Erster Test: Mercedes-Benz SLS AMG GT – Verschärft hobeln

Zum Glück können wir den Mercedes SLS AMG GT auf den Hockenheimring entführen. Die Formel für einen verschärften SLS - der schon in der Basis als Sportwagen überzeugt - ist simpel: Mehr Leistung, weniger Komfort. Härteres Fahrwerk ohne den Komfortmodus der Standardversion und 20 Extra PS (jetzt 591) die in einem um 0,1 auf 3,7 Sekunden verkürzten Standardsprint und eine leicht angehobene Vmax von 320 km/h resultieren. Für den Stammtisch sind das jedoch keine Argumente, der Unterschied zum Basis-SLS scheint doch marginal.
Wenig mehr…
Weniger marginal ist die deutlich spitzere Auslegung des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes. Bisher überzeugte es vor allem durch ausgefeilte Schaltvorgänge, die Mercedes-typisch unmerklich realisiert werden. Doch im GT traute man sich, sie nicht nur noch ein wenig schneller durchzuführen, sondern im manuellen Modus auch spürbar härter umzusetzen. Für Chefentwickler Tobias Moers ist das ein wichtiger Punkt, der den SLS GT noch emotionaler macht und seine Sportlichkeit noch erlebbarer.
…ist deutlich mehr
Denn seien wir ehrlich: Auch der SLS-Kunde mit einigen Fahrertrainings im Logbuch wird in seiner Leistungsfähigkeit meist weit hinter den Möglichkeiten seines Autos zurückbleiben. Die hundertstel Sekunde, die er theoretisch durch auftretenden Schlupf beim jetzt härteren Schaltvorgang verlieren könnte, ist für ihn weniger wichtig als der Spaß der sich einstellt, wenn er ein leicht tänzelndes Heck lächelnd korrigieren darf.
Grenzbereich
Unsere Testbedingungen auf dem Hockenheimring waren für Rundenzeiten ehrlicherweise suboptimal doch bestens geeignet, um den Wahnsinn des Rennsports in einem Serienauto erfahrbar zu machen: Bei Temperaturen von deutlich unter zehn Grad bauen Reifen und Asphalt zu keiner Zeit genügend Grip auf. Umso mehr konnte der SLS GT jedoch seine Beherrschbarkeit zeigen, vor allem ab dem Kurvenscheitelpunkt, wo das Gaspedal nur gefühlt im Zehntelmillimeterbereich bewegt werden darf um die Beschleunigung zu maximieren und die Gierrate zu minimieren.
Gift im Gasfuß
Der Hochdrehzahl-V8 darf im GT nun noch etwas freier atmen, was das Ansprechverhalten spürbar verschärft. Auch hier sind es nicht die für das Autoquartett wichtigen 20 PS die zählen, sondern die Art wie diese Mehrleistung umgesetzt wird. Das gleiche gilt für das Fahrwerk: Schon die Grundabstimmung ist bei Feder- und Dämpferkennung deutlich straffer, der Komfortmodus ist gestrichen und durch eine Sport+ Modus (gut für Hockenheim) ersetzt, für die Landstraße (und die Nordschleife) gibt es den Sport-Modus.
Auch schön
Weil ein SLS von Mercedes kommt, dürfen Komfort und ein bisschen Prunk auch beim GT nicht fehlen, weshalb es auch neue Lederoptionen mit gelungener Rautensteppung (5.771,50 Euro) und eine 1.000 Watt Bang und Olufsen-Surround-Anlage (7.080,50 Euro) gibt. Zugegeben: Auf der Rennstrecke ist beides sicher nicht wichtig, doch auf dem Weg nach Hause eben schon und beides verbindet die Sportlichkeit des Autos mit seiner Exklusivität. 20.000 Euro Aufpreis für 20 PS hören sich nach einem schlechten Deal an, vor allem weil sich der GT optisch vom normalen SLS kaum unterscheiden lässt. Doch dem Fahrer ist das herzlich wurscht, weil er weiß, dass er den sportlicheren, leistungsfähigeren und ehrlicheren, weil noch geileren SLS fährt. Der AMG SLS GT ist für 204.680 Euro Understatement auf wirklich hohem Niveau.
Und für das Autoquartett gibt es schließlich noch den Black Series.
PS: Ja, für den Boulevard und den Ausflug ins Café gibt es den GT auch als Cabrio.
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