Kaufberater: Audi A4, BMW 3er und Mercedes CLK Cabrio – Gutes muss nicht teuer sein

Jetzt, wo die ersten Sonnenstrahlen den Winter endlich in die Schranken weisen, steht wieder die alljährliche Überlegung an: Cabriolet ja oder nein? Und wenn ja, welches?

Die Angebote der Neuwagenliga sind natürlich vielversprechend, doch selbst mit attraktiven Finanzierungslösungen meist noch unverschämt teuer. Dabei ist das sonnige Schwelgen in Luxus leicht erreichbar, denn offene Premium-Flitzer der jüngeren Vergangenheit sind mittlerweile erstaunlich günstig und lassen sich viele feine Exemplare in der Gebrauchtwagenbörse von AutoScout24 finden. Dass die Gebrauchten von Audi, BMW und Mercedes nach rund zehn Jahren durchaus für den kleineren Geldbeutel geeignet sind, liegt an ihrem rasanten Wertverlust in den ersten Jahren. Als Neuwagen bewegten sich die offenen Audi A4, BMW 3er (E 46) und das erste Mercedes CLK Cabrio (W 208) im Bereich um 50.000 Euro, doch nach drei Jahren schrumpfte ihr Wert bereits durchschnittlich um satte 53 Prozent.

Und das war noch nicht das Ende der Spirale, denn heute bietet der Gebrauchtmarkt diese Kandidaten für deutlich unter 10.000 Euro. Dabei bedeutet die Entscheidung für eines dieser luxuriösen Cabriolets keineswegs einen finanziellen Aderlass beim monatlichen Unterhalt. Alle Modelle sind sowohl mit sparsamen Vier- als auch mit potenten Sechszylindern erhältlich, was die Abstimmung auf die eigenen Bedürfnisse und Geldbeutel problemlos möglich macht.

Champagner statt Selters - die Motoren

Was bei den Neuwagen populär war, ist bei den Gebrauchten mitunter ein echtes Verkaufshindernis. Waren die Cabriolets in ihrem ersten Leben häufig Firmenwagen, bei denen das Beste gerade gut genug war und die Unterhaltskosten nur eine untergeordnete Rolle spielten, so sind bei den Zweit- und Drittbesitzern die Kosten pro Kilometer oftmals kaufentscheidend. Doch etwas Luxus darf es auch hier sein, gerade, wenn das Cabriolet nur wenige Kilometer im Sommer bewegt wird und zudem noch etwas Fahrdynamik gefragt ist.

Bei Audi offerierte man dem Kunden ab Markteinführung 2002 einem 3,0-Liter-V6 mit 220 PS. Der Fünfventiler, der mit dem schweren Auto ein leichtes Spiel hat, ist kernig im Sound und munter im Antritt, was er sich allerdings mit rund 13 Litern teurem Super Plus entlohnen lässt. Wer es etwas langsamer angehen lassen möchte, dem bietet der 170 PS starke 2,4-Liter-V6 eine gesunde Basis zur Entspannung.

Bei beiden Aggregaten sollte in jedem Fall der Zahnriemen samt Wasserpumpe gewechselt worden sein, auch wenn die im Wartungsplan vorgeschriebenen 120 tkm noch nicht erreicht sind. Der Grund: Gummi altert und die Hitze im Motorraum macht dem Material zusätzlich zu schaffen. Die Kosten für den Wechsel betragen rund 800 Euro (inklusive Wasserpumpe), was bei den Verhandlungen berücksichtigt werden sollte.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit – Vierzylinder im Audi

Für weniger ambitionierte Fahrer kommen die beiden Vierzylinder in Frage. Mit 1,8 Liter (nach dem Facelift 2,0 Liter) erreicht der Turbo durchaus spritzige 163 PS (200 PS), während der 130-PS-Sauger (2,0 Liter) eigentlich nur etwas für entspannte Naturen ist. Zwar fehlt den Turbo-Aggregaten im Antrieb auf den ersten Metern etwas Volumen, doch liegt erst einmal genug Ladedruck an, bewegen sie den Audi gewohnt dynamisch vom Fleck. Dazu stimmt sogar noch der Ton, den der Turbolader verleiht dem Motor ein angenehmes Soundbild. Wartung und Verbrauch bewegen sich zudem auf einem erfreulich niedrigem Niveau, was diese Motoren durchaus zu Alternativen der teuren V6-Aggregaten qualifiziert.

