Kommentar: Ferrari Luce und die Verunglückung neuer Autodesigns

Man muss kein großer Autoversteher, kein Connaisseur des fahrenden Blechs sein, um festzustellen, dass der Ferrari Luce von außen nach allem aussieht, nur nicht nach einem Ferrari. Unweigerlich erinnert er an einen Playmobil-Sportwagen.
Ferrari Luce: Das Playmobil aus Maranello
Der erste Stromer der Italiener wurde bereits vor einiger Zeit über das Interieur angeteasert. Da war die Welt noch in Ordnung. Denn für das Innere zeichnen schließlich Apple-Designer Sir Jony Ive und Marc Newson verantwortlich. Das wirkt stimmig, klassisch: die Anzeigen, das Layout, ein komplett reduziertes Lenkrad. Irgendwie durfte man sich danach sogar richtig auf den Ferrari Luce freuen.
Bis er nun wirklich enthüllt wurde. Pardon: "Lutschiger" und damit nichtssagender als der Luce war bisher wohl kein Ferrari in der jüngeren Vergangenheit. Viel mehr lässt sich dazu kaum schreiben. Ob die bis zu 1.050 PS, 999 Nm Drehmoment und eine 0-100-Zeit von 2,5 Sekunden noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken? Für über 550.000 Euro besteht durchaus die Gefahr eines Ladenhüters. Droht Ferrari am Ende das gleiche Schicksal wie Porsche, die sich elektrisch (zumindest vorübergehend) mehr oder weniger ins Aus manövriert haben?
Mercedes-AMG GT 4-Türer: Große Klappe und Bildschirmflut
Gegen das Playmobil aus Maranello wirkt der neue Mercedes-AMG GT 4-Türer beinahe schon wieder ästhetisch. Klar, das große Fischmaul muss man auf sich wirken lassen. Vielleicht muss es auch nicht gleich Neongelb sein; eine gedeckte Farbe könnte helfen. Aber dennoch gilt: Schön im Sinne von schön ist auch dieses Auto nicht. Derweil setzt Mercedes, anders als Ferrari, innen auf ein Maximum an Bildschirmen.
Das ist halt billig umzusetzen; Gedanken an Instrumente verschwendet da niemand mehr. Ein bisschen grafische Oberflächengestaltung hier, ein bisschen Software dort. Wenn das am Ende alles funktioniert, mag das vielleicht auch ganz fein sein. Oder man behält eben einfach seinen alten Benz.
Einen genaueren Vor-Ort-Eindruck vom neuen Monster-AMG hat Kollege Rudolf Bögel in seinem Erstkontakt zusammengefasst.
Jaguar Type 01: Die Wiedergeburt einer Marke?
Jaguar wiederum hat nicht nur mit seinem Design gebrochen, sondern direkt mit der kompletten Markenhistorie. Aus dem „Type 00“, dessen Name an ein WC-Reinigungsmittel erinnerte, wurde mittlerweile der „Type 01“, der für die Wiedergeburt von Jaguar als Elektromarke stehen soll. Designtechnisch ist auch dieses Auto einigermaßen beliebig; in der hier gezeigten Folierung erinnerte es an einen fahrenden Backstein.
Übrigens: Ähnlich schwer wie ein ganzer Haufen solcher Backsteine sind auch die drei genannten Autos. Allesamt bringen sie mehr als 2,2 Tonnen auf die Waage. Vorläufiger Spitzenreiter des Trios ist der AMG mit 2,49 Tonnen; das Gewicht des Jaguars ist allerdings noch nicht bekannt.
Jetzt könnte man meinen, dass hier drei besondere Beispiele herausgesucht wurden, die sich am Ende ohnehin nur sehr wenige leisten können. Doch das Gezeigte hat leider durchaus Abstrahlpotenzial auf andere Marken und andere Preisklassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst wenige Designer ein Beispiel daran nehmen. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller, KI Titelbild)
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