Grenzbereich: Mercedes F-Cell World Drive – Mit Wasserstoff um die Welt

30.000 Kilomter fuhren sie, allein mit Wasserstoff angetrieben, um den Globus. Jetzt sind sie zurück – und passiert ist eigentlich nichts... So unspektakulär das Ergebnis klingt, so erfreulicher ist es für Mercedes. Denn die Daimlersche Weltumrundung hat gezeigt: Der Brennstoffzellenantrieb, befüttert mit Wasserstoff, funktioniert. Egal ob bei Minusgraden, wie sie beim Start im Januar 2011 in Stuttgart vorherrschten, bei mediterranenen Temperaturen wie auf der von uns begleiteten Etappe in Portugal oder bei sengender Hitze in Australien: Die Brennstoffzelle funktionierte tadellos und die Testwagen, drei umgebaute B-Klassen, liefen und liefen und liefen.
Aus Wasser mach Strom
Herzstück der B-Klasse F-Cell ist die Brennstoffzelle, die aus dem mitgeführten Wasserstoff Strom erzeugt und diesen entweder direkt an den Elektromotor schickt oder in einem Lithium-Ionen-Akku mit 1,4 Kilowattstunden Kapazität speichert. Das Triebwerk selbst sorgt mit 136 PS und einem Drehmoment von 290 Newtonmeter für durchaus flottes Vorankommen. Und freilich wird beim Bremsen oder Dahinrollen der Akku auch durch Rekuperation wieder geladen.
Das Beste dabei: Die B-Klasse F-Cell fährt nicht nur lokal emissionsfrei – hinten kommt nur Wasser raus –, sondern ist auch vollkommen alltagstauglich: Elektromotor und Brennstoffzellentechnik inklusive der drei Tanks sind im sogenannten Sandwichboden verbaut. Das spart Platz und sorgt zusätzlich für einen tiefen Schwerpunkt. Der Kofferraum bleibt mit 416 Litern ausreichend geräumig.
Erster Langstreckentest
Nun ist die B-Klasse F-Cell wahrlich kein neues Auto, schon seit 2010 fahren einige Testfahrzeuge einer Kleinflotte in Kundenhand durch Europa und die USA. Einen derartigen Langstreckenversuch hat es allerdings noch nicht gegeben. Wie auch: Auf eigene Faust ist schon eine kleine Urlaubsreise mit einem Wasserstoff-Auto kaum zu stemmen, schließlich gibt es kaum Tankstellen.
An genau zwei öffentlichen Wasserstoff-Tanken kamen die B-Klassen vorbei. Kurz nach der Abfahrt in Stuttgart, und in Los Angeles. Insgesamt gibt es rund um den Globus lediglich 200 Tankstellen, sieben davon in Deutschland. Zumindest hierzulande will Daimler zusammen mit Linde das ändern: In den nächsten drei Jahren sollen 20 zusätzliche Zapfsäulen entstehen und die Versorgung entlang der Tangentialen sichern. Dann soll auch eine Reise von Hamburg nach München oder von Berlin nach Frankfurt möglich sein.
Erfahrene Weltenbummler
Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, und den B-Klasse-Fahrern hätte es auch nicht viel genutzt. Doch für Daimler ist das kein Problem, schließlich sind die Stuttgarter erfahrene Weltenbummler. Schon 1909 durchquerte ein Mercedes Afrika und 2006 führte der Dieselmarathon die BlueTec-E-Klasse von Paris nach Peking.
Für F-Cell-Tour wurde kurzerhand ein Konvoi von Begleitfahrzeugen zusammengestellt, unter anderem mit mobilen Wasserstofftankstellen von Linde, die die B-Klassen rund alle 400 Kilometer wieder auffüllten, diversen Servicemobilen, einer fahrbaren Werkstatt und weiteren Autos für die zahlreichen Helfer, ohne die die Tour nicht möglich gewesen wäre. Dass der ganze Tross freilich nicht, wie die B-Klasse F-Cell, emissionsfrei unterwegs war, sei nur am Rande erwähnt.
Von Unfällen und Asbestanzügen
Und die ein oder andere Anekdote hatten die Globetrotter dann doch zu erzählen. Wenn schon die Brennstoffzellen selbst nicht für spannende Geschichten sorgen, so tun es eben andere Autofahrer. Zum Beispiel der Kasache, der zwischen Almaty und Balkhash eine der drei B-Klassen rammte – kaputt gingen die Hinterachse und die Stoßdämpfer, nicht aber das Wasserstoffsystem. Oder die Geschichte von der kasachischen Feuerwehr, die unmittelbar nach der Grenze den Tross erwartete: in Asbestanzügen.
Doch auch die Brandschützer konnten schnell überzeugt werden, dass Wasserstoff und die Brennstoffzelle absolut alltagstauglich sind. Und bei Daimler ist man nach der Tour sogar so euphorisch, dass man den Start der Großserienproduktion um ein Jahr auf 2014 vorziehen will. Bleibt nur zu hoffen, dass dann genügend Tankstellen verfügbar.
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