Vergleichstest: VW Multivan vs. Chrysler Grand Voyager vs. Mercedes Viano – Ich packe meinen Koffer,...

... und nehme mit mein Fahrrad, mein Golf-Bag und meine Skier und, und, und. Denn alles passt ins Auto rein. Und zwar in die drei von uns getesteten Großraumlimousinen. Die zählen zwar nicht zu den schickesten Automobilen, die es auf dem Markt gibt.

Doch wenn es um Laderaum, Variabilität und Transportmöglichkeiten geht, macht den kastenförmigen Vans kaum einer was vor.
Mit VW T5 Multivan, Chrysler Grand Voyager und Mercedes Viano haben wir drei Klassiker in diesem Segment zum Vergleich gebeten. Altmeister ist der VW-Bus, bereits in fünfter Generation ist er mittlerweile erhältlich und wer sich für ihn entscheidet, hat die Wahl aus über zweihundert Kombinationen. Für den Privatgebrauch ist der sogenannte Multivan vorgesehen, bei dem man sich aber immer noch zwischen zwei Radständen, drei Ausstattungslinien, fünf Motoren und mehreren Getrieben entscheiden muss.

In unserem Test trat er mit Zwei-Liter-TDI, 140 PS und DSG in der Comfort-Line-Ausstattung an. Mit normalem Radstand misst der VW mit Schiebetür auf der rechten Seite 4,89 Meter und bietet Platz für sieben Passagiere. Praktisch: Die Dreier-Sitzbank in der letzen Reihe ist verschiebbar und hat eine Doppelbett-Funktion, die beiden Einzelsitze in der zweiten Reihe sind auf Schienen beliebig längsverschieb- und drehbar.

Drehen und verschieben

So lässt sich auch eine Vis-à-vis-Bestuhlung herstellen und wer das optionale Klapptischchen ordert kann im geräumigen Fond gemütlich Kartenspielen oder problemlos arbeiten. Sind alle Sitze eingebaut, stehen mindestens 657 Liter Stauraum fürs Gepäck zur Verfügung, baut man die hinteren fünf Stühle aus, passen satte 4.300 Liter rein und machen den T5 damit zum geeigneten Partner für Umzüge und Möbelhaus-Ausflüge.

Allerdings erfordert der Ausbau des Gestühls größeren Kraftaufwand, Geduld und gute Nerven, denn flottes Umräumen ist beim T5 nicht drin und mit abgebrochenen Fingernägeln muss gerechnet werden. Das reine Verschieben der hinteren Sitzbank geschieht dagegen genauso spielerisch wie das im Kreis drehen der beiden Einzelsitze.

Hoch hinaus

Dass der T5 wie ein Kollos vor einem steht, sollte niemanden beunruhigen, ist er doch tatsächlich sogar kürzer als ein Opel Insignia Sportstourer und dementsprechend handlich - 11,9 Meter Wendekreis können sich für den Fronttriebler sehen lassen. Was ihn so bullig erscheinen lässt, ist seine enorme Höhe von 1,97 Metern, die schon bei so manchem Fahrer Bedenken bei der Einfahrt ins Parkhaus hervorgerufen hat. Die Angst vor der Parklücke nehmen dagegen die gute Übersicht und einwandfrei funktioniernde Parksensoren, mit denen sich der Bulli problemslos rangieren lässt.

Unter der Haube des mindestens 2,1 Tonnen schweren VW werkelt ein alter bekannter, der Zwei-Liter-TDI mit 140 Common-Rail-PS und 340 Newtonmeter Drehmoment, die in unserem Testwagen tadellos von einem Sieben-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe verwaltet wurden. Sportwagenambitionen hegt der T5 damit freilich nicht, für den Standardsprint gönnt er sich 14,7 Sekunden und maximal läuft er 172 km/h, was für den kommoden Reisebus aber auch völlig ausreicht.

Maximaler Komfort

Komfortabler als der mitunter holprige VW präsentiert sich der Chrysler Grand Voyager, der in gewohnt US-amerikanischer Manier mit seinen 2,2 Tonnen Leergewicht gemütlich dahin schaukelt und seine Insassen auf den großen, bequemen Sesseln in Wohnzimmeratmosphäre wiegt. Auf 5,14 Meter Länge sitzen auch hier sieben Passagiere äußerst geräumig, wenngleich alle Sitze etwas tief angebracht sind und trotzdem die Kopffreiheit nicht überragend ist - der Voyager ist über 20 Zentimeter niedriger als der VW. Dafür wartet das Gestühl - zwei Einzelsitze in der zweiten, eine Dreierbank in der dritten Reihe - mit einem besonderen Schmankerl auf, dem Stow‘n‘Go-System.

