Maserati GranCabrio Folgore (2026) im Test: Zwischen Freud und Leid

Das Wichtigste zuerst
AutoScout24-Bewertung: 7,9 von 10 Punkten
Der Maserati GranCabrio Folgore ist ein elektrisches Luxus-Cabrio mit drei Elektromotoren, Allradantrieb und 560 kW / 762 PS. Im Overboost sind kurzzeitig bis zu 610 kW / 830 PS verfügbar. Im Test des Modelljahrs 2026 überzeugt der mindestens 164.395 Euro teure Viersitzer durch sein agiles Handling, den hohen Fahrkomfort und einen wertigen Innenraum. Dem stehen Testverbräuche von 35 bis 50 kWh/100 km und realistische Reichweiten von rund 160 bis 270 Kilometern gegenüber. Die Batterie fasst 83 kWh netto, die maximale DC-Ladeleistung beträgt 270 kW. Kritik verdienen außerdem die umständliche Bedienung und die lückenhafte Ladesäulenerfassung im Navigationssystem.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Wie gelassen der Maserati die Leistung auf die Straße bringt.
Was wir vermissen
Einen effizienteren Antrieb und eine größere Batterie.
Ideal, wenn …
… man den Luxus des Offenfahrens mit der Lautlosigkeit eines E-Antriebs kombinieren will.
Die Alternativen
Elektrisch? Bisher nichts. Mit Verbrenner: Maserati GranCabrio Trofeo, Mercedes-AMG SL, Porsche 911 Cabriolet, Aston Martin Vantage Roadster
Stärken
- Starker Antrieb
- Sportliches und zugleich ausgewogenes Handling
- Hochwertiger Innenraum
Schwächen
- Hoher Verbrauch & geringe Reichweite
- Teils umständliche Bedienung
- Teuer in der Anschaffung
Die elektrische Gegenwart von Maserati
Irgendwie ist es ja schade, dass Maserati mit seinen Folgore-Modellen kein wirklicher Erfolg beschert ist. Auch wir waren damals bei der ersten Vorstellung des Supersportwagens MC20 zugegebenermaßen skeptisch, ob die Marke mit dem Dreizack in einer rein elektrischen Autowelt bestehen könnte. Schließlich sollte es auch einen MC20 Folgore geben, dem Anfang 2024 nach zähem Ringen um die nächste Finanzierungsrunde innerhalb des Stellantis-Firmengebildes der Stecker gezogen wurde.
Heute wissen wir: Der Verbrenner wird besonders bei Sportwagenherstellern noch deutlich über 2035 hinaus eine Rolle spielen. Die Kunden wünschen das so. Und wir stehen dann erstaunt vor dem Maserati GranCabrio Folgore und rätseln, was sich seine Ingenieure ganz genau bei diesem Auto gedacht haben. Wir sind da ein bisschen hin- und hergerissen zwischen Freud und Leid. Da wären zunächst die Leistungsdaten, die schier überwältigend sind: Bis zu 560 kW / 762 PS unter Normalbedingungen, ganze 610 kW / 830 PS im kurzzeitig verfügbaren Overboost-Modus.
Beim Verbrauch bricht auch der Folgore nicht mit der Markentradition
Bis zu 1.350 Newtonmeter Drehmoment bringen die drei Permanentmagnet-Synchronmotoren (einer vorne, zwei an der Hinterachse) auf die Straße und beschleunigen den 2,4-Tonner innert 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Und jetzt wird’s wild: Anders als viele andere sportliche Stromer erreicht der GranCabrio Folgore eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 290 km/h. Ab hier beginnt sich die Freud dann auch langsam in das angekündigte Leid zu verwandeln, da der Stromverbrauch schlicht exorbitant ausfällt. 35 bis 50 kWh im Durchschnitt (!) sind keine Seltenheit, und wer nun meint, wir wären stets mit durchgetretenem Pinsel unterwegs gewesen, der irrt.
