Range Rover P550e SV im Test: Luxusgleiter mit Stecker, 550 PS und sehr eigenem Auftrag

Der Range Rover P550e SV zeigt im Test, was dieses 5,05 Meter lange Luxus-SUV am besten kann: reisen, schweben und seine Insassen umgarnen. Der 550 PS starke Plug-in-Hybrid passt hervorragend zum Charakter, bietet aber auch Grund zur Kritik.

Das Wichtigste zuerst

AutoScout24-Bewertung: 8,2 von 10 Punkten.

Der Range Rover P550e SV ist ein luxuriöser Plug-in-Hybrid für Menschen, die lieber souverän reisen als hektisch rasen. Seine größte Stärke ist der unfassbar gelassene Langstreckenkomfort, unterstützt von einem sehr passenden Elektroantrieb. Seine größte Schwäche zeigt sich, wenn die Batterie leer ist in einem hohen Verbrauch oder der Fahrer die 2,8 Tonnen auf engen Hinterlandwegen zum Sporttreiben überreden will. Der Testwagen hatte zudem Probleme mit der aktiven Fahrbahn-Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling) des Meridian-Soundsystems.

Range Rover SV: Stärken, Schwächen, Alternativen


Was uns gefällt

Der Range Rover P550e SV fährt, als hätte jemand die Straße vorher gebügelt.

Was wir vermissen

Mehr Effizenz auf Langstrecken. Mit leerer Batterie erinnert er daran, dass 2,8 Tonnen und Schrankwand-Aerodynamik keine Verbrauchswunder vollbringen.

Perfekt wenn man ...

... viel reisen will. Sehr teuer, sehr weich und sehr britisch.

Die Alternativen

Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid, Mercedes-Maybach GLS, Audi Q9, BMW X7


Stärken

  • Sehr komfortabel und leise
  • Äußerst hochwertiger Innenraum mit viel Echtleder
  • Trotz Hybrid-Technik 3.000 Kilogramm Anhängelast

Schwächen

  • Störende Brummgeräusche durch Noise Cancellation
  • Fond-Einzelsitze schränken Variabilität deutlich ein
  • Schildererkennung im Test mit hoher Fehlerquote

range-rover-p550e-sv-front

Der Range Rover P550e will reisen, nicht rasen

Der Range Rover P550e ist in der getesteten SV-Ausführung vor allem ein außergewöhnlich komfortabler Luxusgleiter. Beinahe hätten wir an dieser Stelle vergessen, dass wir die aktuelle Generation (L460) schon vor einigen Jahren im Salzburger Land gefahren sind. Wenn wir uns zwischen den Zeilen noch recht erinnern, waren wir damals von seinen aktiven Fahrqualitäten eher nicht so angetan. Mit Blick auf die Straßen ahnten wir jedoch: Das 5,05 Meter lange SUV braucht eine gänzlich andere Umgebung, in der es sich beweisen kann.

Und siehe da: Ausgeführt auf gut ausgebauten Landstraßen und der deutschen Autobahn ist der aktuelle Range Rover als P550e Plug-in-Hybrid tatsächlich über vielerei Zweifel erhaben. Dort schwebt er zum Ziel wie kaum ein anderes SUV. Und das trotz aufgezogener 22-Zöller. Die serienmäßige Luftfederung kaschiert so ziemlich jeglichen Unbill von der Fahrbahn. Frostaufbrüche, Querfugen, Kanaldeckel: alles keine sonderliche Herausforderung für den Luxus-Land-Rover.

Erst wer abbiegt, hinein in die Hinterlandwege, gerne mit engen Kurven und kleinen Serpentinen, wird sich wundern, wie ungelenk sich der 2,8 Tonner trotz Hinterachslenkung und aktiver Wankstabilisierung anfühlen kann. Wer zu schnell in die nächste Biegung prescht, wird früh von der Traktionskontrolle zurechtgewiesen. Es ist die Ermahnung: Du sollst mit mir verdammt noch mal reisen, nicht rasen.

Technische Daten des Testwagens:

Modell Range Rover P550e SV
Antrieb Plug-in-Hybrid, Reihensechszylinder + Elektromotor
Systemleistung 405 kW / 550 PS
Verbrenner 3,0-Liter-Sechszylinder-Biturbo, 294 kW / 400 PS
Elektromotor 160 kW
Batterie 31,8 kWh netto
0-100 km/h ca. 4,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h
Leergewicht ca. 2,8 Tonnen
Grundpreis Deutschland 230.000 Euro
Testwagenpreis 257.500 Euro

Der Plug-in-Hybrid passt erstaunlich gut zum Range Rover

Der bis zu 405 kW / 550 PS starke Plug-in-Hybrid-Antrieb passt im Range Rover P550e sehr gut zum Konzept des entspannten, leisen Reisens. Wer hier unbedingt mehr Rambazamba mit Steckerantrieb will, sollte weiterhin zum Porsche Cayenne greifen. Der Range Rover P550e, besonders in der manufakturartigen Ausstattungslinie SV, versteht sich dagegen als Elder Gentleman, der niemanden etwas zu beweisen hat und von seinem zusätzlichen Elektromotor vor allem komfortseitig profitiert.