Das ermöglicht es, alle fünf Sitzplätze ebenerdig im Fond zu versenken und so das Ladevolumen von 638 auf 3.296 Liter zu erweitern. Allerdings sind das fast 1.000 Liter weniger als beim VW. Dafür entfällt ein lästiger Ausbau und mit etwas Üben hat man den Dreh raus, wie man die beiden Einzelsitze im Fahrzeugboden verstaut. Die Rückbank macht dies auf Wunsch sogar elektrisch per Knopfdruck, was den Komfort noch weiter steigert und dem Chrysler einen Pluspunkt gegenüber den beiden Mitbwerbern verschafft.

Zwei Türen serienmäßig

Als einziger im Test kommt der Chrysler zudem mit zwei serienmäßigen Schiebetüren, die ab der mittleren Ausstattungslinie sogar elektrisch auf und zu gleiten. Bei VW und Mercedes gibt es die linke Tür nur gegen Aufpreis, dabei ist gerade sie äußerst praktisch, wenn man als Fahrer Jacke, Mantel oder Tasche in den Fond legen will.

Ebenfalls als einziger kommt der Voyager ab Werk mit einem Automatikgetriebe, dass die Kraft des 163 PS starken 2,8-Liter-Vier-Zylinder-Diesel verwaltet. Der schickt seine 360 Newtonmeter schon bei 1.600 Umdrehungen an die Vorderachse und scheucht den Ami in 12,8 Sekunden auf Tempo 100. Und mit 185 km/h fährt der stärkste Van im Vergleich auch den beiden anderen davon.

Automatik hemmt Temperament

Allerdings macht es der Sechs-Gang-Automat dem Selbstzünder nicht immer leicht und vernichtet durch hochtourigen Betrieb einiges der Kraft, die im unteren Drehzahlbereich zur Verfügung stünde. Vor allem an Steigungen weiß das Getriebe mitunter nicht, zu welchem Gang es nun greifen soll, und jongliert hektisch mit den Übersetzungen. Die Gangwechsel selbst geschen dafür sanf und kaum merklich.

Leistungsmäßig ziemlich mittig zwischen Chrysler und Volkswagen rangiert der von uns getestete, fünf Meter lange Mercedes Viano CDI 2.2, der es auf 150 PS und ein Drehmoment von 330 Newtonmeter bringt. Und auch was die Fahrleistungen anbelangt, reiht er sich dazwischen ein: Mit der optionalen Fünf-Gang-Automatik braucht er 13 Sekunden von Null auf 100 km/h, maximal schafft er Tempo 179.

Allerdings wirkt der Vier-Zylinder im Benz wie aus einem Laster und rumpelt munter und lautstark vor sich hin. Und auch das Fahrwerk erinnert mehr an einen Transporter, als an einen Van. Vor allem, wenn man mit dem Viano unbeladen (bis zu dreieinhalbtausen Liter passen rein) unterwegs ist poltert er über Unebenheiten im Asphalt und lässt die Insassen daran teilhaben. Das tut allerdings auch der VW gerne, lediglich der Chrysler federt amerikanisch-sanft jeden Schnitzer weg.

Luxus-Shuttle

Und das, wo doch der Benz eigentlich der Luxus-Van ist, in dem sich auch die Prominenz gerne Shuttlen lässt. Ab Werk hat er im Fond deshalb vier große, straff gepolsterte Einzelsitze; in Vis-à-vis-Stellung angebracht und auf Schienen verschiebbar. Der Umbau selbiger gestaltet sich leider, wie beim VW, auch im Viano kompliziert und ist kraftaufwendig. Und eine Dreier-Sitzbank die ihn wie in unserem Test zum Siebensitzer adelt gibt es auch nur gegen Aufpreis, von elektrischer Verstellung wie im Chrysler kann man nur träumen.

Was alle drei Wettbewerber bieten, sind neben dem üppigen Stauraum noch zahlreiche Ablagen. Überall finden sich Fächer und kleine und größere Stauräume für alles, was man gern griffbereit hat. Außerdem eint die Vans ihre immensen Möglichkeiten zur Individualisierung, die aufzuzählen ins Uferlose führen würde. Je nach Lust, Laune und vor allem Geldbeutel lassen sie sich mit Tischen oder Klappbetten, Entertainmentsystemen oder Büroeinrichtung ausstaffieren und erfüllen damit fast jeden Wunsch.

Viel Platz,viel Geld

Die größte Hürde dabei dürfte tatsächlich das Geld sein, sind alle drei doch keine Schnäppchen. Am günstigsten ist der Chrysler Grand Voyager 2.8 CRD zu bekommen, nämlich ab 35.000 Euro. Für 36.300 Euro gibt es den VW T5 2.0 TDI und für den Mercedes Viano 2.2 CDI müssen 39.000 Euro auf den Tisch gelegt werden - jeweils in der Grundausstattung mit Automatik beziehungsweise DSG.

