Erster Test: Peugeot 308 CC – Wieder das Heck

Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm der neue Peugeot 308 CC. Anfang April 2009 rollt der offene Kompakte zu den deutschen Händlern - wieder mit Pummel-Heck und vorerst mit nur einem Motor. Dafür gibt‘s erstmals in einem Cabrio vollwertige Kopfairbags.

Mit einem Anteil von elf Prozent führte Peugeot auch 2008 unangefochten das Cabrio-Segment in Deutschland an. Den Löwenanteil kassierte mit fast 13.000 Einheiten allerdings der 207 CC; für seinen großen Bruder 307 CC entschieden sich nur rund 1.500 Käufer.

Dicker Hintern

Das mag zum einen am höheren Preis liegen, zum anderen aber auch am Design. Schließlich wirft man dem 307 CC seit seiner Markteinführung in 2003 einen dicklichen Hintern vor, der das ganze Auto plump wirken lässt. Doch die Unkenrufe scheinen bei Peugeot auf taube Ohren zu stoßen: Auch der Nachfolger tritt mit einem wenig grazilen Heck an.

Der Grund für die breiten Hüften ist einfach: Peugeot setzt auf eine nur zweigeteilte Dachkonstruktion, und die braucht nunmal Platz. Dass man sich weiterhin für diese Bauart entschieden habe, liege vor allem daran, dass es mit dem Dach des 307 CC kein einziges Mal Probleme gegeben habe, so Peugeot Deutschland Geschäftsführer Thomas Schalberger. Die mehrteiligen Verdecke der Mitbewerber seien oft undicht und aufgrund der immer filigraneren Konstruktion auch viel empfindlicher.

Optische Tricks

Immerhin haben die Peugeot-Designer den wuchtigen Hintern mit kleinen Tricks aufgepeppt: Die jetzt hochkant stehenden Rückleuchten verleihen dem Heck nicht mehr zusätzliche Breite, das von der Heckschürze nach oben in den Kofferraumdeckel gewanderte Nummernschild zieht den Bürzel optisch nicht mehr so stark nach unten und der geteilte Diffusor sorgt für zusätzliche Auflockerung.

Auch wenn der 308 CC im geschlossenen Zustand noch immer keinen Alabaster-Körper hat: Offen kann sich der Peugeot auf alle Fälle sehen lassen. Vorsicht ist allerdings beim Einsteigen geboten: Die tiefen, weit nach hinten reichenden A-Säulen laden förmlich dazu ein, sich daran den Kopf zu stoßen. Zudem behindern sie stark die Übersicht, vor allem in Kurven sind die Bauteile stets im Blickfeld.

Kein Platz im Fond

Das Cockpit mit den großen, weiß hinterlegten Rundinstrumenten stammt größtenteils aus der Limousine. Nur an Feinheiten wie etwa der geänderten Tachobeschriftung oder glänzend-schwarzem Dekor lässt sich der CC erkennen. Wie gehabt ist der 4,40 Meter lange Peugeot als Viersitzer homologisiert. Doch auch mit zehn Millimetern mehr Beinfreiheit im Fond geht es auf der Rückbank ähnlich eng zu, wie im Vorgänger.

Mehr zulegen konnte dagegen das Kofferraumvolumen: Geschlossen schluckt der 308 CC jetzt 403 Liter und damit 53 Liter mehr als bisher. 15 Liter davon gehen auf das Konto eines zusätzlichen Staufachs im Kofferraumboden. Im offenen Zustand - nach 20 Sekunden ist das Dach vollautomatisch bei bis zu 12 km/h verstaut - passen noch 226 Liter rein (ein Plus von 22 Litern). Beim Beladen sind dann allerdings die Dachteile im Weg.

Vorerst nur ein Diesel

Wenn das Cabrio Anfang April bei den Händlern steht, wird es zunächst nur den 140 PS starken 2.0 HDI geben. Ein weiterer Diesel (1.6 HDI, 112 PS) und ein Benzinmotor (1.6 VTi, 120 PS) folgen im Juli. Der Grund für die Verspätung: Peugeot Deutschland will im 308 CC ausschließlich Euro-5-Motoren anbieten und nur der große Selbstzünder erfüllt die Norm bereits jetzt. Für den Herbst haben die Franzosen schließlich noch eine voraussichtlich 175 PS starke Turbovariante des 1.6er-Benziners sowie ein Automatikgetriebe angekündigt.

Mit dem aus der Limousine bekannten Zwei-Liter-Diesel ist der 308 CC gut gerüstet. Der Vierzylinder spricht schnell an, schickt bis zu 340 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und läuft kultiviert - wenn auch nicht ganz leise. Mit einem Verbrauch von rund sechs Litern ist er zudem kein Säufer. Zusammen mit seinem kleinen Bruder soll er einen Dieselanteil von 40 Prozent einfahren und damit etwas mehr Käufer für die Selbstzünder begeistern als beim Vorgänger.

Schwergewicht

Für den Benziner sprechen dagegen die über 100 Kilogramm weniger Gewicht. Denn mit mehr als eineinhalb Tonnen - der 2.0 HDI bringt 1.674 Kilogramm auf die Waage - ist das Cabrio ein echtes Schwergewicht, was beim Fahren spürbar wird: Der Peugeot wirkt etwas behäbig. Ein Eindruck, der von der gefühllosen Lenkung nicht entkräftet wird.

