Günstig auf Koreanisch: Erster Test SsangYong Tivoli

Bei der Suche nach einem Kompakt-SUV stehen derzeit viele Namen auf der Wunschliste der Käufer. Doch der SsangYong Tivoli wohl eher weniger. Sollte er aber. Denn der Koreaner kann eine echte Alternative zum derzeitigen Auto-Einerlei sein. Wir sind den SsangYong Tivoli nun erstmals gefahren.

Sie suchen nach einem höhergelegten Auto zum günstigen Preis? Ein Dacia Duster hat mittlerweile zu viel Status und ein Lada Niva ist dann doch zu puristisch? Wie wäre es zum Beispiel mit einem SsangYong Tivoli. Klingt vorne zunächst chinesisch und hinten italienisch? Beides irgendwie richtig und trotzdem falsch. Denn der 1954 gegründete Autobauer SsangYong ist koreanischer Herkunft und gehörte nur zwischenzeitlich zu einem chinesischen Konsortium. Tivoli hingegen könnte vieles bedeuten. Sogar, dass es sich um einen Vergnügungspark in Köln handelt. Allerdings hat der von uns gefahrene neue SsangYong Tivoli mit der Stadt am Rhein und dessen verblichener Grünanlage nur das Kennzeichen gemein. Zugleich verbirgt sich hinter dem Kunstnamen eine echte Alternative im günstigen SUV-Segment.

SsangYong-Tivoli-Front

Klimaanlage kostet extra

Zwar gibt es den Tivoli von SsangYong schon seit 2015 zu kaufen, doch erst jetzt, nach der Modellüberarbeitung, wird er wohl bei vielen vermehrt auf der Bildfläche erscheinen. Er übernimmt das kerngeliftete Markengesicht der Koreaner, das gleichzeitig den eben vorgestellten Korando ziert, und paart es mit einem neuen Basis-Benziner sowie einem knapp bemessenen Einstandspreis. Fortan gibt es 163 Turbo-PS im SsangYong Tivoli für knackige 15.990 Euro zu kaufen. Dann allerdings weiterhin ohne Klimaanlage. Sie kostet ebenso Aufpreis wie DAB-Radio oder 16-Zoll Alufelgen. Das ist aber auch bei der Konkurrenz nicht anders und so widmen wir uns zunächst dem Fahrkapitel.

SsangYong-Tivoli-Interieur

Starker Auftritt des neuen Turbo-Benziners

Der neue 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo kann dabei als Bereicherung für den SsangYong Tivoli gesehen werden und war schon lange überfällig. Denn mit dem bisher 128 PS starken Saugmotor konnte man niemandem mehr Begeisterung entlocken – allen voran nicht den Umweltbehörden. Allerdings ging auch der neue Benziner bei der ersten Ausfahrt im Wiesbadener Umland nicht recht sparsam mit dem Kraftstoff um. Acht bis zehn Liter Super sehen wir als realistisch an, was im Falle unseres Testwagens wohl auch an der verbauten Automatik liegen dürfte. Sechs Gänge bietet sie und kostet wie der optionale Allrad 2.000 Euro Aufpreis. Lohnenswert ist sie vor allem für jene, die ihren Fahralltag in aller Gemütlichkeit bestreiten wollen.

SsangYong-Tivoli-Trunk

So fährt sich der Tivoli

Und so wie das Aisin-Automatikgetriebe die Gänge wechselt, federt auch das Fahrwerk. Manchmal weich aber eher trocken, ohne große Dynamik. In schnell gefahrenen Kurven fühlt sich der SsangYong Tivoli sodann auch relativ unwohl, was ebenfalls an der zu leichtgängigen Lenkung liegt. Sie bietet im normalen Fahrmodus nur wenig Rückmeldung und gewinnt erst in Sportstellung etwas an Gewichtung. Eine nervöse Hinterachse stört derweil feinfühlende Naturen im langsamen Stadtverkehr. Doch möchten wir an dieser Stelle betonen, dass das Gesamtwerk Tivoli am Ende besser fährt, als wir das eingangs dachten. Er stellt nur wenig Ansprüche an seinen Fahrer, bietet eine gute Rundumsicht und mittlerweile auch einen verbesserten Sicherheitsstandard.