Selbst bei angenehmen 130 bis 150 km/h auf der deutschen Autobahn stehen mehr als 30 kWh im Bordcomputer. Kombiniert mit einer vergleichsweise kleinen Batterie von gerade einmal 83 kWh netto ergeben sich realistische Überlandreichweiten von 160 bis 270 Kilometern. Und das unter spätsommerlichen Idealbedingungen. Es sei an dieser Stelle allerdings erwähnt, dass wir noch mit dem Modelljahr 2026 unterwegs waren. Das aktuelle Modelljahr 2027 soll derweil mit dem sogenannten „Wheel End Disconnect System“ ausgestattet sein, das automatisch vom Allrad- in den Hinterradmodus schalten kann, um Energie zu sparen. Ob und wie sich diese Neuerung auf tatsächlich den Verbrauch auswirkt, können wir an dieser Stelle jedoch nicht beurteilen.
Immerhin: Dank der 800-Volt-Basis gelingen DC-Ladevorgänge mit bis zu 270 kW, das standardmäßige 10-auf-80-Prozent-Laden gelingt in unter 30 Minuten. Gelegenheit, dies auszuprobieren, gibt es beim Maserati GranCabrio Folgore ja reichlich.
König der Landstraße
Von den unschönen Dingen zurück zur Freude - und zwar jener auf der Landstraße. Das ist schon ziemlich großes Kino, was das GranCabrio hier veranstaltet. Offenfahren ist immer etwas Feines, ganz besonders aber, wenn es völlig lautlos geschieht. Ja, da schaut der Petrolhead in uns jetzt zornig, aber 762 PS, 1.350 Nm und ein hecklastiger Allradantrieb lassen einen eben nicht kalt. Ganz gleich, ob vorne nun ein Verbrenner schnaubt oder nicht.
Darüber hinaus ist den Fahrdynamikern in Italien eine ziemlich gute Fahrwerksabstimmung gelungen. Die Lenkung agiert ausgewogen, ohne übertrieben spitz anzusprechen, und das adaptive Fahrwerk bewahrt trotz aller Sportlichkeit reichlich Restkomfort. Echtes Torque Vectoring regelt über die beiden jeweils 300 kW starken E-Maschinen an der Hinterachse die Drehmomentverteilung zwischen den Hinterrädern. Dazu kommen standfeste Stahlbremsen; Carbon-Keramikstopper sind nicht im Angebot.
Innen luxuriös, aber nicht immer einfach zu bedienen
Im Innenraum geht es entsprechend dem Grundpreis von 164.395 Euro ziemlich luxuriös zu. Kaum eine Stelle, die nicht mit Leder oder lederähnlichem Material bezogen ist, die GT-Sitze sind wie geschaffen für die lange Reise und feine Details wie etwa die eigens entwickelten 3D-Carbon-Applikationen schmeicheln dem Auge.
Weniger schmeichelhaft ist dagegen die Bedienbarkeit des GranCabrio. Ja, das mögen sie mit dem Facelift Anfang 2026 etwas entschärft haben, im Testwagen jedoch wirkt das stellenweise noch etwas wirr. Weder ist die Gangauswahl über Tasten unterhalb des Zentraldisplays intuitiv, noch lassen sich die Lenkradtasten bei Sonneneinstrahlung gut ablesen. Und das bei einem offenen Sportwagen.
Dass das Verdeck selbst ebenfalls per Wisch-und-Weg-Funktion bedient werden muss, ist eine Sache, die dem Nachwuchs vielleicht gefällt - aber wirklich dem gesetzten Maserati-Kunden? Und wie so oft ist man als Elektroautofahrer darauf angewiesen, die eigenen Ladeapps auf dem Smartphone zu nutzen, wenn es um die Ladesäulenauswahl geht. Viele, gar nicht mal so neue Ladepunkte kennt der Maserati gar nicht, die Ladeplanung auf der Langstrecke ist daher mit Vorsicht zu genießen.
Fazit
Freud und Leid, sie liegen beim Maserati GranCabrio Folgore sichtlich nah beisammen. Das Design, die Leistung und das Handling sind wahrlich superb, die hohen Verbrauchswerte in Verbindung mit der kleinen Batterie dagegen eine große Unbill. Das ständige Nachladen nervt dabei mindestens genauso wie das Blinkergeräusch, das in seiner unästhetischen Art nicht zu solch einem stilvollen Auto passt. Der Rest ist bekanntlich eine Geschmacks- und vor allem Preisfrage. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Armin Hoyer für as24)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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