Erster Test: Audi A3 Sportback – Kein Laster

Eigentlich ist vom Audi A3 ja schon alles bekannt: Wie er sich fährt, welche Motoren es gibt, dass die DSG-Schaltung zwar kaum zu erklären ist, aber umso besser funktioniert… Jetzt gibt es den Viertürer namens Sportback und er hat gerade mal 20 Liter mehr Kofferraum. Nichts Neues also?
Formales
Mit dem Sportback ist fast ein neues Auto entstanden. Die Front kommt viel dynamisch daher und leiht sich den starken Auftritt vom neuen A6 und dem A8-Zwölfzylinder. Der Aspekt „Kombi“ wir durch eine längere Dachlinie, das dritte Seitenfenster und die optionale Dachreling betont. Willkommener Nebeneffekt: Weil sowohl Dachreling, als auch Seitenfenster sehr klein ausfallen, geht der Sportback nicht sofort als Kombi durch. Vielmehr muss der Passant schon zweimal gucken, um den Sportback einordnen zu können.
Nicht nur die markante Front kann als gelungen gelten. Auch die Heckansicht ist bewusst eigenständig ausgefallen, das Design der Heckleuchten stammt von der Konzept-Studie Nuvolari (Genf 2003). Hoch am Heck platziert, verleihen sie dem Sportback einen sportlich dynamischen Abschluss.
Räumliches
Fast schon nebenbei profitieren alle Insassen durch das viertürige Konzept des Sportback: Der Einstieg vorne fällt durch die schmaleren Türen vor allem in Parklücken leichter. Hinten haben die Passagiere spürbar mehr Platz, da die Vordersitze deutlichere Vertiefungen für die Knie aufweisen und der Dachhimmel mehr Kopffreiheit bietet.
Der Kofferraum ist mit plus 20 Litern gegenüber dem Zweitürer nur unwesentlich gewachsen. Durch die großformatige Durchreiche (Skisack) und die verbesserte Beinfreiheit hinten scheinen im Sportback jetzt aber selbst Skiwochenenden zu Viert bequem machbar.
Technisches
Neben der offensichtlichen Optik ist die wichtigste Neuerung unter dem Blech der neue 2-Liter-Turbomotor mit 200 PS Spitzenleistung und einem maximalen Drehmoment ab 1.850 Umdrehungen. Für einen kleinen Benziner - zumal einen Turbo - ein beachtlicher Papierwert.
Selbstbewusst ist die Preisgestaltung des 200 PS-Sportlers: Er ist nur in Verbindung mit dem Allradantrieb Quattro oder dem technisch ausgefeilten Doppelkupplungsgetriebe DSG zu haben und kostet mindestens 29.000 Euro (Quattro €29.500,-) in der Ambition-Ausstattung. Um den Quattro-Antrieb bzw das DSG bereinigt ergibt sich für den Turbo ein Aufpreis von fast 2.400 Euro. Da wollten wir natürlich wissen, was man für sein Geld bekommt.
Dynamisches
Beim Start des Motors tut sich der Sportback 2.0tfsi gegenüber dem Saugmotor des 2.0fsi nicht besonders hervor. Ganz anders jedoch beim Ampelstart. Tatsächlich zieht der Turbo sofort und ohne zu Überlegen los. Deutlich unter 2.000 Touren geht es richtig zur Sache, man fühlt sich bei so viel Bumms von unten fast an den Antritt eines Diesels erinnert. Dennoch reagiert der Benziner viel sensibler auf den Gasfuß, spricht spontan und ohne Turboloch an und dreht sehr willig bis knapp 7.000 Umdrehungen hoch, ohne spürbar nachzulassen.
In Kombination mit den Gangwechseln des DSG ergibt sich ein sportlicher Aspekt, der das Schalten unter Last zum puren Vergnügen werden lässt: ein vernehmliches Spotzen aus dem Auspuff verleiht bei jedem Gangwechsel ein wenig Rennatmosphäre und untermalt das schnelle Hochschalten (0,2 Sekunden pro Gangwechsel) gekonnt.
Der Turbo-DSG ist nur mit Frontantrieb zu haben. Wer auf Quattro besteht, muss manuell schalten. Schade eigentlich, denn gerade diese Kombination aus Sportlichkeit, Komfort und Traktion ist sexy und einzigartig - und bleibt der Topmotorisierung mit 3.2 Liter V6 (250 PS) vorbehalten.
Eine weitere passende weil sportliche Motorisierung stellt der 2.0tdi mit 140 PS dar. Der Pumpe-Düse-Diesel stellt sein maximales Drehmoment (320 Newtonmeter) sanft einsetzend und ab knapp 1.800 Touren zur Verfügung, zudem tut er das angenehm leise. Gerade in Verbindung mit dem DSG, das frühe Schaltpunkte und damit einen günstigen Verbrauch mit flotten Fahrstil verbindet, ist der 2.0TDI empfehlenswert. Im Kaufpreis von 26.950 Euro (Ambition-Linie) ist jedoch kein Partikelfilter enthalten, der auch gegen Aufpreis nicht zu haben ist. Gleiches gilt für den bekannten 1.9 TDI mit 105 PS - als Attraction ab 21.650 Euro zu haben. Die EU-4 Norm erfüllen jedoch alle Motoren.
Preisliches
Der Sportback kostet gegenüber dem Zweitürer 650 Euro mehr. Den Anfang macht der 1.6 mit 102 PS und Fünfgang-Getriebe in der „Attraction“ genannten Basisausstattung.
Die Aufpreisliste entspricht ansonsten der des zweitürigen A3. Neu sind die Positionen „Regensensor“ (€240,-) inklusive Abblendlichtautomatik und Dachreling (€260,-). Für den antrittstarken Motor 2.0tdi sind 225er Reifen auf 17-Zoll Felgen und die sportlichere Fahrwerksabstimmung empfehlenswert (Serie bei 2.0TFSI, 3.2 V6 und Ambition-Ausstattung). Die Kombination aus Sportfahrwerk und Breitreifen zeichnet sich durch erhöhte Spurtreue und erhöhte Traktion aus, bietet also deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten bei durchaus vorhandenem Komfortpotenzial.
Nicht zuletzt wegen des Wiederverkaufswertes sollte man in eine Klimaanlage investieren, sie schlägt mit 1.390 Euro zu Buche.
Abschließendes
Der Sportback ist eine Bereicherung des Segmentes der Premium-Kompakten. Zwar ist er konzeptionell kein echter Kombi, doch bietet er gegenüber dem Zweitürer mehr als den bequemen Fond-Zustieg. Das Platzangebot für Hintensitzer ist für diese Klasse überdurchschnittlich, die Materialqualität im Innenraum normalerweise eine Klasse höher angesiedelt.
Technisch ist kein Mitbewerber so vielseitig ausrüstbar wie der A3 Sportback (DSG, Quattro), von dem überzeugenden 200 PS-Turbo oder der Topmotorisierung mit 250 PS ganz zu schweigen.
Auch emotional legt der kleine Ingolstädter vor: Kein Konkurrent tritt im Rückspiegel so dynamisch auf, keiner hat diese ausgewogenen Proportionen.
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