Grenzbereich: Mitsubishi Lancer Evolution VIII – Do the Evolution

Ich stellte den grellblauen Evo extra in der Tiefgarage ab. Parkte in einer schmalen Einzelbox mit dicken Betonwänden auf beiden Seiten. Doch sie fanden ihn trotzdem. Zuerst war es nur einer, etwa 17 Jahre alt: “Krass, ein Evo VII?!“, fragte er mit offenem Mund.

„Nein, Evo VIII...“, antwortete meine Begleitung.
Dabei schaute sie zu Boden, noch immer schockiert vom überdimensionalen Heckflügel, den dicken Backen über den Rädern und dem vergitterten Loch in der Motorhaube, aus dem heiße Luft flirrt, die an der Ampel den Blick nach vorne verschwimmen lässt. Dabei hatte ich sie vorgewarnt, ein Rallye-Auto für die Straße angekündigt.

Selbst die verschämte Parklücke war ein Zugeständnis an sie. Doch wie gesagt, sie fanden ihn trotzdem. Inzwischen waren sie auch zu zweit, denn in Rekordzeit hatte der Kerl seinen Kumpel herbei geschafft. Nun standen sie also da, und wollten noch kurz einen Blick in den Innenraum werfen. Den Evo kannten sie vom PC- und Konsolen-Kult-Spiel Need for Speed. Wer stundenlang Rennen um Rennen abdaddelt, bekommt als Belohnung irgendwann den Mitsubishi Lancer Evolution. Doch das Cockpit ist im Spiel nie zu sehen.

Energisch, wütend, echt

Computerspiele. Damals, als ich selbst nächtelang in die Röhre kuckte, als Test Driver die heißesten Pixel-Schlitten mit den Pfeiltasten durch aus 16 Farben gemischte Landschaften lenkte, war an perfekte Simulationen vom Schlage eines NFSU kein Denken. Dafür war die Musik besser. Von Pearl Jam etwa. Die hatten später sogar einen Titel namens „Do the Evolution“. Ein Lied, so energisch, so laut, so wütend und so ehrlich wie der Evo.

Doch das alles wollten die beiden gar nicht wissen. „Krass“, entfuhr es ihnen reflexartig beim Blick ins Interieur. Warum, verstand ich zwar nicht, schließlich herrscht hier der nüchterne Schick eines in die Jahre gekommenen japanischen Mittelklasseautos. Doch OK, gewürzt ist es mit einem supergriffigen Momo-Lenkrad und erbarmungslos harten, passgenauen Recaro-Sitze.

Wesentliches

Auf die Frage, „was der so in Spitze geht?“, antwortete ich lakonisch: „Fast 250, aber darauf kommt es bei diesem Auto nun wirklich nicht an.“ Scheiße, kam dieser altkluge Bullshit wirklich von mir? Meine beiden Evo-Fans bemerkten es nicht, ließen sich gerne darüber aufklären, dass der Evo ein auf zivile Straßen verbanntes Rallye-Fahrzeug ist und es mehr um Sprintwerte, Traktion und Handling geht als um Topspeed. Dass die wahre Freude darin besteht, die 265 PS abzurufen und die nicht enden wollende Beschleunigung zu spüren, den Turbolader pfeifen zu hören, immer engere Kurven zu finden, um irgendwann doch an den Grenzbereich zu stoßen, scharf zu bremsen, mit Zwischengas herunter zu schalten, damit der Ladedruck erhalten bleibt und es sofort mit voller Wucht weiter geht zur nächsten Kehre. Und dass es darum geht, dass so ein Auto etwas wunderbar Ehrliches ist. Weil da so ein unglaublich direkter Draht zur Straße besteht, das Lenkrad stets mit beiden Händen fest gehalten werden muss, die Gänge mit Kraft durch die eng gestufte Kulisse gedrückt werden wollen.

Untergrund-Programme

Meine Augen funkelten, die der Daddler funkelten, aber auch die meiner Begleitung - nur aus ganz anderen Gründen. Sie wollte endlich raus aus der Tiefgarage und hatte auch bei Gott keinen Bock mehr, schon wieder Geschichten über den Evo zu hören. Schließlich war ich den ganzen Tag damit unterwegs, auch den vergangenen und den davor sowieso. Und immer gab es Neues zu erzählen, etwa dass es die drei Programme „Teer“, „Schnee“ und „Schotter“ für den Allradantrieb gibt, und ich einen aber dermaßengeeigneten Kiesweg gefunden hatte. Oder dass sich bei latent Vollgas der Zeiger der Tankuhr schneller bewegt als bei anderen Autos die Tachonadel.

Zum abendlichen Treffen mit Freunden durfte der Evo dann auch nicht mit. Die obligatorische Frage, welches Auto ich denn derzeit testen würde, wurde abermals von meiner Begleitung beantwortet: „Einen Mitsubishi Lancer“. Weitere Fragen blieben aus.

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