Erster Test: Opel Astra OPC – Die Farbe und die Kraft

"Mehr Emotion" ist das Credo der sportlichsten Opel Modelle und die kommen aus der hauseigenen Tuning-Schmiede namens OPC, dem Opel Performance Center.

Im Falle des Opel Astra GTC OPC - schon serienmäßig kein Leisetreter - kommen neben der lauten Farbe auch eine krawallige Optik und ein potenter 240 PS Turbomotor zum Einsatz. Vom passenden Auspufflärm ganz zu schweigen.
Passend zum alltagsfernen Gehabe des kompakten Zweitürers haben die Opel-Mannen den Ort der ersten Präsentation gewählt: Die Targa Florio nahe dem sizilianischen Palermo war in den 20er bis in die 60er Jahre eine der anspruchvollsten Rennstrecken. Laut DTM-Pilot Manuel Reuter ist gegen diesen Kurs sogar die Nordschleife des Nürburgrings "ein Kindergarten". Er muss es wissen, hat er doch ebendort den neuesten OPCs den letzten Feinschliff verpasst.

Schlaglöcher und Dellen

Tatsächlich ist die Targa Florio heutzutage in einem teils bedauernswerten Zustand: Tiefe Dellen im Asphalt, quadratmetergroße Schlaglöcher und hängende Kurven, dazu ein glatter, teilweise fehlender Asphalt. Doch das ist noch vergleichsweise harmlos, wenn man die Sprunghügel, unrunden Kurven und plötzlich auftauchendes Ziegenvolk bedenkt.

Beste Bedingungen also, um einen 240 PS Fronttriebler auf Herz und Nieren, Beschleunigung und Fahrdynamik, Brems- und Eigenlenkverhalten zu testen?

"Wohl kaum!" mag der geneigte Leser denken, doch tatsächlich offenbaren Strecke und Auto schon nach den ersten Kurven wie das Fazit ausfallen würde. Doch der Reihe nach...

Kein Spaß...

240 PS reichen im stärksten Astra für eine wirklich sportliche Beschleunigung: 6,4 Sekunden vergehen laut Hersteller beim Spurt auf Tempo 100, erst bei über 240km/h ist Schluss mit Vortrieb. Nachgemessen haben wir das nicht, denn es macht einfach keinen Spaß, ständig die Tachonadel auf der etwas unübersichtlichen Skala im Auge zu behalten, während man einhändig versucht eine Stoppuhr zu starten um gleichzeitig noch flott das (knackige) Sechsganggetriebe zu bedienen, während die 19-Zoll Vorderräder ständig versuchen auf der Hoppelpiste einen eigenen Kurs einzuschlagen - das sollen andere machen.

Spaß dagegen macht es, die kommende Kurve auf einen zueilen zu sehen, die gefühlte Beschleunigung ist "sauschnell". Dank Sport-Taste des IDS-Fahrwerks ist die Lenkung angenehm straff, so dass der Scheitelpunkt präzise anzupeilen wäre. Doch kaum eine der unzähligen Kurven der Targa ist in einem Rutsch zu fahren, der Scheitelpunkt versteckt sich wiederholt erfolgreich und der druckvoll einsetzende Turbo reagiert sensibelst auf kleinste Fußbewegungen.

Fehlerverzeihend

Unter diesen Umständen schleichen sich schnell Fahrfehler ein, man provoziert ungewollte Lastwechsel. Doch die bringen das neutral ausgelegte Fahrwerk des OPC nicht aus der Ruhe, der Wagen ist bis in den sehr hoch angesiedelten Grenzbereich gut kontrolliert unterwegs.

Übertreibt man es und lässt das Heck gen Kurvenaußenrand drängeln, wartet das ESP erfreulich lange mit seinem sanften Eingreifen. Tatsächlich kann man den Wagen außerordentlich schnell durch die Serpentinen werfen, ohne die elektronischen Helferlein bemühen zu müssen. Fangen die an zu regeln, will der Fahrer entweder Spaß haben oder er braucht tatsächlich Hilfe.

Der Motor liefert schon ab etwa 2.000 Touren ein saftiges Drehmoment von 320 Newtonmetern, das in einem breiten Drehzahlband zu Verfügung steht. Gibt man dem 2-Liter Vierzylinder dann auch richtig die Sporen und dreht ihn aus wie er es gerne hat, verraucht die ganze Kraft jedoch allzu schnell am kurveninneren Rad, unter wüstem Gezerre am Volant. Überhaupt scheint der OPC in diesen Situationen übermotorisiert.

...kann auch anders!

Doch es geht auch anders. Nutz man das Drehmoment des Turbos, gelingen die meisten flotten Kurven sogar im dritten Gang. Ein wenig Sanftheit im Gasfuß hilft, die dem Kurvenverlauf angemessene Portion Kraft auf dem Asphalt auch ankommen zu lassen. Eine sich am Kurvenausgang öffnende Lenkung belohnt den Fahrer mit effizienter Beschleunigung.

In der Ruhe liegt die Kraft? Da ist was dran.

Fazit

So ergeben Auftritt des Astra OPC und passender Fahrstil einen Widerspruch. Denn man kann oft und gerne die dicken Walzen rauchen lassen, was gut zur Schweller-Optik und dem rücksichtslosen Doppelrohrauspuffgetöse passen würde. Doch insgeheim ist der durchaus komfortabel gefederte Astra OPC ein sauschneller Kurvenräuber und GT im besten Sinne. Einer, der seinen sportlichen Auftritt auch mit Rundenzeiten zu belegen weiß: Manuel Reuter hat mit ihm die Nordschleife in fabelhaften 8:33 erledigt. Das ist nicht weniger als Streckenrekord in der 2-Liter Klasse.

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