Während beim Chrysler die Basisausstattung durchaus üppig ist (inkusive elektrischer Fensterheber, Bordcomputer, Audiosystem, Tempomat und 3-Zonen-Klimaautomatik), kommen VW und Mercedes eher spärlich bestückt aus dem Werk. Greift man bei den beiden zu einer besseren Ausstattungsline, ist man bereits bei rund 45.000 Euro angelangt, aber noch lang nicht am Ende der Fahnenstange. Das ist beim Chrysler eher erreicht: Für knapp 47.000 Euro gibt es den Voyager komplett ausgestattet.

Den günstigeren Anschaffungspreis für den Chrysler erkauft man sich allerdings auch mit dem höchsten Diesel-Verbrauch. Schon bei der Norm-Messung liegt der Grand Voyager mit 9,3 Litern über dem Viano (8,7) und dem T5 (8,2). In der Praxis dürfen dann gerne jeweils rund zwei Liter dazu addiert werden. Sparsamster im Test war trotzdem der VW, der 10,2 Liter konsumierte, gefolgt vom Mercedes mit einem Durchschnittskonsum von 10,8 Litern und 12,1 Litern im Chrysler.

Technische Daten
Marke und Modell Chrysler Grand Voyager Mercedes Viano VW T5
Karosserie Multivan
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 5.143 / 1.954 / 1.750 4.993 / 1.901 / 1.875 4.832 / 1.904 / 1.970
Radstand (mm) 3.078 3.200 3.000
Wendekreis (m) 12 11,8 11,9
Leergewicht (kg) 2.175 2.120 2.079
Kofferraum (Liter) 638 - 3.296 730 - 3.500 657 - 4.300
Bereifung Testwagen 225/65 R 17 205/65 R 16 215/60 R 17
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 2.777 / R4 2.148 / R4 1.968 / R4
Leistung (kW / PS) 120 / 163 110 / 150 103 / 140
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 360 / 1.600 - 3.800 330 / 1.800 - 2.400 340 / 1.750 - 2.500
Antriebsart Frontantrieb Heckantrieb Frontantrieb
Getriebeart 6-Gang-Automatik Fünf-Gang-Automatik Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Verbrauch
Krafstoffart Diesel Diesel Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 9,3 8,7 8
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 247 / Euro 4 231 / Euro 4 211 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) 12,1 10,8 10,2
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 12,8 13 14,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A. k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 185 179 172
Preise
ab (Euro) 34.990 41.122 36.322
Empfohlene Extras Limited-Ausstattung (9.000 Euro) Schiebetür links (773 Euro), Schiebetüren elektrisch (1.600 Euro), Sitzheizung (416 Euro), Klimaautomatik (660 Euro) Parkesensoren (630 Euro), Klimaautomatik (1.100 Euro), Bordcomputer (300 Euro), Schiebetür links (767 Euro)
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## Fazit
Pkw-ähnlich fahren sich alle Wettbewerber im Vergleich, am meisten „Van“ ist jedoch der Chrysler. Er wurde als Familien-Kutsche konstruiert, ist am komfortabelsten und mit seinen versenkbaren Sitzen und der optionalen elektrischen Bedienung lässt er sich kinderleicht umbauen. Das fällt bei VW und Mercedes schwerer, zumal die Sitze dort nicht verstaut, sondern nur mit großem Aufwand ausgebaut werden können und somit weniger für spontane Umbau-Aktionen geeignet sind.

Außerdem merkt man sowohl dem T5 als auch dem Viano an, dass sie aus der Nutzfahrzeug-Sparte kommen und für den Passagier-Betrieb umgerüstete Transporter sind. Vor allem die holprigen Fahrwerke und unkultivierten Motoren machen dies deutlich. Dafür arbeitet das DSG im VW beziehungsweise der konventionelle Fünf-Gang-Automat im Viano souveräner, als die Automatik im Voyager, die dem Motor leider viel seines Temperaments raubt. Und: Mit fast viereinhalbtausend Liter Stauraum ist der VW ungeschlagen.

Auch in Sachen Verarbeitung setzt der VW die Maßstäbe, wenngleich sich Viano und Voyager nicht verstecken müssen. Verglichen mit anderen Chrysler-Modellen ist die Qualität des Vans nahezu hervorragend. Gespannt darf man auf den Herbst 2010 sein. Dann nämlich bringt Mercedes die nächste Generation des Viano auf den Markt und das Rennen beginnt von Neuem.

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