Die rein elektrische Reichweite liegt laut Hersteller bei etwa 104 Kilometern, im Test kamen wir auf 60 bis 70 Kilometer reinen Elektroanteil. Für die elektrische Fortbewegung ist ein bis zu 160 kW starker Elektromotor im Achtgang-Automatikgetriebe verantwortlich, gespeist von einer netto 31,8 kWh großen Batterie im Fahrzeugboden. Wird der 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit 294 kW / 400 PS hinzugeschaltet, ist der Standardspurt von null auf 100 km/h in 4,9 Sekunden möglich. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit etwas Anlauf bei Tempo 242 erreicht.

Ein Blick auf die Mitbewerber des Range Rover SV P550e:

Modell Leistung Elektrische Reichweite WLTP Verbrauch gewichtet kombiniert
Range Rover P550e SV 405 kW / 550 PS 104 km 3,2-2,8 l/100 km + 22,6-21,2 kWh/100 km
Porsche Cayenne E-Hybrid 346 kW / 470 PS 69-83 km 4,4-3,9 l/100 km + 19,7-19,1 kWh/100 km
Audi Q8 SUV e-hybrid quattro 360 kW 360 kW / 489 PS bis 83 km 4,4-3,8 l/100 km + 19,7-18,9 kWh/100 km
Mercedes-Benz GLE 450 e 4MATIC 240 kW + 135 kW / 326 PS + 184 PS 102 km 3,3 l/100 km + 21,7 kWh/100 km

Abseits dieser Papierwerte ist der Schub der beiden Antriebe im Zweifel sehr sportiv, die generelle Zusammenarbeit ohnehin sehr verschliffen. Einen V8 vermisst man in diesen Momenten eher selten. Wir können uns daher gut vorstellen, dass der Elektro-Range, der seit vielen Jahren angekündigt ist und wohl 2026 endlich vorgestellt werden soll, ziemlich gut mit dem Konzept dieses Reise-SUVs harmoniert. Hier kann sich das Warten also unter Umständen lohnen.

range-rover-p550e-sv-vordersitze

Der Verbrauch bleibt die nüchterne Seite des Luxus

Der Range Rover P550e kann mit voller Batterie sehr sparsam oder gänzlich ohne Benzineinsatz betrieben werden, wird mit leerem Akku aber schnell zum durstigen Spritvernichter. Weil wir hier mit einem Auto unterwegs sind, das 2,8 Tonnen wiegt und hochbauend wie eine Schrankwand ist, dürfen insbesondere auf längeren Etappen bei den Verbräuchen keine Wunder erwartet werden.

Ist die Batterie voll und geht es nicht gerade von Hamburg nach München, sind im Mischbetrieb laut Bordcomputer Werte von 8,5 bis 8,9 Litern auf 100 Kilometer möglich. Wird der P550e dagegen nur elektrisch bewegt, liegen die Verbrauchswerte schnell über 40 kWh je 100 Kilometer. Ist die Batterie auf der Autobahn dann irgendwann leergezogen und der Benziner auf sich alleine gestellt, kommt einem wieder der ebenfalls verfügbare Achtzylinder in den Sinn. Denn 14 Liter und mehr auf 100 Kilometer sind für diesen Sechszylinder-Plug-in-Hybrid eher kein Ruhmesblatt.

Gut, dass Land Rover diesem Umstand - theoretisch - Rechnung getragen hat, indem die Batterie (neben eher schwächlichen 7 kW AC) auch mit bis zu 50 kW Gleichstrom geladen werden kann. Freilich stellt sich die Frage, ob jemand, der wie im Falle des Testwagens 257.500 Euro ausgibt, sich freiwillig an die Ladestation stellt. Wir können die erlauchten Interessenten jedoch nur dazu ermutigen, diese Funktion auch zu nutzen. In etwa einer Stunde ist der Akku auf dem Supermarkt- oder Opernparkplatz so wieder von null bis 80 Prozent geladen.

range-rover-p550e-sv-details-mohair

Der Innenraum setzt sehr hohe Maßstäbe - mit einer Ausnahme

Der Innenraum des Range Rover P550e SV ist sehr hochwertig ausgeführt, einzig die aktive Fahrbahn-Geräuschunterdrückung fiel im Test negativ auf. Sie ist serienmäßig im Meridian Signature-Reference-Soundsystem enthalten und erzeugte regelmäßige störende Brummgeräusche aus den Lautsprechern in den Kopfstützen. Das Problem scheint innerhalb der Range-Rover-Szene durchaus bekannt zu sein. Abhilfe sollen Software-Updates schaffen. Wobei wir eigentlich davon ausgehen, dass ein Auto, das im April 2026 zugelassen wurde, keine Fehler der Baureihe von 2022 mit sich herumträgt. Zugleich mag dies im Innenraum die gravierendste Kritik bleiben.