Klassischer Reihensechser bei BMW

Nur wenige Kilometer weiter, in München, setzte man traditionell auch auf den Sechszylinder, allerdings in klassischer Reihenbauweise. Ab 2,0 Liter darf hier dem Konzert der sechs Töpfe gelauscht werden. 170, 193 und 230 PS lautet die feingliedrige Abstufung, bei der jeder seinem Temperament entsprechend das richtige Aggregat findet. Die Motoren gelten als standfest und machen nur durch leckende Zylinderkopfdichtungen oder Ölwannendichtungen auf sich aufmerksam. Gelegentlich ausfallende Nebenaggregate sind dagegen kaum symptomatisch für diese Motoren und treffen jedes ältere Auto immer mal.

Wer weniger Leistung möchte, für den gibt es einen zuverlässigen 1,8-Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Dieser erledigt im schweren BMW seinen Job, und ist die ideale Besetzung, wenn es darum geht, die tägliche Routine im Stadtverkehr abzuspulen ohne regelmäßig ein Monatsgehalt an die Mineralölindustrie überweisen zu müssen.

BMW 3er Cabriolet

+

  • Langlebige und wartungsfreundliche Motoren

  • Hochwertige Innenraumqualität

  • Geräumiger Innenraum mit guter Sitzqualität im Fond

  • Zahlreiche Sonderausstattungen lieferbar

  • Nur mäßige Lederqualität

  • Verschlissene Vorderachsen

  • Unrunde Bremsscheiben an der Vorderachse

    Daimler

Als einziger Hersteller kann Mercedes mit einem V8 im Cabriolet aufwarten. Audi hatte zwar mit dem Sportgerät S4 ein ähnlich potentes Aggregat im Sortiment, das Auto übersteigt derzeit allerdings noch die hier gesteckte Preisgrenze, sodass der Liebhaber bulliger Töne auf den 279 PS starken CLK 430 zurückgreifen muss.

Etwas weniger aber dennoch ausreichend Leistung bietet der bewährte V6 mit der Typenbezeichnung CLK 320 und 218 PS. Mit ihm wird der CLK zum Luxusgleiter, ohne bei Verbrauch das Budget über Gebühr zu strapazieren. Darunter rangieren diverse Vierzylinderderivate. Ab 136 PS im CLK 200 startet das Motorenprogramm. Mit 193 PS ist der 230 Kompressor zwar flott, aber leider auch etwas emotionslos, denn in Sachen Geräuschentwicklung erinnern diese Motoren eher an einen Staubsauger als an einen gepflegten Verbrennungsmotor mit sportlichem Anspruch.

Das Gute an sämtlichen Mercedes-Motoren ist ihre sprichwörtliche Haltbarkeit. Ausfälle sind, egal bei welcher Motorisierung, ein Fremdwort und kommen nur bei wirklich groben Misshandlungen vor. Kleinigkeiten, wie defekte Luftmassenmesser oder ausfallende Zündspulen, sind mit zunehmendem Alter aber auch hier unvermeidlich.

Für Vielfahrer – die Dieselalternative

Für die, die mit ihrem Cabriolet häufig auf große Fahrt gehen möchten, bieten Audi und BMW eine Dieselalternative an. Mit dem V6-TDI in den beiden Leistungsstufen 163 beziehungsweise 180 PS gibt es im Audi A4 Cabriolet genug Dampf für ordentliche Fahrleistungen bei geringem Verbrauch. Ein lautes Arbeitsgeräusch, sowie eine wenig harmonische Leistungsentfaltung gehören zu den Schwächen dieser Motoren.

Richtig teuer wird es, wenn der Turbolader seinen Geist aufgibt (Schwarzrauch), die Nockenwellen verschlissen sind (Leistungsverlust) oder die Einspritzpumpe vom Exitus bedroht ist. BMW-Liebhaber sind da besser dran. Die beiden erhältlichen Dieselmotoren, ein 2,0-Liter-Vier- und ein 3,0-Liter-Sechszylinder (erst ab 2003) mit 150 beziehungsweise 204 PS halten zwar nicht ewig, aber bis 200.000 Kilometer sind bei regelmäßiger Wartung kaum Probleme zu befürchten. Wer bei Mercedes nach einem Cabrio mit Selbstzünder sucht, wird dagegen enttäuscht: Ausgerechnet Dieselpionier Daimler hielt zum Zeitpunkt des ersten CLK diese Kombination schlicht für überflüssig.