SsangYong-Tivoli-Side

Viele Assistenten serienmäßig

So gibt es im SsangYong Tivoli nunmehr eine ganze Reihe an Helfersystemen - serienmäßig. Zum Beispiel Notbrems- und Spurhalteassistent oder eine Verkehrszeichenerkennung. Ein Tempomat ist ebenfalls ab Werk verbaut, der Totwinkelsensor hingegen erst bei der Top-Version Sapphire. Viele andere Optionen sind weiterhin direkt mit einer höheren Ausstattungslinie verbunden, was auch auf das Navigationssystem oder ein längsverstellbares Lenkrad zutrifft. Zu unserer abermaligen Verwunderung ist der Innenraum jedoch keine bloße Ansammlung von hartem Plastik. Es dominiert zwar weiterhin, ist aber mehr als ansehnlich präsentiert. Klavierlackoptiken sollen Hochwertigkeit vermitteln und immerhin die alltäglichen Griffbereiche sind überwiegend mit geschäumtem Kunststoff überzogen.

SsangYong-Tivoli-Assist

Optional mit digitaler Instrumententafel

In Sachen Infotainment hat der SsangYong Tivoli im Vergleich zum direkten Vorgänger kräftig nachgelegt. Der Navigationsbildschirm misst nun 9,2 Zoll im Durchmesser und lässt sich mittels Touchfunktion sogar recht passabel bedienen. In der Top-Version ist eine digitale Instrumententafel im 10,25-Zoll-Format erhältlich, welches wir bereits im neuen Korando testen konnten und für sehr empfehlenswert halten. Doch auch die analogen Instrumente unseres Testwagens machen einiges her und sind durch ihre große Beschriftung einfach abzulesen. Das Mäusekino in der Mitte informiert derweil über allerhand Betriebszustände. Etwas mau ist hingegen die Ausstattung mit nur einem USB-Port in der ersten Reihe – Hinterbänkler gehen leer aus. Sie sitzen dafür recht kommod und können auch einmal zu dritt ordentlich Platz nehmen, fehlt doch der oftmals störende Mitteltunnel. Die Rücklehnen der zweiten Reihe sind in der Neigung verstellbar und der Kofferraum misst klassenübliche 395 Liter.

SsangYong-Tivoli-Tacho

Erstes Fazit

Auch wenn es scheint, dass wir den SsangYong Tivoli im Erstkontakt etwas zu grob anfassen: Wir finden, er macht seine Sache ziemlich gut und ist nicht nur ein Wagen für jene, die ihr Auto als striktes Fortbewegungsmittel von A nach B ansehen. Der hohe Einstig ist bequem, der Basis-Benziner für den Alltag ausreichend stark und wahlweise nimmt er bis zu 1.000 Kilo an den Haken. Zudem ist der Einstandspreis von 15.990 Euro für 163 höhergelegte Pferdestärken beinahe konkurrenzlos günstig. Auf der Negativseite stehen hingegen die teils durchwachsene Materialqualität, ein nicht ganz so moderater Testverbrauch und die Tatsache, dass die Optionsliste für einen SsangYong mittlerweile echt lang ausfällt. Zumindest ein verstellbares Lenkrad und eine manuelle Klimaanlage sollten unserer Meinung nach in der heutigen Zeit immer mit von der Partie sein. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: SsangYong Tivoli Sapphire 1.5 T-GDI 2WD
  • Motor: Vierzylinder-Benziner, Turbo, 1.497 ccm
  • Leistung: 163 PS (120 kW) bei 5.000 U/min
  • Drehmoment: 260 Nm bei 1.500 U/min
  • Antrieb: Frontantrieb, 6-Gang-Automatik
  • Verbrauch: 7,0 l S /100 km
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): ca. -,- s
  • Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,23 m/ 1,81 m/1,61 m
  • Gewicht: ca. 1.335 Kg
  • Grundpreis: ab 15.990 Euro (Crystal-Ausstattung)

*Herstellerangaben

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