Vergleichstest: Abarth 500 vs. Renault Twingo GT vs. Suzuki Swift Sport – Wie viel Sport hätten‘s denn gern?

Aktuell sind Kleinwagen gefragt wie nie zuvor. Nicht alle Käufer wollen jedoch, Trotz neuer Zwergenlust, Abstriche in Sachen Dynamik machen. Wir haben drei Mikrosportler unterschiedlicher Couleur antreten lassen, um herauszufinden, wie viel Sport in dieser Klasse gut tut.

Abarth 500 (135 PS), Suzuki Swift Sport (125 PS) und Renault Twingo GT (100 PS) sollen die Antwort liefern.
Gleich vorweg: In den folgenden Zeilen wird es nicht darum gehen, wie viel Kofferraum die Autos haben, oder wie gut manin den Fond der Zweitürer krabbeln kann. Twingo GT, Swift Sport und Abarth 500 kauft man sich nicht ihres praktischen Nutzens, sondern des Spaßes wegen.

Von prollig bis bieder

Die drei sind schon äußerlich sehr verschieden, auch wenn der Unterschied in den Abmessungen maximal eine Handlänge ausmacht. Der Abarth ist der Auffälligste im Trio. Nicht nur der – optionalen – Kriegsbemalung wegen: Auch die beiden armdicken Auspuffblenden, der Diffusor, der zu große Dachspoiler und die weit heruntergezogenen Stoßfänger gieren förmlich nach bewundernden Blicken. Etwas ziviler kommt Suzukis Swift Sport daher. Er wirkt harmonischer und macht dennoch einen dynamischen Eindruck. Und die serienmäßigen 17-Zöller stehen ihm gewaltig gut.

Am zivilsten tritt der Twingo GT auf. Er hebt sich mit kleinen 15-Zoll-Alus, moderater Tieferlegung, sportlich konturierter Frontschürze inklusive GT-Logo, in Silber lackiertem Spoiler, geänderter Heckschürze und dem chrombeblendeten Auspuff-Endröhrchen vom Normalo-Twingo ab. Wir hättetn statt des GT natürlich auch den gut 130 PS starken Twingo RS nehmen können. Auf ihn haben wir aber bewusst verzichtet, um die Bandbreite sportlicher Kleinwagen zu zeigen.

Gute Sitze im Swift

Ähnlich unterschiedlich wie außen präsentieren sich die drei Probanden innen. Der Renault hat abgesehen vom zentral auf der Lenksäule montierten Drehzahlmesser keinerlei Sportler-Allüren. Die gemütlichen Sitze bieten zu wenig Seitenhalt, das Leder-Lenkrad kennt man aus diversen Renaults, und die Hupe sitzt ungünstig im Lenkstockhebel. Sport? Fehlanzeige!

Suzuki hat das besser gemacht. Das Armaturenbrett ist nach herkömmlichem Muster gestrickt und mit drei exzellent ablesbaren Rundinstrumenten versehen, jedoch hält das Sportgestühl im Swift die Körper der Insassen am besten in der Vertikalen – selbst bei hoher Querbeschleunigung Die serienmäßige Klimaautomatik ist ebenso einfach zu bedienen wie die serienmäßig manuelle Anlage im Twingo, im Japaner aber etwas zu tief platziert. Dafür liegt das Sportlederlenkrad hervorragend in den Händen. Leider ist es, wie auch in Twingo und Abarth, ausschließlich in der Höhe verstellbar. Dadurch ergibt sich nicht für alle Fahrertypen eine gute Sitzposition.

Viel Platz zum Hin- und Herfliegen hat man im Abarth grundsätzlich nicht. Bei wilden Lenkmanövern stört der zu geringe Abstand zwischen Lenkrad und Tür immens. Außerdem ist der überfrachtete Tacho schlecht abzulesen. Ideal positioniert ist dafür der Schalthebel des Fünfgang-Getriebes. Fünf Gänge hat übrigens jeder in unserem Zwergen-Trio. Im Suzuki flutschen die Gänge am knackigsten durch die Gassen, im Abarth kratzt es bei schnellen Wechseln schonmal und im Twingo rührt man ein wenig im Matsch herum.

