Rolls-Royce Ghost Black Badge im Test: Die dunkle Seite von Goodwood

Der Rolls-Royce Ghost Black Badge kombiniert 600 PS und 900 Nm mit einer Gelassenheit, die teils gespenstisch wirkt. Im Test zeigt sich: Die Luxuslimousine kann nicht nur reisen, sondern auf Wunsch auch erstaunlich vehement die linke Autobahnspur für sich beanspruchen.

Das Wichtigste zuerst

AutoScout24-Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Der Rolls-Royce Ghost Black Badge ist mit 600 PS und 900 Nm die dynamischste Verbrenner-Limousine der Marke und verbindet seinen V12-Schub mit außergewöhnlichem Komfort. Trotz 2,5 Tonnen Leergewicht fährt sich der Ghost auf Wunsch erstaunlich engagiert, bleibt dabei aber stets ein Rolls-Royce: leise, souverän und leider auch sündhaft teuer.

Stärken, Schwächen, Alternativen


Was uns gefällt

Der Sternenhimmel und die tolle Verarbeitung - auch wenn beides eigentlich nur Beiwerk zum grandiosen V12 sind.

Was wir vermissen

Das nötige Kleingeld für die Anschaffung.

Ideal, wenn …

… eine Maybach-S-Klasse zu gewöhnlich und ein Bentley zu hart gefedert ist.

Die Alternativen

Wir sind dann mal so frei: keine.


Stärken

  • Absoluter Fahrkomfort
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Grandioser V12-Biturbo

Schwächen

  • Sehr teuer in der Anschaffung
  • Teils exorbitanter Spritverbrauch
  • Lenkung zu leichtgängig

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Zwölf Zylinder für eine ganz schnelle Nummer

Es ist sodann die höchste Ekstase, die ein Rolls-Royce-Fahrer verbrennerseitig heutzutage erleben kann. Der 600 PS starke Ghost Black Badge ist das dynamischste Modell, das die Engländer im Programm haben, und führt das Thema Fahrgenuss gleichzeitig auf ein neues Level. Schnelle Autos gibt es viele, und so mögen 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h heutzutage nicht sonderlich herausragend wirken. Doch die Darreichungsform macht den Unterschied zu den ordinären Sechs- oder Achtzylinder-Limousinen, von denen es weiterhin reichlich zu kaufen gibt.

So arbeiten hier schließlich 12 Zylinder und 6,75 Liter Hubraum in Tateinheit mit gleich zwei außen angeflanschten Garrett-GT2260S-Turboladern daran, die erlauchte Kundschaft sehr nachdrücklich zu mobilisieren. Zu Zeiten, als Rolls-Royce noch in Crewe produzierte, hätten sie geschrieben, die Leistung sei „ausreichend“. Heute muss das öffentlich einsehbare Datenblatt mit 600 PS und 900 Newtonmetern konkurrenzfähige Fakten liefern. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass das verbaute ZF-8HPG95 gut sein soll für maximal 1.000 Newtonmeter. Aber man ahnt es schon: Es reichen derlei auch die 900.

rolls-royce-ghost-black-badge-seite

2,5 Tonnen Leergewicht sind für den Ghost Black Badge kein Hinderniss

Im Gegensatz zum normalen Rolls-Royce Ghost mit 571 PS und „nur“ 850 Nm wurde die Schaltgeschwindigkeit des „Ultra Heavy Duty“-Getriebes im sogenannten Low-Modus um 25 Prozent erhöht. Jetzt ist es nicht so, dass die Gänge rüpelhaft hereingeschlagen werden. Aber es ist dann doch beachtlich, wie schwungvoll sich so eine 2,5-Tonnen-Limousine fahren lässt - ganz besonders in kurvigem Geläuf. Dort sind es vor allem die größeren Luftkammern der adaptiven Luftfederung, die sich bravourös gegen die durchaus vorhandenen Fliehkräfte stemmen. Hinzu kommt eine Hinterachslenkung, die besonders im Stadtverkehr eine Wohltat beim Parkieren ist.

Wer es raus hat, mit dem Ghost eine schnelle Nummer aufs Parkett zu legen, kann die Kurven auch weiterhin mit zwei Fingern am Volant durchfahren. Ehrlicherweise hätten wir uns in der Lenkung aber etwas mehr Gewichtung und Rückmeldung von der Straße gewünscht. Aber natürlich verstehen wir gleichzeitig: Was wir hier auf der Straße fabrizieren, werden wohl 99 Prozent der Kunden nie erfahren. Eigentlich schade, denn Spaß macht es in jedem Fall. Zur satten Beschleunigung des V12-Triebwerks gehören selbstredend ordentliche Bremsen. Besonders die 395-Millimeter-Scheiben an der Vorderachse sorgen dafür, dass die Fuhre adäquat zum Stehen kommt. Und das laut Tacho selbst aus Tempo 256.

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Der Black Badge besitzt tatsächliche eine Sportabgasanlage

Selbst in der heutigen Zeit sehr starker Elektroautos (der Rolls-Royce Spectre Black Badge leistet bis zu 680 PS) ist es nicht normal, dass wir in einer 5,55 Meter langen Luxuslimousine sitzen, die auf dem Autobahnparadeabschnitt bei Aschaffenburg in Richtung Würzburg bergauf derart vehement in den Begrenzer läuft. Zuvor sollte man jedoch darauf achten, dass der 83-Liter-Tank des Ghost ordentlich mit feinstem Super Plus gefüllt ist. Wer rast statt reist, darf sich über Verbräuche von mehr als 25 Litern auf 100 Kilometer nicht wundern. Im normalen Chauffeursverkehr sind es derlei sehr humane 11,5 Liter.

