Vergleichstest: Opel Zafira CNG Turbo vs. VW Touran EcoFuel – CO2-Schleudern?

Erdgas-Autos werden oft als die Alternative zu Benziner und Diesel propagiert. Mit niedrigem CO2-Ausstoß und geringeren Kraftstoffkosten sollen CNG-Fahrzeuge (Compressed Natural Gas) Freude bereiten.

Wir haben uns den neuen Opel Zafira CNG Turbo mit 150 PS und den Touran EcoFuel mit 109 PS näher angesehen und sind mit ihnen rund 4.500 Kilometer quer durch Deutschland geirrt. Ein Erfahrungsbericht. Das hört sich so gut an: Der Zafira CNG Turbo haut laut technischem Datenblatt pro Kilometer nur 139 Gramm CO2 raus. Für ein 150-PS-Kompakt-Van ein Bestwert (bislang, doch dazu später mehr). Der Touran EcoFuel hinkt mit 155 Gramm nur ein Stückchen hinterher. Zum Vergleich: Ein druckvoller Touran 2.0 TDI schleust pro Kilometer vier Gramm mehr durch Rußfilter und Abgasanlage an die Frischluft.

Turbo gegen Sauger – noch

Hinzu kommt im Fall des Zafira CNG Turbo, dass er dank Turbolader sogar ein Quell der Fahrfreude ist. Trotz extrem lang übersetztem fünften und sechsten Gang hetzt der aufgeladene 1,6-Liter auf der Ebene über 200 Sachen. Bergab schafft er unglaubliche 235 – nach Tacho. Beim VW Touran EcoFuel ist bei 190 Schluß. Egal, ob auf der Ebene oder bergab. Das ändert sich aber dieser Tage, da Volkswagen nun auch im Erdgas-Touran auf Turboschub (150 PS) setzt, genauso wie im Passat TSI EcoFuel. Der von uns getestete Erdgas-Saugmotor ist für den Touran nur noch hier erhältlich.

Die fahrdynamischen Talente sind hingegen weder beim Zafira, noch beim Touran sonderlich ausgeprägt – was bei Erdgas-Fahrzeugen aber auch nicht oben auf der Priorität-Liste steht. Wichtiger ist den Käufern die Sparsamkeit. Und da können beide Kandidaten glänzen. So verfuhren wir mit dem Zafira im Schnitt 5,92 Kilogramm Erdgas (161 Gramm CO2) auf 100 Kilometer. Der Touran benötig mit 6,51 Kilogramm (177 Gramm CO2) ein wenig mehr, was hauptsächlich dem Leistungsdefizit zuzuschreiben ist. Denn der Zwei-Liter-Ottomotor des Touran will im Vergleich zum Turbo-Zafira Drehzahlen haben, was den Kraftstoffverbrauch in die Höhe treibt. Aber: Rechnet man mit rund 95 Euro-Cent pro Kilogramm Erdgas, ist man beim Touran rund 6,20 Euro los, beim Zafira 5,60 Euro. Um diese Werte zu erreichen, müssen Diesel-Fahrer behutsam die Kraft einsetzen, Benzin-Fahrer können davon nur träumen.

So spricht also einiges für die beiden Gas-Sparfüchse. Zumal vor allem der Zafira mit einer Laufruhe und sonorem Motorklang begeistern kann. Der Touran fällt in dieser Disziplin deutlich ab. Er wird schon ab 130 km/h brummig und der Fahrer vermisst einen sechsten Gang (den der neue TSI EcoFuel besitzt, alternativ sogar DSG) oder wenigstens einen länger übersetzten fünften.

Die Suche kann beginnen

Alles gut also? Von wegen: Wer ein Erdgas-Modell als Erst-Fahrzeug nutzt und damit quer durch Deutschland gondelt, muss sich auf was gefasst machen. Die Erdgas-Lobby spricht zwar immer von einem flächendeckenden Netz – rund 800 Erdgas-Tanken gibt es deutschlandweit. Benötigt man aber eine, ist die Sucherei oft müßig.

Technische Daten
Marke und Modell Opel Zafira CNG Turbo VW Touran EcoFuel
Ausstattungsvariante Selection 110 Jahre Conceptline
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.467 / 1.801 / 1.635 4.407 / 1.794 / 1.635
Radstand (mm) 2.703 2.677
Wendekreis (m) 11,5 11,2
Leergewicht (kg) ab 1.600 ab 1.635
Kofferraum (Liter) 140 (7 Sitze) - 1.820 695 (5 Sitze) - 1.989
Bereifung Testwagen 205/55 R16 Conti Premium Contact 205/55 R16 Pirelli P7
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.598 / 4, Reihe 1.984 / 4, Reihe
Leistung (PS) 150 109
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 210 bei 2.300 160 bei 3.500
Antriebsart Frontantrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang manuell Fünfgang manuell
Verbrauch
Krafstoffart Erdgas Erdgas
Kombiniert laut Werk (kg/100km) 5,3 5,8
CO2-Emissionen (g/km) 139 / Euro 4 155 / Euro 4
AS24-Verbrauch (l/100km) 5,92 6,51
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 11,5 13,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 200 180
Preise
ab (Euro) 25.430 24.350
Empfohlene Extras Gepäckraumabdeckung (170 Euro), Tempomat (300 Euro) Gepäckraumabdeckung (205 Euro), manuelle Klimaanlage (1.155), Radio-CD-Spieler mit acht Lautsprechern (300 Euro)

