Mercedes-AMG GT SUV: 1169 Elektro-PS und V8-Sound

Das Wichtigste zuerst
Mercedes-AMG hat mit dem GT SUV sein erstes eigenes vollelektrisches Performance-SUV entwickelt. Um die Kundschaft zu überzeugen, simuliert das Fahrzeug reale V8- Motorensounds sowie Schaltvorgänge. Der 5,08 Meter lange Fünftürer bietet ein sportliches Cockpit mit drei Displays und KI-Unterstützung. Axialflussmotoren liefern im Topmodell GT 63 bis zu 1169 PS, womit es in 2,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Dank 800-Volt-System lädt der bis zu 128 kWh große Akku in 11 Minuten auf 80 %. Der Einstiegspreis liegt bei 113.000 Euro.
Mercedes-AMG SUV auf einen Blick:
Was uns gefällt
Das opulente Cockpit, da wird sogar ein Pilot neidisch.
Was wir vermissen
Einen echten V8, der zum Sound passt.
Ideal, wenn …
… man Sportwagen-Feeling sucht, aber einen SUV fahren will.
Die Alternativen
Lotus Eletre, Tesla Model X Plaid. Als Verbrenner Porsche K1 (ab 2028).
Stärken
- Das spektakuläre Design, robust und elegant.
- Die neuen High-Tech-Axialflussmotoren.
- Das semi-aktive Hydraulik-Fahrwerk.
Schwächen
- Parkplatz-Albtraum mit 5,08 Metern Länge.
- Das hohe Gewicht mit 2,7 Tonnen.
- Ambitionierte Preise.
So will AMG die Verbrenner-Kundschaft einfangen
Der Codename klingt so geheimnisvoll wie das ganze Projekt. X591 – unter diesem Titel entwickelte die Mercedes-Tochter AMG ihr erstes eigenes SUV. Dabei steht das X für die Karosserieform, also für einen Geländewagen. Die Zahl 59 bezeichnet die Modellfamilie. In diesem Fall alle Fahrzeuge, die auf der neuen Hochleistungs-Plattform AMG.EA stehen. Und die 1 sagt, dass es nach dem AMG GT Viertürer mit der Nummer 0 nun ein Schwestermodell gibt. Offiziell heißt es nun Mercedes-AMG GT SUV und soll die große Fangemeinde der Performance-Marke auch im Elektrozeitalter einfangen. So einfach ist das nämlich nicht – weil die AMG-Kundschaft nicht nur auf exklusive Autos mit gepflegter Leistung steht, sondern auch auf einen extrovertierten Auftritt. Das heißt: Einen AMG muss man hören. Sowohl innen als auch außen. Aber wie will man im Elektrozeitalter auf den Straßen auffallen, so ganz ohne Auspuff und Motorgeräusch? Da gibt es nur einen Weg – und den beschreitet jetzt auch AMG. Allerdings kommen die Affalterbacher hier und unüblicherweise nur als zweiter ins Ziel. Künstlichen Sound und simulierte Schaltvorgänge mit Zugkraftunterbrechung, das gibt es schon seit einigen Jahren bei Hyundai.
Elektro-SUV holt sich den Sound vom AMG GT R
Wir sitzen bei einem exklusiven Vorab-Termin im Daimler-Entwicklungszentrum bei Immendingen im brandneuen AMG GT SUV und dürfen den Sound gleich selbst ausprobieren. Also Gaspedal drücken und mit den Drehzahlen spielen. Rauf, runter, rauf, runter. Es brabbelt, es blubbert, es röhrt. Herrlich. Das hört sich unerhört gut nach einem Achtzylinder an. Kein Wunder – denn dieser Klang wurde nicht etwa künstlich erzeugt, sondern bei einem AMG GT R mit 16 Mikrofonen in jeder Fahrsituation eingefangen. Genauso wie der Sound eines AMG-Sechszylinders, der für das Basismodell verwendet wird. Das mag Puristen nicht überzeugen, wir fanden die Hörprobe aber ziemlich gut. Und wenn sich dieser Klang dann wie versprochen auch noch an das dynamische Fahrgeschehen anpasst, dann dürfte die Illusion perfekt sein. Der Sound wird selbstverständlich nach außen übertragen. Wer AMG fährt, will ja schließlich auch eine Bühne. Eine möglichst große.
Leuchtender Stern und Turbinen-Rücklichter
Wie macht sich das erste SUV der Affalterbacher auf dem Laufsteg? Da steht es nun, hell erleuchtet in einer ansonsten völlig dunklen Halle, das Projekt X591. Die lange Schnauze, die flache Frontscheibe und das gestreckte Dach erinnern eher an einen Sportwagen. Die große Schnauze mit dem Kühlergrill und dem optional beleuchtbaren Mercedes-Stern, sowie das Heck mit der mächtigen schwarzen Spange und den Rückleuchten im Turbinen-Design machen hingegen auf dicke Hose. Hier spricht das Design eher für ein SUV. Vielleicht ist es das, was den Charme dieses Mercedes-AMG ausmacht. Es ist schwer, ihn zuzuordnen – ein Wanderer zwischen den Welten. Das setzt sich im Interieur fort. Vorne fällt man ungewöhnlich tief in die Sitze. Sportwagen-Feeling im Fünfmeter-SUV. Das ist auch so gewollt. Platz gibt es genug. Nun ja, das Auto ist ja auch 5,08 Meter lang und hat einen Radstand von 3,04 Metern. Da bleibt auch noch genügend Raum für die Fondpassagiere, die ihre Sitze beheizen und belüften können. Die Rückenlehnen lassen sich elektrisch verstellen. Wie im GT Coupe wird es auch hier ein Executive-Paket geben mit zwei Einzelsitzen und einer Business-Konsole dazwischen. Auch beim Gepäck zeigt sich das SUV geräumig: 607 bis 1740 Liter. Das ist schon recht ordentlich. Und vorne in den Frunk passen auch noch – Alaaf und Helau –111 Liter hinein.