Audi A4 Cabriolet

+

  • Geräumige Karosserie mit hochwertiger Verarbeitung

  • Zahlreiche Motorisierungsversionen

  • Solides Verdeck

  • Gut ausgebautes Händlernetz

  • Lange Wartungsintervalle

  • Als einziger mit Allrad lieferbar

  • Hohe laufende Kosten ( 3,0 Liter, Quattro-Modelle)

  • Teure Ersatzteile

  • Teilweise unbefriedigende Fahrwerksqualität durch ausgeschlagene Buchsen an der Vorderachse

  • Undichtigkeiten bzw. Windgeräusche am Verdeck

  • Motorschäden durch defekte Steuerketten (3,0 Liter Benziner), bzw. Nockenwellen (Diesel)

  • Defekte Zündspulen und Luftmassenmesser

    Schalten oder lassen

Mit dem großen Cruiser-Cabriolet kommt die Entspannung ins Autofahren zurück. Denn auch wenn die drei Probanden durchaus Power unter der Haube haben können, so richtige Kurvenräuber sind sie nicht, weswegen gerade die Sechszylinder oft mit Automatikgetrieben kombiniert wurden. Bei Mercedes macht die im Haus gefertigte Fünfgang-Automatik erwartungsgemäß keine Probleme, während die ZF-Boxen von Audi und BMW schon eher zu Beanstandungen führen. Vor allem das Audi-Getriebe ruckelt beim Schalten und macht durch Undichtigkeiten auf sich aufmerksam. Zudem verzichtete Audi auf die eigentlich technisch notwendigen Ölwechsel, was ab 100.000 Kilometer zu unsauberem Schaltverhalten, bis hin zu kapitalen Schäden, führte.

Eine besonders unrühmliche Stellung nimmt in diesem Zusammenhang auch das Multitronic-Getriebe der Ingolstädter ein. Die stufenlose Automatik ist bis heute defektanfällig und wurde anfangs schon bei niedrigen Kilometerständen auf Kulanz getauscht. Heute kostet diese Übung rund 4.500 Euro. Fahrzeuge mit ersetztem Getriebe sind daher häufig am Markt anzutreffen, jedoch bürgt der Ersatz des Automaten nach wie vor nicht für eine anhaltend pannenfreie Fahrt. Zudem verlangt die Multitronic nach alle 60.000 Kilometer nach einem Ölwechsel, der im Interesse einer längeren Lebensdauer penibel einzuhalten ist.

Alte Liebe rostet nicht - oder doch?

Wer sich rund zehn Jahre nach Produktionseinstellung den drei Cabriolets nähert, erkennt auch mit wenig Sachkenntnis die Unterschiede. Audi und BMW stehen, ordentliche Pflege vorausgesetzt, fast wie Neuwagen da. Am großzügig verzinkten Audi hat Rost ebenso wenig eine Chance, wie an dem BMW. Anders der Mercedes. Er plagt sich, wie nahezu alle Modelle der Stuttgarter aus dieser Zeit, mit erheblichem Rostbefall herum. Besonders an den Wagenheberaufnahmen unterhalb der Plastikschweller, den Durchbrüchen an den Klappen und Hauben für Markenemblem und Schlösser aber auch in Sicken und Fugen wirft der Lack Blasen oder sickert braunes Rostwasser heraus. Abhilfe gibt es im Prinzip keine und der Rost wird im Laufe der Jahre auch nicht weniger, was den CLK nicht als Fahrzeug für die Ewigkeit prädestiniert. Hinzu kommt, dass der Rost sich auch am Fahrwerk des Mercedes einnistet. Der TÜV kennt dieses Problem und verweigert deshalb mitunter die Plakette.

