektromobilität funktionieren kann. Wir schreiben es geradeheraus: Ein Porsche Taycan ist uns, trotz bis zu 1.000 PS im Turbo GT, nicht derart im Gedächtnis geblieben.
Vordergründig hat das auch mit dem Innenraum zu tun, der uns stets an die gute alte Zeit bei Audi erinnert. Die satte Materialqualität, der sachliche Aufbau und die weitestgehend intuitive Bedienung (das aktuelle Touch-Lenkrad bleibt ein Graus) sorgen auch bei unseren Mitfahrern für gute Stimmung. Freilich: Hinten einsteigen und sitzen will trotz einer Gesamtlänge von fünf Metern gelernt sein. Immerhin hilft die Foot Garage beim Verstauen der Füße. In den Kofferraum passen dagegen maximal 405 Liter, in den Frunk können zusätzliche 85 Liter gepackt werden. Während es im Fond also hin und wieder zwickt, ist das Platzangebot vorne sehr ordentlich. Die Vordersitze passen ebenfalls wie angegossen.
Bereits die Basisversion reicht völlig aus
Ihre ausgeprägte Seitenhaltstärke ist auch nötig, denn der e-tron GT quattro gehört weiterhin zum Sportwagenprogramm von Audi. Dementsprechend überzeugen nicht nur die Fahrleistungen auf der Geraden, sondern gleichermaßen das Kurvenfahrverhalten. Seit dem Facelift stellt die allradgetriebene e-tron-GT-Basis eine Maximalleistung von 370 kW / 503 PS bereit; beim Start mit Launch Control sind es bis zu 430 kW / 585 PS. In 4,1 bis 4,5 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 245 km/h erreicht.
Und wahrlich: Schnellfahren mit dieser 2,4 Tonnen schweren Elektrolimousine bereitet auch dank des sportlich-komfortablen Luftfahrwerks große Freude. Unverständlich bleibt für uns das derzeit aufkeimende Verlangen nach künstlichen Soundeinspielungen oder gar manuellen Gangwechseln im Elektroauto, um angeblich die Geschwindigkeit besser einschätzen zu können. Letzteres könnte nun auch dem e-tron GT drohen, da der technisch eng verwandte Porsche Taycan in Kürze ein Update mit virtuellem 8-Gang-Automatikgetriebe erhalten wird. Geschmäcker sind da ganz offensichtlich verschieden, uns reicht der echte Schaltvorgang des serienmäßigen 2-Gang-Getriebes.
Ein Elektro-Gran-Turismo für die schnelle Reise
Derweil kennt der Audi e-tron GT quattro in freier Wildbahn kaum natürliche Feinde. Selbst ein M5 neuerer Bauart musste im Zwischenspurt auf der Autobahn kapitulieren. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass dieser Sport-Audi unfehlbar ist. Schließlich kommt Kraft von Kraftstoff - im Falle des e-tron in Form von Elektronen aus der netto 97 kWh großen Batterie. Ein ordentlicher Klotz: immerhin 13,3 kWh mehr als bisher. In der Realität bedeutet das einen Reichweitenzuwachs von etwa 50 auf grob 370 Kilometer, da Verbräuche nahe 26 bis 27 kWh auf 100 Kilometer keine Seltenheit sind.
Gut, dass zwischendurch mit bis zu 320 kW geladen werden kann. Die 800-Volt-Technik sorgt tatsächlich dafür, dass Ladevorgänge von etwa zehn auf 80 Prozent in gut 20 Minuten erledigt sind. Schade ist dagegen, dass an AC-Ladestationen weiterhin nur mit bis zu 11 kW geladen werden kann.
Ampelerkennung arbeitet nach dem Zufallsprinzip
Ein interessantes Feature im Audi e-tron GT quattro betrifft derweil nicht die Elektrotechnik als solche, sondern die von den Ingolstädtern bereits seit Längerem eingeführte Car-to-X-Funktionalität. Gemeint ist die Kommunikation zwischen Auto und Straßeninfrastruktur, etwa mit Ampeln. Es ist uns ein Rätsel, wie der Audi an seine Informationen kommt. Es gibt auf eigentlich abgelegenen Abschnitten unserer Hausstrecke ein paar Lichtzeichenanlagen, bei denen das Fahrzeug verbissen zu wissen meint, welche Ampelphase gerade herrscht. Nur eines hatte der Audi in dieser Zeit nie: recht. So ist die Ampelwahrsagerei genauso ungenau wie die Tempolimitanzeige.
Und der Titel dieses Textes nimmt es bereits vorweg: Da mag man, mit kleineren Ausnahmen, ein ziemlich cooles Auto vor sich stehen haben - auf der Straße begegnet man ihm dennoch höchst selten. Das liegt natürlich unter anderem am gesalzenen Basispreis von mindestens 108.900 Euro. Zum Vergleich: Der neuere Audi A6 e-tron als Sportback startet bei etwa 63.000 Euro. Vielleicht liegt es aber auch am falschen Marketing, nämlich gefühlt an gar keinem. Bis Ende Mai 2026 wurden lediglich 360 e-tron GT neu zugelassen. Zum Vergleich: Der ebenfalls nicht wie geschnitten Brot laufende Porsche Taycan kommt im selben Zeitraum auf 1.054 Einheiten.
Fazit 8,3/10
Rührt Audi für seine Elektrolimousine zu wenig die Werbetrommel? Oder möchte man vielleicht gar nicht mehr Autos absetzen, weil man mit jeder Einheit des in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelten e-tron GT einen Verlust einfährt? Wir können nur rätseln, meinen aber: Der Stromer hätte mehr Anerkennung verdient. Er fährt gut, lädt schnell und bietet ein Interieur, das qualitativ jedem neueren Elektroauto aus Ingolstadt deutlich überlegen ist. Für uns bleibt das einzig wirkliche Kaufhindernis der Preis, der mit 108.900 Euro sogar den Porsche Taycan überflügelt. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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