Lenkspiele: Erster Test Ford Focus ST 2.3 EcoBoost

Mehr Hubraum, mehr Power, mehr Fahrspaß? Der neue Ford Focus ST schickt sich an einer der heißesten aller Hot Hatches zu sein. Ob ihm das gelingt und was das für die direkte Konkurrenz bedeutet? Wir haben den Focus ST auf Einladung des Herstellers einem ersten Test unterzogen. Fahrbericht!

Die Erwartungen an den neuen Ford Focus ST sind hoch. Vor allem, wenn man bereits den kleinen Fiesta ST der neuesten Generation bewegen durfte. Ok, dass auch der Focus ST in schnellen Kehren das kurveninnere hintere Rad lupft können wir beim wesentlich seriöseren Kompaktsportler kaum erwarten. Doch was erhoffen wir überhaupt vom Focus ST? Zunächst einmal einen würdigen Gegenspieler in der Liga um Hyundai i30N, Civic Type R und Golf GTI Performance (TCR). Optisch, so viel steht fest, enttäuscht der Focus ST nicht. Breit und (nicht zu) tief kauert der Neue über dem Asphalt, steht serienmäßig auf stilvollen Rädern im 18-Zoll-Format und verzichtet nach hinten endlich wieder auf die zwei mittig angeordneten Endrohre.

Ford-Focus-ST-Engine

Focus ST: Mehr Hubraum, mehr Leistung

Weshalb endlich? Weil Ford so für den Focus ST wieder eine Anhängerkupplung anbieten kann. Sie untermauert dessen seriösen Anspruch, soll er nun auch öfters in Firmen und bei Familienvätern Anklang finden. Noch besser gelingt dies natürlich mit dem ebenfalls erhältlichen Focus ST Turnier und dann als Diesel. Kombi und Selbstzünder stehen heute allerdings nicht auf dem Programm, sondern vielmehr der hier zu sehende Hot Hatch mit dem neu verpflanzten 2,3 Liter großen Vierzylinder. Um 0,3 Liter Hubraum legt das Aggregat im Vergleich zum Vorgänger zu, lässt nun 280 statt 250 PS von der Kette und jagt 420 statt wie bisher 360 Newtonmeter an die Vorderräder.

Ford-Focus-ST-Back

Dröger Sound, toller Handschalter

Schon die ersten Meter im Focus ST zeigen: Der Zuwachs an Hubraum und Leistung tun dem Kompaktsportler gut. Groß ist seine Elastizität, heftig sein Antritt und hoch seine Laufkultur. Nur in Sachen Sound hat es Ford aus unserer Sicht übertrieben. Zu sehr nervt das Gemisch aus echten und künstlichen Auspuffgeräuschen im Fahrzeuginnenraum – insbesondere auf längeren Fahrstrecken. Die Geräuschintensität lässt sich zwar über den Fahrmodus-Schalter regulieren, doch auch im Normal-Modus wirkt der Klang oftmals zu dröge und nur wenig sportlich. Sehr gelungen ist hingegen der 6-Gang-Handschalter, der für das richtige ST-Feeling auf jeden Fall über dem ebenfalls angebotenen 7-Gang-Automatikgetriebe rangiert.

Ford-Focus-ST-Interior

Innenraum mit Höhen und Tiefen

Die Schaltwege sind präzise und kurz, wobei auch der Schaltknüppel selbst gut in der Hand liegt. Was ebenfalls auf das Sportlenkrad zutrifft. Ansonsten ist der Innenraum ein Mix aus Höhen und Tiefen, insbesondere wenn es um die Materialqualität geht. Einfaches Plastik trifft hier auf sehr ansehnliche, mit Kontrastnähten verzierte, Anbauteile und natürlich auf die großartigen Recaro-Sportsitze. Sie sind 8-fach einstellbar und gehören mit zum besten Sportgestühl in dieser Wagenklasse. Wohlwollend könnte man auch sagen: Ford hat sich im ST-Cockpit auf die wesentlichen Punkte konzentriert, die für das Schnellfahren relevant sind.

Ford-Focus-ST-Seats

Fahrdynamisch oben auf

Und wenn schon der Innenraum des Ford Focus ST nicht in jeder Hinsicht überzeugen kann, dann auf jeden Fall die Fahrdynamik. Bei den Grundzutaten hat Ford aus dem Vollen geschöpft. Ab Werk liefert man ein um zehn Millimeter niedrigeres elektronisch geregeltes ST-Sportfahrwerk, eine elektro-mechanische Servolenkung mit einer ansprechenden Rückmeldung sowie ein ebenfalls elektronisch geregeltes Vorderachs-Sperredifferenzial, welches in der Tat ganz großes Kino abliefert. Dann zum Beispiel, wenn man eine Kurve – gefühlt – sowieso schon zu schnell angegangen ist und innerhalb der Biegung nochmals vehement aufs Gas tritt. Anstatt den Wagen jetzt untersteuernd ins Kurvenaus zu schieben, wird er sprichwörtlich hindurchgezogen. Die serienmäßige Torque-Vectoring-Technologie hilft ebenfalls dabei, schnelle Kurvenfahrten noch sicherer zu gestalten.

Ford-Focus-ST-Side

Stabile Hinterachse, überzeugende Bremse

Beeindruckend ist zudem die Leichtfüßigkeit, mit der uns der gut 1,5 Tonnen schwere Wagen bei der ersten Ausfahrt begegnete. Die Multilink-Hinterachse lässt sich kaum beirren und folgt selbst den gröbsten Lenkbefehlen ohne die Spur zu verlassen. Wird die schnelle Hatz dann doch einmal zu heftig, verzögert die serienmäßige Bremsanlage ziemlich vehement. Sie verfügt über Scheiben im Format von 330 Millimeter an der Vorder-, und 302 Millimeter an der Hinterachse. Beim ersten Test gefiel uns sowohl der Druckpunkt, als auch die Dosierbarkeit der Anlage.

Ford-Focus-ST-Dynamic

Erstes Fazit

Der neue Ford Focus ST übernimmt die tolle Grunddynamik des Basis-Focus und erweitert sie an den richtigen Stellen um ernstzunehmende Motorsport-Attribute. Der 2,3 Liter Vierzylinder Turbomotor hängt bestens am Gas, das Schaltgetriebe macht große Freude und wie der Hot Hatch um Kurven marschiert kann sich mehr als sehen lassen. Nervig ist hingegen das dröhnende Geräusch aus dem Soundmodul. Der Innenraum hinterlässt qualitätsmäßig auch beim derzeitigen Focus-Topmodell einen gespaltenen Eindruck. Wer mehr Platz und Reichweite benötigt, greift zum Focus ST Turnier Diesel. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

Technische Daten*

  • Modell: Ford Focus ST
  • Motor: Reihen-Vierzylinder-Turbo, 2.261 ccm
  • Leistung: 280 PS (206 kW) bei 5.500 U/min
  • Drehmoment: 420 Nm bei 3.000 - 4.000 U/min
  • Antrieb: Frontantrieb, 6-Gang-Schalter
  • Verbrauch: 7,9 l S /100 km
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 5,7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,39 m/1,85 m/1,46 m
  • Gewicht ca: ca. 1.508 Kg
  • Grundpreis: 31.900 Euro

*Herstellerangaben

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