Im SV-Trimm gibt es beinahe keine Ecke, die nicht mit Echtleder bezogen ist. Feine Details wie Holzdekore mit Metallintarsien, Keramikapplikationen, der belederte Einstiegsbereich, der ebenfalls belederte Dachhimmel und die hochflorigen Mohair-Fußmatten setzen hohe Maßstäbe. Die Verarbeitungsqualität gefällt, und auch an die Bedienung des nicht immer ganz so schnell reagierenden Pivi-Pro-Infotainmentsystems kann man sich mit etwas Gutwill gewöhnen. Sehr gut gelöst: Die EU-Zwangsassistenten lassen sich ohne Umwege direkt am Lenkrad deaktivieren. Das tut auch Not, denn die Fehlerquote, insbesondere bei der Schildererkennung, war während des Testzeitraums sehr hoch.

Abmessungen und Nutzwert:

Modell Range Rover P550e SV
Länge / Breite / Höhe 5.052 / 2.047 / 1.870 mm
Breite mit Außenspiegeln 2.209 mm
Radstand 2.997 mm
Leergewicht EU / DIN 2.810 / 2.735 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 3.480 kg
Anhängelast gebremst / ungebremst 3.000 / 750 kg
Stützlast 120 kg
Kofferraumvolumen 818 bis 1.841 Liter

range-rover-p550e-sv-kofferraum

SV oder nicht SV ist hier eine echte Alltagsfrage

Der Range Rover SV bietet viel Fond-Luxus, schränkt je nach Konfiguration aber Platz und Variabilität spürbar ein. Wer neben Look and Feel auch noch die ganze Praktikabilität eines Range Rover genießen will, sollte sich von Anfang an Gedanken machen: SV oder nicht? Und wenn SV, dann vielleicht doch direkt mit langem Radstand. Es ist dahingehend zwar sehr imponierend, was in Sachen Fondausstattung bei den Briten alles geboten wird, allerdings lässt sich vieles davon aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Range Rover mit kurzem Radstand kaum im richtigen Rahmen nutzen.

Ein weiterer Nachteil: Durch die Einzelsitze sowie die automatisch ausfahrbare Mittelkonsole im Fond kann der Besuch beim schwedischen Möbelhaus oder dem lokalen Baumarkt durchaus in Maßarbeit ausarten. Die Rücksitze lassen sich nämlich nicht komplett versenken, es entsteht eine deutlich ansteigende Ladefläche. Wer hier mehr Flexibilität wünscht, sollte zum normalen Range Rover als klassischer 5-Sitzer greifen. Laut Land Rover stehen dann 818 bis 1.841 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Die Anhängelast beträgt derweil, trotz schwerem Plug-in-Hybrid-Antrieb, pferdefreundliche 3.000 Kilogramm.

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Im Gelände kann er mehr, als die meisten brauchen

Der Range Rover L460 bietet weiterhin umfangreiche Offroad-Technik, auch wenn die meisten Kunden sie kaum nutzen dürften. Dass wir hier nicht weiter auf die Offroad-Qualitäten eingehen, liegt vor allem daran, dass kaum ein Prozent der aktuellen Range-Rover-Kunden weltweit mit ihrem L460 abseits befestigter Wege unterwegs sind.

Es sei dennoch erwähnt, dass natürlich eine ganze Reihe spezieller Fahrprogramme im Terrain Response System zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es weiterhin sowohl ein zweistufiges Verteilergetriebe als auch ein elektronisch geregeltes, aktives Sperrdifferenzial inklusive Torque Vectoring by Braking. Das ist schön zu wissen, selbst wenn der härteste Einsatz im Alltag vermutlich eher Bordstein, Pferdeanhänger und Hotelauffahrt heißt.

range-rover-p550e-sv-heck-seitenansicht

Fazit

Der aktuelle Range Rover P550e SV ist nicht nur auf der Straße eine mächtige Erscheinung, sondern macht auch innen einiges her. Den Vergleich zu Bentley und Rolls-Royce braucht man hier nicht scheuen. Der 550 PS starke Hybrid-Antrieb passt sehr gut zum Konzept des entspannten Reisens, weil gerade der leise Elektroanteil die ganze Range-Rover-Idee fast schon unverschämt schlüssig macht.

Kaufen beziehungsweise leasen sollte ihn, wer Luxus, Ruhe, Komfort und eine sehr souveräne Art der Fortbewegung sucht. Wer dagegen ein dynamisches SUV für enge Straßen, maximale Effizienz auf Langstrecken oder kompromisslose Variabilität im Fond erwartet, wird mit dem P550e SV nicht dauerhaft glücklich. Der Plug-in-Hybrid kann im passenden Einsatz großartig sein, nimmt sich mit leerer Batterie aber deutlich zu viel Benzin. Nervig bleiben außerdem die anhaltenden Brummgeräusche, die durch die Noise Cancellation in den Kopfstützen erzeugt wurden. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,2
Design
9,0
Bedienbarkeit
7,5
Komfort
9,5
Alltagstauglichkeit
8,0
Fahreigenschaften
7,5
Antrieb
8,5
Effizienz
7,0
Preis-Leistungs-Verhältnis
7,0
Ausstattung
9,0
Sicherheit
9,0

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FAQ: Häufige Fragen zum Range Rover P550e

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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