Auch die Getriebeentwickler müssen sich tadeln lassen: Die Sechsgang-Schaltung wirkt typisch französisch etwas labberig. Für den Benziner ist zudem nur eine manuelle Fünf-Gang-Box vorgesehen. Lob geht dagegen an die Fahrwerks-Ingenieure: Die Fahreigenschaften wurden deutlich verbessert. Ohne dass er zu weich wirkt, schluckt der Peugeot Bodenwellen und Unebenheiten und bleibt bei flotter Kurvenfahrt lange neutral. Verglichen mit dem Vorgänger legt der offene 308 dank seiner steiferen Karosserie deutlich weniger Vibrationen an den Tag.

Für Genussmenschen

Dass Peugeot mit dem 308 CC Genussmenschen ansprechen will, die bereit sind, für ein schönes Auto auch etwas mehr Geld zu zahlen, gibt man in Paris offen zu. Mit diesem Wissen überrascht auch der hohe Einstiegspreis nicht: 25.800 Euro. Dafür gibt es den ab Sommer verfügbaren Benziner in der Basisversion „Tendance“, inklusive Audio- und Klimaanlage, Nebelleuchten, Alurädern, ESP und sechs Airbags. Der 308 CC ist übrigens das erste Cabriolet, dass über echte Kopfairbags (in den Sitzen integriert) verfügt. Für den ebenfalls erst ab Juli verfügbaren 112-PS-Diesel sind in dieser Ausführung 27.750 Euro fällig.

Der von Beginn an erhältliche Selbstzünder fährt mindestens in der mittleren „Premium“-Ausstattung vor (ab 30.150 Euro) und hat zusätzlich Tempomat, Licht- und Regensensor, Lederlenkrad und eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik.

Warmer Nacken

Für 710 Euro kann man dann die in den Lehnen der Vordersitze eingelassene Nackenheizung Airwave bestellen, deren warmer Luftstrom sich wie ein Schal um den Hals legen soll. Im Preis dabei ist das sonst 290 Euro teure Windschott, Voraussetzung ist allerdings eine Lederausstattung für mindestens 1.500 Euro.

Serienmäßig gibt es Airwave und Leder in der Top-Version „Platinum“, die momentan wiederum ausschließlich für den 2.0 HDI vorgesehen ist. Im Preis von 32.900 Euro sind dann auch Einparksensoren vorne und hinten, Sitzheizung, Reifendrucksensoren und 18-Zoll-Räder dabei. Ebenfalls exklusiv für den großen Diesel bietet Peugeot Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.150 Euro) und elektrisch verstellbare Vordersitze inklusive Memory-Funktion an (1.000 Euro)

Technische Daten
Marke und Modell Peugeot 308 CC 2.0 HDI Peugeot 308 CC 1.6 HDI Peugeot 308 CC 1.6 VTi
Ausstattungsvariante Premium Tendance Tendance
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.400 / 1.817 / 1.427 4.400 / 1.817 / 1.427 4.440 / 1.917 / 1.429
Radstand (mm) 2.608 2.608 2.605
Wendekreis (m)
Leergewicht (kg) 1.674 1.525 1.555
Kofferraum (Liter) 226 - 403 226 - 403 226 - 403
Bereifung Testwagen 225/45 R17 215/55 R16 215/55 R16
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.997 / 4, Reihe 1.560 / 4, Reihe 1.598 / 4, Reihe
Leistung (PS) 140 112 120
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 340 / 2.000 285 / 1.750 160 / 4.250
Antriebsart Frontantrieb Frontantrieb Frontantrieb
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe manuelles 6-Gang-Getriebe manuelles 5-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Diesel Diesel Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 5,9 5,3 7,1
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 155 / Euro 5 139 / Euro 5 165 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k. A. k. A k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 10,8 12,2 13,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 208 192 195
Preise
ab (Euro) 30.150 27.750 25.800
Empfohlene Extras Xenon-Paket (1.150 Euro), Navigationssystem (950 Euro), Parksensoren (500 Euro), Nackenheizung (710 Euro), Sitzheizung (210 Euro) Einparkhilfe hinten (310 Euro), Tempomat (210 Euro), Klimaautomatik (390 Euro), Windschott (290 Euro), Sitzheizung (210 Euro) Einparkhilfe hinten (310 Euro), Tempomat (210 Euro), Klimaautomatik (390 Euro), Windschott (290 Euro), Sitzheizung (210 Euro)
VergrößernVerkleinern
## Fazit
Ohne Frage, der 308 CC ist kein Schnäppchen. Allerdings liegt der Franzose immer noch gut 2.000 Euro unter seinem größten Konkurrenten, dem VW Eos. Für den Peugeot sprechen das ausgewogene Fahrwerk, die verwindungssteife Karosserie und der kräftige und sparsame Dieselmotor. In Kauf nehmen muss man ein geringes Platzangebot im Fond, die etwas schwammige Schaltung und eine gefühllose Lenkung.

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Gebrauchtwagen-Kaufberater: Peugeot 308 – Nicht ohne Mängel

Testberichte · Peugeot

Erster Test: Peugeot 308 GTi – Flotter Franzose

Testberichte · Peugeot

Erster Test: Peugeot 308 – Peugeots neue Saubermänner

Testberichte · Peugeot
Mehr anzeigen