Knausrige Transporter: Erste Ausfahrt Ford Transit Hybrid

Erstmals in der rund 54-jährigen Modellgeschichte des Ford Transit halten beim Sprinter-Konkurrenten gänzlich neue Antriebsformen Einzug. Die mittlerweile siebte Generation des Stückgutfrachters für kleine und große Transportaufgaben ist seit 2014 auf dem Markt und wurde diesen Herbst nicht nur optisch, sondern an einigen Ecken auch technisch überarbeitet. Maßgeblich unter der Haube tut sich einiges und so sollen nicht nur die 2,0-Liter-Turbodiesel-Varianten mit 105, 130 und 170 PS knausriger mit dem Kraftstoff umgehen, es gesellt sich auch eine neue Top-Version mit 185 PS hinzu. (Ford Transit Kombi, Kasten, Fahrgestell: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,5 – 9,5 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 144 – 250 g/km²).
Zwei Diesel-Motoren mit Mild-Hybrid-Technik
In unserem Fokus stehen allerdings die neuen teilelektrifizierten Antriebe, die wir nun erstmals im Münchner Umland Probe fahren konnten. So steht der im türkischen Gölcük gefertigte Transit Kastenwagen seit einigen Wochen mit optionaler 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik in der Preisliste, die bei den Motorvarianten mit 130 und 170 PS zum Einsatz kommt. Gekoppelt sind beide Varianten an einen leichtgängigen 6-Gang-Handschalter, wobei der Transit seinen rauen Dieselantrieb nie verleugnen kann. Die von uns gefahrene Variante, 2.0 TDCi Ford EcoBlue mit 125 kW/170 PS und Mild-Hybrid-Unterstützung, viel zudem durch starke Vibrationen im gesamten Führerhaus auf, wobei Lenkrad und Pedalerie am deutlichsten betroffen waren.
170 PS Diesel hat mit dem Gewicht kein leichtes Spiel
Lediglich 800 Euro mehr verlangt Ford für den Einsatz das 48-Volt-Bordnetz samt Starter-Generator, deren Einsatz unterm Strich für eine Kraftstoffersparnis von rund 0,5 Liter auf 100 Kilometer sorgen soll. Bei unserer Ausfahrt mit langem Radstand 350 L3 und einiger hundert Kilogramm Zuladung im Heck, konnten wir einen ersten Verbrauch von rund 8,5 Liter laut Bordcomputer erzielen. Die elektrische Unterstützung machte sich während unserer Testrunden vor allem beim Anfahren positiv bemerkbar, jenseits von 80 km/h wirkt aber auch der 170 PS und 390 Nm starke Antrieb mit der Leermasse von rund 2,2 Tonnen beinahe überfordert. Kurz vorm vollständigen Anhalten schaltet der Verbrenner ab, der Transit rollt zum Stopp-Punkt und lässt sich – anders als bei regulären Stopp-Start-Systemen bekannt – nicht mittels Kupplungsdruck wieder aktivieren. Erst beim eigentlichen Einkuppeln startet der Selbstzünder in Sekundenbruchteilen.
Der Ford Transit wird digitaler
Gegen Aufgeld bietet der Ford Transit nunmehr auch eine verbesserte Konnektivität. Ford Sync 3 hält Einzug, bietet ein 8-Zoll-Touchscreen mit Navigation, Bluetooth-Schnittstelle und Notruf-Assistent. Ferner bestellbar ist ein Abstandsregeltempomat in Verbindung mit einem Spurverlassenwarner sowie ein Totwinkel-Warner. Selbst erfahren haben wir, wie sich die Rückfahrkamera positiv auf das Rangierverhalten des Ford Transit auswirkt. Der neue Ford Transit steht mit Front-, Heck- oder Allradantrieb zur Verfügung, wobei die 4x4-Variante zunächst nicht von der 48-Volt-Technik profitiert. Der günstigste 105 PS Ford Transit Kombi 310 L2 startet in der Basisausstattung bei 38.365 Euro brutto, die 130 PS Variante 330 L2 ist ab 41.638,10 Euro zu haben. Ab dieser Variante hat man zudem die Option auf den Mild-Hybriden, der mit mindestens 42.590,10 Euro inklusive Mehrwertsteuer in der Preisliste steht.
