Erster Test: Seat León Cupra – Trieb und Leidenschaft

Seit exakt zehn Jahren stellen bei Seat die so genannten Cupra-Modelle die Spitze der jeweiligen Baureihen dar. „Cupra“ ist eine Wortschöpfung aus „Cup“ und „Racing“. Was 1996 mit dem Ibiza Cupra und 150 PS begann, gipfelt nun im neuen León Cupra, dem mit 240 PS stärksten Serien-Seat aller Zeiten.

Wir hatten Gelegenheit, dieses automobile Aphrodisiakum in den wohlgerundeten Hügeln rund um Madrid zu testen.
Bereits der Basis-León ist ein sexy Auto, der Cupra sieht richtig scharf aus. Kleine Retuschen an den Schürzen und 18-Zoll-Räder mit 225er Niederquerschnittsreifen machen es aus. Zuviel Schminke wurde nicht aufgetragen, denn darauf stehen Männer nun gar nicht. Und Cupra-Modelle sind schließlich ausgewiesene Männerspielzeuge, bestätigt Chef-Produktmanager Christoph Vierling.

Herzstück ist der weiterentwickelte 2,0-Liter-TFSI-Vierzylinder aus dem Volkswagen-Regal. Nach der hausinternen Rosskur, unter anderem wurden ein optimierter Turbolader mit größerer Turbine und eine Sportauspuffanlage mit geringerem Abgasgegendruck installiert, leistet der Benzindirekteinspritzer 240 PS.

Vorbei an den Platzhirschen …

Der Antritt ist beeindruckend. Dreht man die Gänge aus - der frei atmende Motor verlangt geradezu danach - wischt die Tachonadel nach nur 6,4 Sekunden über die 100-km/h-Marke. Genauso gut lässt es sich aus dem Drehzahlkeller beschleunigen, das maximale Drehmoment von 300 Nm steht bereits ab 2.200 U/min bereit und bleibt bis 5.500 Touren auf diesem hohen Niveau. Auf freier Strecke schließlich schafft der Königslöwe fast 250 Sachen. Für voraus fahrende GTI-Gölfe, ST-Focüsse und OPC-Astras heißt das: Platz machen!

Dass viele Pferde, ein konstant hohes Drehmoment und ein vergleichsweise niedriges Leergewicht (1.375 Kilogramm) großartige Fahrleistungen garantieren, lässt sich auch per Rechenschieber ermitteln. Doch sagt das noch lange nichts über die Fahreigenschaften, die Grundlage für Fahrspaß, aus. Schließlich handelt es sich beim León um einen Fronttriebler, wo latent die Gefahr besteht, dass die Power in scharrenden und wild zerrenden Vorderrädern verpufft.

… und hinein in die Kurven

Doch die Seat-Ingenieure haben es geschafft, die unbändige Kraft allgemeinverträglich auf die Straße zu bringen. Nur ausgewiesene Gasfußgrobmotoriker zwingen die Traktionskontrolle zum Einschreiten. Die Lenkung arbeitet ausgesprochen direkt und zielgenau. Zusammen mit der kaum nennenswerten Seitenneigung der Karosserie legt der León Cupra eine Agilität an den Tag, die bei so manch einem konkurrierenden Hersteller für unruhige Nächte sorgen dürfte.

Das manuelle Sechsganggetriebe ist eng geführt, den letzten sportlichen Kick verderben aber die etwas langen Schaltwege. Zudem liegt der klobige Riesen-Schaltknauf schlecht in der Hand. Bei schnellen Gangwechseln, etwa vom Vierten zurück in den Dritten, rutscht die Hand mitunter ab. Das Doppelkupplungsgetriebe DSG bleibt dem 200 PS starken León FR vorbehalten. Noch. Denn „wenn es der Markt fordert …“, lässt Produktmanager Vierling Raum für Spekulationen: … kommt es auf kurz oder lang auch für den Cupra.

Jederzeit wieder

Die Alltagstauglichkeit des hochgezüchteten León überrascht. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, jedoch nicht überdämpft. Der ebenfalls dieses Jahr präsentierte Seat Altea FR ist holpriger unterwegs. Auch beim Sound übten sich die Klangfeiler in Zurückhaltung. Sonor tönt es aus dem ovalen Endrohr, aber nie zu laut oder gar prollig. Die Schalensitze, eines der wenigen Cupra-Erkennungszeichen im nüchternen Innenraum, bieten besten Seitenhalt bei ausreichendem Komfort.

Übermäßig häufige Tankstellenbesuche sind nicht zu befürchten. Seat beziffert den Gesamtverbrauch auf 8,1 Liter Superplus, was bei vernünftiger Fahrweise durchaus erzielbar ist. Bei unseren ausgesprochen intensiven Testfahrten kamen wir auf rund zwölf Liter je 100 Kilometer - ein akzeptabler Wert.

Fazit

Mit dem neuen Seat León Cupra machen sich die Spanier selbst ein Geschenk zum zehnjährigen Bestehen der „Cup Racing“-Abteilung. Das spanische Kompaktkraftwerk macht an, macht Spaß und dabei nicht arm. In den relevanten Disziplinen Spurt, Speed und Handling überzeugt der Cupra als echter Sportler. Das nicht überharte Fahrwerk und der potentiell sparsame Supermotor versüßen den alltäglichen Einsatz.

Mit einem Grundpreis von 26.190 Euro schiebt sich der 240 PS starke León Cupra nicht nur leistungsmäßig in die Lücke zwischen den Platzhirschen VW Golf GTI (200 PS; € 24.775), Ford Focus ST (225 PS; € 24.775) und Opel Astra OPC (240 PS; € 28.590). Härtester Konkurrent ist jedoch ebenfalls ein Underdog: der Mazda3 MPS, der zugleich stärker (260 PS) und günstiger ist (€ 24.900).

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