Weder an der Strecke München – Berlin (A9), noch auf den rund 400 Kilometern von München nach Frankfurt (A9/A3) existiert eine Erdgastankstelle direkt an der Autobahn. Bestenfalls sind es Autohöfe, die meist aber einen Umweg von mindestens zwei Kilometern (oder mehr) verursachen – das ist aber schon der Idealfall. Oft muss man in den nächstgelegenen Ort fahren und dort in der Erdgas-Warteschlange stehen. Denn selten ist man der Einzige, der den Alternativ-Kraftstoff fassen will. Dadurch wird der Zeitverlust noch erhöht. Denn CNG tanken dauert etwa doppelt so lange, wie den Tank mit Benzin oder Diesel zu befüllen.

CO2-Einsparung zunichte

Das Schlimmste aber: Die Sprit- und CO2-Einsparung wird durch den Umweg zunichte gemacht. Auf der Strecke nach Berlin mussten wir bei vier Tankvorgängen 26 Kilometer (!) Umweg in Kauf nehmen. Das bedeutet, dass alleine durch das Tanken rund 4.300 Gramm CO2-Emissionen (nach Testverbrauch) entstehen. Schöne saubere Erdgas-Welt. Ein Diesel schafft dieselbe Strecke übrigens mit zwei Tankstopps – einen in München und einen in Berlin.

Zwei Mankos kreiden wir an, für die das Erdgas-Fahrzeug an sich nichts kann. Die Alltagstauglichkeit wird dadurch jedoch in Frage gestellt: Einer geht an die Autoindustrie, die den Erdgas-Modellen zu kleine Gastanks mit auf den Weg geben. Der Opel hat 21 Kilogramm Vorrat, der VW sogar nur 18. Reichweiten – je nach Fahrweise – zwischen 230 und 340 Kilometern sind eindeutig zu gering. Da hilft auch der zusätzliche Benzin-Not-Tank von jeweils gut zehn Litern nicht wirklich, denn der sollte bei einem Erdgas-Fahrzeug nur selten zum Einsatz kommen, sonst kann man sich ja gleich einen in der Anschaffung günstigeren Benziner kaufen

Den anderen Schuh müssen sich die Erdgas-Versorger anziehen, die es noch immer nicht geschafft haben, CNG wirklich flächendeckend – und vor allem an Autobahn-Tankstellen – anzubieten. Es kann nämlich nicht sein, dass man sich als Erdgas-Freund vor der Reise einen Streckenplan erstellt und die Route nach den Tankstellen plant. Wäre das Tankstellen-Netz gut ausgebaut, so wie es bei Flüssiggas (LPG) der Fall ist (rund 4.500 Zapfstellen), wäre alles kein Problem. Ins europäische Ausland braucht man mit Erdgas-Autos gar nicht erst zu fahren. In Kärnten gibt es beispielsweise nicht einmal ein dutzend Tankstellen.

Ein weiterer Kritikpunkt, der die Verbreitung von Erdgas erschwert, ist der hohe Kaufpreis. 24.250 Euro wurden bislang für die Zweiliter-Erdgas-Variante des Touran fällig, 27.500 sind es für den ab sofort sparsamsten Erdgas-Van, den Touran TSI EcoFuel (4,6 Kilogramm, 126 Gramm CO2). Der Zafira CNG Turbo ist zwar 2.000 Euro günstiger als der neue Touran TSI EcoFuel, mit 25.430 Euro ist aber auch er kein Schnäppchen und für viele Familien unerschwinglich. In der gehobenen Edition-Ausstattung werden 27.300 Euro fällig. Damit ist er dann zwar knapp 800 Euro günstiger als ein gleichstarker Zafira 1.9 CDTI, mit dem man aber an jeder Tanke Kraftstoff findet.

Fazit: Für Pendler, die tagtäglich an ihrer Erdgas-Tankstelle vorbeikommen und das Fahrzeug kaum anders nutzen, ist es schon jetzt eine sinnvolle Technologie – vor allem mit den neuen Turbo-Aggregaten, die bei allem Sparspaß auch Fahrspaß bieten. Alle anderen fahren mit Benzin (Wenigfahrer) oder Diesel (Langstreckler) definitiv besser und manchmal eben sogar umweltschonender.

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