Morgan Midsummer Coupé: Atemberaubendes Pininfarina-Kunstwerk für neun Glückliche

In Zeiten, in denen viele Sportwagen austauschbar wirken, zündet die britische Kult-Schmiede Morgan ein emotionales Feuerwerk nach dem anderen. Nach der spektakulären, offenen Barchetta aus dem Jahr 2024 präsentieren die Briten nun das geschlossene Pendant: Das Morgan Midsummer Coupé. Entstanden ist der bildschöne Gran Turismo im Art-Déco-Stil durch eine einzige Kundenanfrage. Und er zeigt eindrucksvoll, wie wunderbar und modern maßgeschneidertes Coachbuilding im Jahr 2026 sein kann.
Wie aus einer Idee ein Millionen-Projekt wurde
Die Entstehungsgeschichte des Coupés ist so exzentrisch wie das Auto selbst. Kurz nach der Vorstellung der offenen Midsummer-Barchetta trat ein treuer Morgan-Kunde an die Manufaktur in der Pickersleigh Road heran und fragte nach einer geschlossenen Variante.
Morgan fackelte nicht lange, holte erneut die Design-Ikonen von Pininfarina ins Boot und entwickelte das Concept. Als andere Sammler davon Wind bekamen, waren die restlichen acht geplanten Slots im Nu vergeben. Neben dem nun gezeigten Prototypen wird es also exakt neun Kundenfahrzeuge geben.
Das Design: Fließende Linien und eine Edelstahl-Finne
Wer glaubt, Morgan hätte einfach nur ein Hardtop auf den Roadster geschraubt, der irrt gewaltig. Die gesamte hintere Karosseriepartie wurde völlig neu gezeichnet. Das Coupé besticht durch eine sanft geschwungene Dachlinie, die in ein wunderschönes, fast bootsheckartiges Fastback ausläuft. Die geteilte Heckscheibe erinnert an legendäre Vorkriegs-Coupés.
Ein zentrales Designelement ist die markante Edelstahl-Finne, die sich wie eine Wirbelsäule über die gesamte Länge des Daches zieht und optisch die Brücke in den Innenraum schlägt. Um die Seitenlinie clean zu halten, wurden die Türen erhöht und die Türgriffe unsichtbar in die Aluminium-Gürtellinie integriert. Exklusive, geschmiedete 19-Zoll-Leichtmetallräder - übrigens das laut Morgan filigranste Felgendesign der Firmengeschichte - runden den fulminanten Auftritt ab.
Die Technik: High-Tech-Kleber trifft auf Eschenholz
Unter den von Hand getriebenen Aluminium-Karosserieteilen, an denen die Spengler hunderte Stunden mit dem englischen „wheel“ arbeiten, verbirgt sich ein faszinierender Materialmix. Die Basis bildet das moderne, geklebte CX-Aluminium-Chassis. Doch Morgan bleibt sich treu: Der Karosserierahmen besteht nach wie vor aus traditionellem Eschenholz. Das Holz sieht man zwar nicht, es erfüllt aber einen genialen Zweck: Seine natürlichen Dämpfungseigenschaften schlucken störende Resonanzen der Aluminium-Bleche.
Um das feste Dach zu realisieren, griffen die Ingenieure zu modernster Luftfahrttechnik. Die A-Säulen werden aus dem vollen Aluminiumblock gefräst, während die großen Glasflächen des Daches direkt mit der Struktur verklebt sind. Dadurch fungiert das Glas als tragendes Teil und erhöht die Verwindungssteifigkeit massiv. Das Beste daran: Trotz des festen Daches wiegt das Coupé gerade einmal 2,5 Prozent mehr als ein regulärer Roadster mit Hardtop.
Unter der langen, geschlitzten Haube schlägt weiterhin ein bayerisches Herz: Der bewährte BMW B58 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbo schickt seine Kraft über eine Achtgang-Automatik an die Hinterräder. Genaue Leistungsdaten nennt Morgan zwar nicht, im Schwestermodell Plus Six leistet der Motor jedoch stramme 340 PS. Bei einem Fahrzeuggewicht von knapp über einer Tonne sorgt das für Fahrleistungen, die selbst modernen Supersportwagen den Schweiß auf die Stirn treiben. Für den passenden Sound sorgt eine schaltbare Sportabgasanlage.
Innenraum: Luxusyacht-Vibes im Cockpit
Wer im Cockpit Platz nimmt, fühlt sich sofort an das Deck einer sündhaft teuren Luxusyacht erinnert. Das Interieur ist ein haptischer Traum aus feinstem, hellem Leder, glänzendem Aluminium und massenhaft Holz. Die Armaturenbrett-Oberseiten und Türbrüstungen bestehen aus hunderten hauchdünnen Schichten Teakholz, die in über 30 Stunden Handarbeit filigran laminiert und geformt werden.
Selbst die Sonnenblenden verfügen über Teakholz-Inlays und sind an einer gefrästen Aluminium-Dachschiene befestigt, an der auch die Fensterheber-Schalter sitzen. Damit die Ohren auf langen Reisen nicht zu kurz kommen, spendiert Morgan dem Coupé ein High-End-Audiosystem des Spezialisten Sennheiser.
Preise? Reine Nebensache!
Was kostet der Traum auf vier Rädern? Dazu schweigt sich Morgan traditionell aus. Da jedes der neun Fahrzeuge in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Besitzer als absolutes Unikat und maßgeschneidertes Einzelstück aufgebaut wird, dürfte der Preis ohnehin stark variieren. Fest steht: Unter einer halben Million Euro dürfte hier gar nichts gehen. Das Midsummer Coupé zeigt eindrucksvoll, dass die Ära der exklusiven Karosseriebau-Kunst lebendiger ist als je zuvor. (Text: an | Bilder: Morgan Motor Company)
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