14-Zoll-Bildschirm auch für den Beifahrer
Das Cockpit ist auf den Fahrer ausgerichtet und lichttechnisch mit der Farbe Rot spektakulär inszeniert. Viel Leder, gesteppte Nähte, gebürstetes Alu und Karbon. Hier darf man noch schwelgen. In der Mittelkonsole sitzen die drei Drehknöpfe, die aus dem Fahrspaß eine Wissenschaft machen. Hier lassen sich das Ansprechverhalten der Motoren, die Traktion und das Fahrgestell in jeweils neun Stufen fein justieren. Das Cockpit ist mit einem 14-Zoll-Multimedia-Display und einem 10,2-Zoll-Kombi-Instrument ausgerüstet ist. Und der Beifahrer muss auch nicht darben und bekommt seinen eigenen 14-Zoll-Display Bildschirm. Das neue Mercedes-Betriebssystem MB.OS kennt man schon aus dem GLC. Im Einsatz sind zahlreiche KI-Agenten und -Modelle. ChatGPT ist ebenso an Bord wie Google Gemini.
2000 Nm Drehmoment und 1169 PS im Spitzenmodell GT 63
Kommen wir zu den Motorisierungen. Hier gibt es eine wahre Leistungs-Orgie. Schon der GT 53 SUV fährt mit 400 kW /544 PS und einem Drehmoment von 800 Nm vor. Zwei normale E-Triebwerke, eines vorne und eines hinten, bringen die Kraft auf die Straße. Beim GT 55 und GT 63 ändert sich das Antriebslayout. Dann kommen neue E-Maschinen ins Spiel. Gebaut werden die sogenannten Axialflussmotoren von der Mercedes-Tochter Yasa in Berlin. Im Gegensatz zu herkömmlichen Radialflussmotoren sind sie sehr kompakt. Etwa ein Drittel so dick wie ein normaler E-Motor und deshalb auch 50 Prozent leichter. Dafür bieten Axialflussmotoren ein bis zu 4-mal höheres Drehmoment- und die doppelte Leistungsdichte. Außerdem kann man sie besser kühlen. Damit lässt sich wiederum die Dauerleistung steigern. Drei dieser relativ kompliziert zu produzierenden und deshalb sehr teuren Maschinen treiben die Spitzenmodelle an. Hinten zwei, vorne eine – die aber nur bei hohen Traktionsanforderungen mit ins Geschehen einsteigt. So kommt der GT 55 SUV auf eine Leistung von 600 kW / 816 PS (1860 Nm), der GT 63 gar auf 860 kW / 1169 PS (2000 Nm). Letzterer packt Tempo 100 in 2,5 Sekunden. Die 200 fallen nach 7,2 Sekunden. Um das zu schaffen, ist immer der intelligente Allradantrieb mit Torque-Vectoring im Einsatz.
In elf Minuten soll die Batterie zu 80 Prozent voll sein
Für Fahrspaß dürfte auch die neu aufgesetzte AMG Active Ride Control + sorgen. Im GT 63 ist sie Serie, beim GT 55 optional bestellbar. Bei diesem semi-aktiven Fahrwerk gibt es keine mechanischen Stabilisatoren mehr. Ihre Aufgaben übernehmen die dreifach schaltbaren Luftfedern, die über ein Hydrauliksystem miteinander verbunden und zentral gesteuert werden. Nahezu in Echtzeit wird das benötigte Niveau für alle vier Reifen eingestellt. Dadurch dürfte sich das bis zu 2,7 Tonnen schwere Sport-SUV ohne Wanken durch die Kurven lenken lassen. Und die Nick-Bewegungen werden beim starken Abbremsen auch gleich weggebügelt. Für Agilität sorgt die serienmäßige Hinterachslenkung, die bis zu sechs Grad einschlägt. Noch ein Wort zu den Reichweiten. Es gibt zwei Akkugrößen mit 106 oder 128 kWh (netto). Beim Basismodell ist nur die kleinere Batterie bestellbar. Damit kommt das GT 53 SUV zwischen 597 und 668 Kilometern weit. Bei GT 55 und GT 63 sind es zwischen 525 und 700 km. Das 800-Volt-System lässt sich, sofern eine entsprechende Säule zur Verfügung steht, mit 600 kW oder 700 kW (großer Akku) aufladen. Im Idealfall wäre der Energiespeicher nach 11 Minuten wieder zu 80 Prozent voll.
Unser Fazit
Mut haben sie ja bei Mercedes. Erst im Frühjahr 2026 hat Porsche seine Antriebsstrategie für das Luxus-SUV K1 geändert und legt erst ab 2030 eine Elektro-Variante auf, weil die betuchte Kundschaft partout nicht vom Benziner abrücken will. Ausgerechnet die Verbrenner-Legende AMG bleibt auf dem Kurs und will mit einem vollelektrischen Performance-SUV reüssieren. Ob künstlicher Sound und virtuelle Gangwechsel dabei helfen, das wird sich zeigen. Preislich geht es bei 113.000 Euro los. Die stärkeren GT 55 und GT 63 kommen erst 2027, diese Preise verrät Mercedes noch nicht, sie dürften aber an die 200.000-Euro-Marke heranreichen. (Text: Rudolf Bögel. Fotos: Hersteller)
Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zum AMG GT SUV:
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