Echte Knalltüten

Dafür nervt der Schaltkönig Swift ab Tempo160 mit dröhnigem Motor. Schon bei Tacho 100 rotiert die Kurbelwelle rund 3.200 Touren – hier fehlt ein sechster Gang. Im Abarth dämpft der Turbolader einiges an Motorgeräuschen, so dass selbst 200 Sachen auf Dauer erträglich wären. Wären! Denn bei höherem Tempo saugt der Abarth den 35-Liter-Mini-Tank im Nu leer. Über zehn Liter sind keine Seltenheit, 14 durchaus möglich. Aber auch der Swift strebt häufig an die Tankstelle und erstaunlicherweise sogar der Twingo mit seinen 1,2 Litern Hubraum und lediglich 100 Turbo-PS. Auf einer eiligen 330-Kilometer-Autobahn-Etappe genehmigte sich der Franzose sagenhafte 12,6 Liter – pro 100 Kilometer, versteht sich. Dafür hängt er sich aber auch gut an den 25 PS stärkeren Swift dran, der mit Anlauf 200 km/h schafft.

In einer anderen Liga ist der Abarth 500 unterwegs – tempomäßig. Gefühlt sitzen in seinem Bug 160 oder mehr Pferde. Pfeifen Swift und Twingo aus dem letzten Loch, huscht der 500er mal eben so vorbei – das ist schon fast beängstigend. Die Beschleunigungswerte beweisen, dass unser Abarth richtig gut im Futter steht. Twingo und Swift erreichen die Werksvorgabe nicht ganz, sind aber mit unter zehn Sekunden dennoch flott. Der Abarth sprengt dagegen den Kleinwagenrahmen. 7,6 Sekunden benötigt er für den Standard-Sprint. Eine Wert, der vor einigen Jahren noch waschechten Sportwagen vorbehalten war.

Kurzer Radstand

Das Erstaunliche ist auch, dass der Turbo-Punch in allen Lebenslagen anliegt. Zu viel für den Kleinen? Wir meinen: ja. Zwar verfügt das Fahrwerk des 500er über eine vertrauenserweckende Grundstraffheit, doch ist man auf welligem Asphalt flott unterwegs, wird man das Taumeln und Tänzeln um die Hochachse bemerken und sich freiwillig zügeln – der kurze Radstand bringt Unruhe rein. Zudem hoppelt der Kleine über Bodenunebenheiten und lässt bereits bei alltäglichen Verzögerungen wild die Warnblicklichter aufflackern. Das hatten wir bereits bei unserem Erstkontakt bemängelt. Im Stadtverkehr nervt überdies der zu große Wendekreis.

Ganz anders der Swift. Er fühlt sich nach mehr Auto an. Die Traktion ist hervorragend, die 195er-Reifen gehen mit dem Asphalt eine enge Verbindung ein. Zudem folgt die etwas schwergängige Lenkung exakt den Vorgaben. Andererseits gleitet der Swift auch ruhig über die Straßen. Ein rundum gelungenes Sport-Setup. Der Twingo mimt erwartungsgemäß den Komfortkönig. Mit seiner quasi von der Fahrbahn entkoppelten Lenkung, einer deutlichen Seitenneigung und ausgeprägter Untersteuer-Tendenz rutscht er um die Kurven und glättet die meisten Unebenheiten.

Bremsmaleur

Dass der Twingo von den Dreien am wenigsten Sportler ist, stellten wir auch bei den Bremsmessungen fest. Sind 500er und Swift Sport rundherum mit Scheibenbremsen ausgestattet, die an der Vorderachse 284 respektive 276 Millimeter messen, besitzt der Franzose vorne bloß 259 Millimeter kleine Scheiben und hinten sogar nur Trommelbremsen. Das klärt unter anderem, warum die Bremsen des Twingo schon nach der vierten Vollbremsung rauchten und sich der Bremsweg auf fast 40 Meter ausdehnte. Zudem wurde das Pedalgefühl recht schwammig. Anders der Italiener und der Japaner. Die 1,1-Tonner überstanden die Tortur unbeeindruckt und kamen bereits nach gut 37 Metern zum Stehen.