Wir erinnern an dieser Stelle gern daran, dass unter der Motorhaube amtliche 6,75 Liter Hubraum befeuern werden, die bei Volllast und mittels Black-Badge-Abgasanlage durchaus präsenter in den Innenraum tönen. Wer nun Tonlagen à la Ferrari oder Lamborghini erwartet, könnte enttäuscht werden. Der N74-Zwölfzylinder klingt eher nach einem fein laufenden BMW-Reihensechser - was nicht schlecht sein muss. Seidig und wohltuend unangestrengt ist das Erlebnis im Ghost Black Badge ohnehin immer. Das beherrschen sie bei Rolls-Royce wie kaum ein anderer Hersteller auf der Welt.

rolls-royce-ghost-black-badge-cockpit

Der konservative Innenraum ist eine Wohltat

Und in Zeiten von immer größeren Infotainment-Bildschirmen ist zugleich der Innenraum eine echte Wohltat. Es begrüßt uns das weiterhin wohl beste BMW-iDrive-System, das bisher entwickelt wurde. Sorry, BMW iX3. Manche könnten es bereits altbacken nennen, wir finden es für ein solches Automobil genau passend. Es wird noch auf das Display gedrückt oder mit dem vorhandenen Dreh-/Drücksteller gearbeitet. Überfrachtet ist in den Untermenüs nichts, es gibt gar nur zwei Auswahlmöglichkeiten für die Ambientebeleuchtung. Dafür sorgt der netto rund 20.000 Euro teure Sternenhimmel weiterhin für Sternstunden - besonders bei Kindern.

Apropos Nachwuchs: Darüber müssen wir einfach berichten, weil wir es mit einem Neuwagen sehr, sehr lange nicht mehr erlebt haben: diese Freude in den Gesichtern der Passanten, wenn sie zum ersten Mal (?) einen Rolls-Royce auf der Straße sehen. Besonders bewegt hat uns ein kleiner Junge, der mit aufgerissenem Kevin-allein-zu-Haus-Mund am Straßenrand stehen blieb und dem Ghost selbst im Rückspiegel noch wie versteinert hinterherschaute. Automobile Faszination? Sie lebt also doch noch weiter.

rolls-royce-ghost-black-badge-grill

Sternenhimmel und Kevin-allein-zu-Haus-Momente

Und ja, auch wir staunen innen weiterhin über die Handwerkskunst und das viele Lavalina-Leder. Das fühlt sich nicht nur prächtig an, es riecht auch formidabel. Dazu metallene Akzente, die gewohnt schnörkellose Klimabedienung sowie die beim Black Badge in schwarz gehaltene Spirit of Ecstasy samt Bespoke-Uhr hinter Glas. Kostet natürlich extra, sieht aber auch extra scharf aus. Das würde bestimmt auch der illuminierte Kühlergrill, wenn er denn nach EU-Bestimmungen während der Fahrt leuchten dürfte. Darf er nicht, also muss man für solche Späße in die USA oder die Emirate blicken. Erwähnt sei an dieser Stelle außerdem, dass der Grill nicht aus Kunststoff ist, sondern weiterhin aus Metall.

Das ganze schwere Material darf es dann auch sein bei einem Fahrzeuggesamtpreis von 389.868 Euro - vor lokalen Steuern. Wer seinen Lackierer oder Sattler nun beauftragen möchte, für eine dem Testwagen entsprechende Farbgebung innen und außen zu sorgen: Der Rolls-Royce Ghost Black Badge aus der Presseflotte ist in dunklem Adria-Blau lackiert und zeigt innen eine Komposition aus Scivaro-Schiefergrau und Schmiedegelb. Letzteres findet sich ebenfalls an den Bremssätteln wieder.

rolls-royce-ghost-black-badge-heck

Fazit

Auch der Rolls-Royce Ghost Black Badge spielt in einer eigenen automobilen Liga - völlig losgelöst von Mercedes-Benz, Bentley, Porsche oder Aston Martin. So viel Luxus, gepaart mit einem spurtstarken Zwölfzylinder, gibt es sonst nirgends mehr. Gleichzeitig ist dieser Wagen im Selbstexperiment erstaunlich sozialkompatibel. Dass ein so besonderes Automobil entsprechend kostet, erscheint nachvollziehbar: Neben der locker sitzenden halben Million auf dem Konto für den Kaufpreis dürfen gleichermaßen Tanken und Unterhalt nicht wehtun. Allein die Vollkaskoversicherung liegt in Deutschland je nach Einstufung bei etwa 4.000 bis 5.000 Euro pro Jahr. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,5
Design
9,0
Bedienbarkeit
8,5
Komfort
9,5
Alltagstauglichkeit
8,0
Fahreigenschaften
8,0
Antrieb
9,5
Effizienz
7,0
Preis-Leistungs-Verhältnis
7,0
Ausstattung
9,5
Sicherheit
9,0

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Rolls-Royce Ghost Black Badge

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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