Plug-in-Hybrid nur für Transit Custom und Tourneo
Bietet man die großen Kombis, Kastenwagen und Fahrgestelle in der Transit-Baureihe optional nur mit Mild-Hybrid-Technik an, geht Ford bei den Kompakt-Varianten Transit Custom und Tourneo Custom sogar noch einen Schritt weiter. Hier findet man ab Ende des Jahres auch eine vollwertige Plug-in-Hybrid-Variante, die rein elektrische Reichweiten von über 50 Kilometer ermöglichen soll. Dabei liefert ein 1,0-Liter-EcoBoost-Benziner mit 126 PS nach dem Range-Extender-Prinzip Energie für den Elektroantrieb. Das bedeutet, der 3-Zylinder-Turbo ist nie direkt mit den vorderen Antriebsrädern verbunden, sondern erzeugt Strom, der entweder in der 13,6 kW großen Lithium-Ionen-Batterie zwischengespeichert, oder direkt für den Vortrieb im E-Motor verwendet wird. (Ford Transit/Tourneo Custom: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 3,1 – 6,9 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 70 – 180 g/km²)
Strom für gut 50 Kilometer, spritzig im Antritt
355 Nm Drehmoment stellt der Plug-in-Hybrid-Antrieb maximal bereit, was bei unserer ersten Ausfahrt für durchaus spritzige Fahrleistungen sorgte. Natürlich primär auf Ortsgeschwindigkeit, wofür der Transit Custom Kombi Hybrid vorrangig gedacht ist. Ungewohnt: Zwischen rein elektrischen Phasen wird der Benzinantrieb aktiviert, der situativ auch seine Motordrehzahl erhöht, was zu unschönen Geräuschpegeln innerhalb des Fahrzeugs führt. Die Höchstgeschwindigkeit des Hybrid-Transit liegt derweil bei begrenzten 120 Stundenkilometer, wobei Ford einen kombinierten Kraftstoffverbrauch von 3,1 Liter und einen kombinierten CO2-Ausstoss von nur 70 Gramm pro Kilometer angibt. Das ökologische Gewissen hat allerdings seinen Preis. Die günstige Kastenwagen-Variante steht inklusive Mehrwertsteuer ab 57.114 Euro in der Liste, der Transit Kombi Hybrid beginnt ab brutto 62.838 Euro.
Plug-in-Antrieb reduziert nicht die Ladewerte
Positiv anzumerken ist an dieser Stelle, dass trotz der gewichtigen Batteriepacks weder das Ladevolumen von knapp 6,0 m³ sinkt, noch die Zuladung von 1.100 Kilogramm reduziert wird. Ermöglicht wird dies durch eine platzsparende Montage der Lithium-Ionen-Batterie im Unterflur des Ford Transit Custom. Wie beim großen Bruder, gibt es nun auch beim Handwerkermobil das Infotainment-System Sync 3 und eine reichhaltige Palette an Assistenzsystemen zu bestellen. Geht es im Ladeabteil noch luftig zu, müssen Mitreisende schon mit weniger Platz zurechtkommen. Der Fahrersitz lässt sich zwar verstellen, die Doppelsitzbank für die Beifahrer hingegen nicht. Insgesamt steht die Rückenlehne für lange Fahrten gefühlt zu senkrecht und auch die Pedalergonomie könnte besser sein.
Tourneo Custom als VW Bus Gegenspieler
Wer an diesen Punkten ansetzen möchte, der muss zum Familienmobil Ford Tourneo Custom greifen. Der wahlweise sehr komfortabel und maximal mit acht Sitzen ausrüstbare Tourneo ist der Gegenspieler zum VW T6/T6.1 und bietet ebenfalls die Möglichkeit zur teilweisen Elektrifizierung. Der 1,0-l-EcoBoost-PHEV kostet allerdings satte 71.900 Euro brutto. In etwas über vier Stunden soll die Batterie am Hausstrom und in knapp drei Stunden am Typ-2-Ladestecker (AC) geladen sein. Wir vermerkten bei der Probefahrt allerdings, dass auch die fahrzeugeigene Rekuperation bestens funktioniert und bereits nach wenigen Minuten Fahrzeit wieder rein elektrische Strecken möglich waren. Ab Frühjahr 2020 sorgt zudem ein Geofencing-Modul in Transit und Tourneo Custom dafür, dass beim Einfahren von definierten Umweltzonen der Antrieb automatisch in den lokal emissionsfreien Modus wechselt. Unabhängig von der Teilelektrifizierung bei den kompakten Transit-Modellen, besteht natürlich weiterhin die Möglichkeit die bekannten 2,0-Liter-Dieselaggrgeate zu ordern. Ebenfalls neu ist hier die 185 PS starke Top-Motorisierung. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
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