Preise

So wundert es nicht, dass Abarth 500 und Suzuki Swift Sport deutlich teurer sind als der Twingo GT. 18.100 Euro kostet der Abarth inklusive ESP, sieben Airbags, der Klimaautomatik, Freisprecheinrichtung und anderen Nützlichkeiten. Kaum günstiger kommt man mit dem ebenfalls voll ausgestatten Swift Sport weg. 17.700 Euro werden für ihn fällig. Der Twingo GT steht ab 12.990 Euro beim Händler. Allerdings spartanischer ausgestattet. Wer den Twingo auf das Niveau der beiden Kontrahenten hebt, kommt auf rund 15.000 Euro. Eine stärkere Bremsanlage gibt es für den Franzosen allerdings weder für Geld noch gute Worte.

Technische Daten
Marke und Modell Abarth 500 Renault Twingo Suzuki Swift
Ausstattungsvariante GT Sport
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 3.657/1.627/1.488 3.602/1.655/1.470 3.765/1.690/1.500
Radstand (mm) 2.300 2.367 2.380
Wendekreis (m) 11,6 10,55 10,4
Leergewicht (kg) 1.110 1.055 1.105
Kofferraum (Liter) 185 230 201
Bereifung Testwagen 195/45 R16 Conti Premium Contact 185/55 R15 Conti Premium Contact 195/45 R17 GoodYear Eagle F1
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.368 / 4, Reihe 1.149 / 4, Reihe 1.568 / 4,Reihe
Leistung (PS) 135 100 125
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 206 bei 3.000 145 bei 3.000 148 bei 4.800
Antriebsart Front Front Front
Getriebeart Fünfgang manuell Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Verbrauch
Krafstoffart Super Super Super Plus (empfohlen)
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,5 5,9 7
CO2-Emissionen (g/km) 155 / Euro 5 138 / Euro 4 165 / Euro 4
AS24-Verbrauch (l/100km) 8,9 7,9 8,6
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 7,9 9,8 8,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s) 7,6 10 9,3
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) 37,5 39,5 37,4
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 205 185 200
Preise
ab (Euro) 18.100 12.990 17.700
Empfohlene Extras 17"-Alus (300 Euro), geteilt klappbare Rückbanklehne (155 Euro), Lackierung grau (350 Euro) Klang & Klima-Paket mit Klimaautomatik und MP3-CD-Radio (610 Euro), ESP (300 Euro), Fenster-Airbags (380 Euro), Tempomat ( 200 Euro), Metallic-Lack (450 Euro) Keine
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## Fazit
Die Karosserie und das Fahrwerk des Suzuki, gepaart mit dem Turbomotor des Abarth und der Übersichtlichkeit und dem Preis des Twingo GT. Das wär’s. Leider ist das Wunschdenken. So entscheiden wir uns in der Realität für den Suzuki Swift Sport. Grund: Das beste Fahrwerk, das erwachsenste Auto mit vernünftiger Sicherheitsausstattung und akzeptablen Platzverhältnissen.

Denn sind wir mal ehrlich: Viele, die sich einen sportlichen Kleinwagen zulegen, können sich keinen zweiten, praktischen Wagen zusätzlich leisten. Der kompromisslos sportliche und zickige Abarth ist jedoch kein Auto für den Alltag. Der Twingo bietet mehr Variabilität, den Passagiere den meisten Platz und ist am günstigsten. Aber: Der Renault ist unsportlich, zierlich und fühlt sich arg klein an. Frankophilen Heizern kann man jedoch den Twingo RS für rund 15.000 Euro empfehlen.

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