Test: Abt TT-R – Teure Sekunde

Neben Leistungssteigerung und strafferem Fahrwerk, gibt’s Aerodynamik-Anbauteile und eine neue Zweifarben-Lackierung.
Basis für das Kemptener TT-R-Modell ist der Audi TT 3.2 V6. Schon ab Werks leistet das Coupé satte 250 PS. Mehr als genug, sollte man meinen. Schließlich sorgt der Sechszylinder mit 320 Newtonmeter (zwischen 2.500 und 3.000 Touren) für einen Beschleunigungswert von 5,9 Sekunden auf Tempo 100.
Darf’s ein Bisschen mehr sein?
Zu wenig, findet Abt: Für knapp 15.000 Euro bieten die Kemptner eine Leistungssteigerung auf mächtige 370 PS an. Neben Modifikationen an der Software des Motormanagements, kommt auch ein eigens entwickelter Kompressor zum Einsatz. Ein wassergekühlter Ladeluftkühler sorgt zudem dafür, dass nichts heißt läuft.
Nach dem rund vier Tage dauernden Umbau präsentiert sich der Abt TT-R deutlich erstarkt und aggressiver. Das Drehmoment wird bei der Kraftkur auf 400 Newtonmeter angehoben, der Standardsprint dauert noch 5,0 Sekunden. Die Techniker von Abt befreien den TT zudem von der elektronischen Geschwindigkeitsbegrenzung. Maximal 262 km/h läuft der getunte Audi dann.
Wie auf Schienen
Doch der Motor allein macht noch keinen Supersportler. Das spezielle Gewindesportfahrwerk (1.500 Euro) bringt den TT 35 Millimeter näher an die Straße. Die straffere Auslegung garantiert noch mehr Präzision bei flotter Kurvenfahrt. Wie auf Schienen zieht der TT-R seine Bahnen. Dank quattro-Antrieb scheint das Coupé förmlich auf der Straße zu kleben, weicht kaum einen Millimeter von der vorgegebenen Linie ab.
Der Nachteil: Der Abt ist hart. Zwar sind wir von den Kemptener Tuningjungs noch deutlich straffere Renner gewohnt (Test: Abt AS3-R). Doch der TT-R bemüht sich nicht, die Bandscheiben der beiden Passagiere zu schonen. Schonungslos gibt er Querfugen und Unebenheiten in den Innenraum weiter. Da helfen auch die Sportsitze nicht viel, die die Insassen aber immerhin sicher festhalten.
Kraftvoller Klang
Der Sound des TT-R tröstet dagegen schnell über solche Kleinigkeiten hinweg. Aus vier Endrohren ertönt ein Konzert, das die Herzen der Sportwagenfans höher schlagen lässt: Sechszylinder bleibt eben Sechszylinder. Nach dem Anlassen brummt der 3,2-Liter-Motor noch ruhig vor sich hin, bereit, jeden Moment loszulegen. Ein kleiner tritt aufs Gas, schon faucht das Aggregat beherzt auf.
Die Gangwechsel hat in unserem Testwagen das Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic übernommen. Entweder, man überlässt das Schalten der Automatik, oder man greift händisch ein - was deutlich mehr Spaß macht. Zügig lässt sich durch die sechs Gänge schalten, spontan reagiert der Abt auf Gasbefehle. Und setzt diese - abgesehen von einer klitzekleinen Gedenksekunde - sofort in Vorwärtsbewegung um.
Zweifarbige Lackierung
Dafür, dass sich der Abt auch äußerlich gut von seinen Brüdern aus Ingolstadt unterscheidet, sorgt eine zweifarbige Lackierung: Ein schwarzer Streifen zieht sich einmal der Länge nach übers Auto und betont den sportlichen Auftritt. Heckspoiler, Seitenschweller und aggressivere Schürzen verstehen sich von selbst.
Für die Insassen gibts schwarzes Leder mit roten Ziernähten. Spielerei: In Anlehnung an den Rennsport ist am Lenkrad eine Markierung wo oben ist. So soll der Fahrer auch auf der Nordschleife stets alles im Griff haben. Apropos im Griff: Natürlich hat auch der Abt TT-R serienmäßig ESP an Bord, um allzu übermutige Fahrer im Zaum zu halten.
Fast doppelt so teuer
Schließlich wäre es ja schade, wenn dem schönen Abt auch nur ein Kratzer zustoßen würde. Denn: Wer seinen TT komplett umbauen lässt, stößt preislich irgendwo in die Region jenseits der 80.000 Euro vor. Zum Vergleich: Das Serienmodell ab Werk kostet nur 43.100 Euro.
Schließlich bleibt es der persönlichen Vorliebe überlassen, ob man so viel Geld in den TT investieren will. Alternativ lohnt sich der Griff zum S5: Das 354 PS starke Coupé bietet Platz für Vier und kostet lediglich mal 56.400 Euro. Und mit 12,1 Liter Verbrauch ist der S5 noch sparsamer als der Abt TT-R. Unser Testverbrauch hat sich bei 14 Litern eingependelt, unter Volllast ist auch mehr drin.
Fazit
Der TT-R ist - wie die meisten Sportler - nichts für kühle Rechner. Er hat mächtig Druck, liegt perfekt auf der Straße und sorgt für jede Menge Spaß. Allerdings kostet der Abt auch jede Menge Geld. Wer auf den TT steht, findet in Kempten das passende Angebot zur Individualisierung. Wem es aber allein um Leistung geht, der sollte sich die Alternative S5 aus Ingolstadt einmal näher ansehen.
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