585 PS zum Golf-Preis: Mercedes-AMG E 63 S 4MATIC T-Modell als Gebrauchter

Als Neuwagen fast unerschwinglich, rutscht der Mercedes-AMG E 63 S 4MATIC der Baureihe 212 preislich mittlerweile in einen eträglichen Rahmen. Wir geben einen kleinen Überblick über das T-Modell, welches die Leistung eines Supersportlers mit der Nützlichkeit eines braven Alltagskombis verbindet.

2013 war die Welt für allerlei Autoenthusiasten noch eine bessere. Also zumindest ein wenig. Woran wir das festmachen? Mercedes-AMG lieferte im E 63 S 4MATIC zum Beispiel noch mehr Hubraum. Freilich: Frei atmende 6,2 Liter, plus ein paar Zerquetschte, gab es zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr in der E-Klasse, aber immerhin noch standesgemäße 5,5 Liter! Und da man sich in Affalterbach sicher war (und nach wie vor ist), dass ein hubraumstarker Achtzylinder wohl am besten mit einem Turbolader funktioniert, spendierte man dem Aggregat M 157 DE 55 AL auch gleich zwei davon.

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585 PS bzw. 430 kW bildeten somit ab Juni 2013 den glorreichen Serienabschluss der E-Klassen-Baureihe 212. Die S-Variante war dabei stets allradgetrieben und mit einem 7-Gang AMG Speedshift MCT Sportgetriebe ausgerüstet. Weshalb wir hier gerade das T-Modell mit dem internen Baureihenkürzel S212 vorstellen? Weil es das Unnütze mit dem Nützlichen verbindet. Seien wir ehrlich: Kein Mensch braucht 585 PS in einem Kombi, aber Beschleunigungswerte wie in einem Supersportler sind dann eben doch verlockend - vor allem wenn man zusätzlich zwischen 695 und maximal 1.950 Liter Laderaum zur Verfügung hat. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund, wieso der E 63 S 4MATIC so interessant ist: Aufgrund des Preises!

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Gute Gebrauchte starten bei Vertragshändlern mittlerweile unterhalb der 50.000 Euro Grenze und haben in ihrem bisherigen Autoleben bestenfalls zwischen 50 und 90.000 Kilometer zurückgelegt. Zum Vergleich: Der einstige Neupreis lag in Deutschland bei mindestens 121.380 Euro. Da aber kaum jemand ein solches Auto nackt bestellt hat, waren Neupreise jenseits der 140.000 Euro keine Seltenheit. Heute hingegen gibt es 585 PS und heftige 800 Newtonmeter Drehmoment zum Preis eines anständig ausgestatteten VW Golf R zu kaufen.

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Anders als der AMG, marschiert der Wolfsburger Krawallbruder allerdings nicht in 3,7 Sekunden (T-Modell) auf Tempo hundert und erreicht (mit dem optionalen AMG Performance Package) auch keine Spitzengeschwindigkeit von sage und schreibe 300 km/h! Bei solchen Werten muss sich selbst ein brandneuer Porsche 911 Carrera 4S kräftig strecken um dran zu bleiben. Doch wenn wir solche Vergleiche ziehen, dann müssen wir fairerweise auch verlautbaren: Der Golf, ja vielleicht sogar der Porsche 911, sind im langfristigen Unterhalt wohl die günstigere Wahl. Zwar hat man es beim Mercedes-AMG E 63 S 4MATIC noch mit einem relativ jungen Gebrauchtwagen von sehr guter Qualität zu tun, kaputtgehen sollte aber dennoch nichts.

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So kostete beispielsweise die Carbon-Keramik-Bremsanlage 2013 einen satten Aufpreis von 8.271 Euro und ist auch als Komposition aus Ersatzteilen nicht wirklich günstig. Die Frage muss zwar gestellt werden, wer auf einmal die komplette Anlage tauschen will, aber selbst eine Keramik-Bremsscheibe schlägt schnell mit einem kleinen Vermögen zu Buche. Wer nun aber dennoch damit liebäugelt, einen E 63 S 4MATIC aus den Baujahren 2013 bis 2016 beim Gebrauchtwagenkauf in Betracht zu ziehen, der sollte sich zudem bewusst sein, dass Materialschonung bei vielen Leasingnehmern im Erstbesitz meist keine allzu große Rolle gespielt haben dürfte.

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Eine kurze aber dafür knackige Wartungshistorie sollte daher Voraussetzung sein, dass man sich mit dem Biturbo V8 aus Affalterbach dauerhaft einlässt. Der Verbrauch stellt da fast schon eine Nebensache dar: 14 Liter Super Plus im passiv gefahrenen Alltagsgeschehen sind aber sicherlich ein erster Anhaltspunkt. Dagegen erfreulich: Die Mercedes E-Klasse der Baureihe 212 gilt beim TÜV, gemessen an den Verkaufszahlen und der teils imensen Laufleistung über alle Motorvarianten hinweg, als eher unauffälliger Dauerläufer. Vermehrt Probleme scheint es nur mit der Feststellbremse zu geben, die gerne unregelmäßige Zugwerte liefert. (Autor: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

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