Mercedes CLK Cabriolet

+

  • Geräumiger Innenraum

  • Ausgereifte Motoren mit hoher Standfestigkeit

  • Komfortable Fahrwerksabstimmung

  • Übersichtliche Bedienung

  • Ausgereifte und solide verarbeitete Verdeckkonstruktion

  • Niedrige Unterhaltskosten

  • V8-Motor lieferbar

  • Rostanfällige Karosserie und Achsaufhängung

  • Schwitzende Aggregate

  • Defekte Zündspulen und Luftmassenmesser

  • Billige Materialanmutung im Innenraum

  • Anfällige Elektronik im Navi-System und der Instrumentierung

    Gutes von Gestern

Direkte Sonneneinstrahlung, mal ein Regenschauer bei offenem Dach und dazu deutlich mehr abrasiver Staub auf den Sitzen - die Widrigkeiten, mit denen die Innenräume der Cabriolets fertig werden müssen, sind eine Belastungsprobe für die Materialqualität. Audi und BMW trotzen dem Stress mit langanhaltend guter Qualität. Nur Kleinigkeiten sind bei den beiden zu bemängeln. So löst sich bei Audi bis 2005 der Softlack von Schaltern und Hebeln und auch die Ledersitzbezüge wirken mit den Jahren etwas abgegriffen. Bei dem BMW sieht es hinsichtlich der Kunststoffqualität besser aus, aber auch seine Sitzbezüge neigen zum vorzeitigen Verschleiß.

Der Mercedes bildet erneut das Schlusslicht. Zahlreiche verschiedene Kunststoffoberflächen, billig wirkendes Leder und klapprige Schalter wirken heute noch viel weniger anziehend als bei der Auslieferung. Hinzu kommt, dass das Navigationssystem mit Totalausfällen zu kämpfen hat und das Kombiinstrument Pixelfehler aufweist.

Gut behütet – die Verdecke

Wie weit die drei Edel-Cabriolets von den Modellen der billigen Kompaktklasse entfernt sind, merkt man spätestens bei den Verdecken. Haltbare und edel anmutende Stoffverdecke sind in dieser Klasse Standard, ebenso wie eine elektro-hydraulische Betätigung. Arbeitet diese problemlos und flüssig, ist eine Problemzone sicher umschifft. Zusätzlich sollte aber auch dem Innenleben der Verdecke Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Fahrzeuge verfügen alle über einen separaten Innenhimmel, der, wird das Verdeck in feuchtem Zustand zusammengefaltet, schnell spakig werden kann. Die Heckscheiben der drei Modelle sind dagegen problemlos, da sie alle aus Glas sind und auch im Winter dank einer Heckscheibenheizung schnell eisfrei zu bekommen sind.

Die Kosten

Cabriofahren in der Premiumklasse muss nicht teuer sein, so der Grundgedanke. Und tatsächlich stehen bei AutoScout24 für rund 8.000 Euro von allen drei Modellen reizvolle Exemplare zur Auswahl. Wer dabei nur wenig Kilometer im Jahr fährt und über einen niedrigen Schadenfreiheitsrabatt verfügt, für den lohnen sich die potenten Sechszylinder. Sie machen das Vergnügen am offenen Edel-Gleiter perfekt und benötigen bei sinniger Fahrweise nicht mehr Kraftstoff als ihre Brüder mit Vierzylindern und kosten in der Anschaffung kaum mehr. Die schwächeren Modelle eigenen sich dagegen besonders für kostenbewußte Cabriofans.

Nicht verzichten sollte man angesichts der hohen Komplexität auf eine Gebrauchtwagenversicherung oder eine Gewährleistung vom Händler. Denn sonst könnte man bereits nach dem ersten Defekt am offenen Luxusliner ziemlich im Regen stehen. Ob Audi, BMW oder Mercedes dürfte in der Regel eine Geschmacksfrage sein. Bei Audi empfiehlt sich für Wenigfahrer vor allem der sportliche V6 mit 220 PS und Allradantrieb. Er bietet alles, was man von einem Luxusliner erwartet und bereitet dabei viel Fahrspaß. Die Vierzylinder sind eher etwas für die tägliche Routine zwischen Kita und Einkaufszentrum. Der Diesel ist nur bedingt zu empfehlen, nervt er doch im Alter zunehmend mit hohem Kosten durch teure Reparaturen.

Bei BMW sind es natürlich ebenfalls die Sechszylinder, die eine Empfehlung wert sind, während der Vierzylinder zwar keine schlechte aber eben eine etwas emotionslose Entscheidung darstellt.

Der CLK bildet in diesem Trio dagegen das Schlusslicht. Sein Hauptproblem ist die wenig befriedigende Karosseriequalität, die die Suche nach einem ordentlichen Auto zu einem Geduldsspiel werden lässt, an dem man schnell die Lust verliert.

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